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in scinem Gebiete beginnt. 1) Indem also Sophokles, denn mit diesem nur haben wir es hier zu thun, diese neue Weltanschauung zur Secele und zum Mittelpunkte seiner Poesie machte, trennte er sich ganz entschieden von seinem Vorgänger, bei dem, wie im Orient, die Motive sittlichen Handelns noch aus- scrhalb des Suhjects in den objectiven Wiillen der Götter fallen, Während So- phokles die ganze Handlung aus der Innerlichkeit des Subjeets hervorgehen lässt 2) und zu ciner freien, sittlichen That macht. Und dass er seiner Zeit in die innerste Scele gesehen, dass er das Zanberwort gefunden, wodurch er sie ihr Geheimniss auszusprechen zwang, beweist gleich sein erster dramatischer Nettkampf 3) gegen den ruhmgekrönten Aeschylos, in welchem dieser seinem jüngern Nebenbuhler den Siegerkranz überlassen musste, beweist ferner die immer steigende Liebe und Verekrung der Zeitgenossen gegen den gottgelieb- ten Sänger. 4) Aber gerade dasjenige, was ihm die Anerkennung seiner Zeit- genossen in so reichem Maasse erwarb, war der Grund,(und so kehren wir zu dem zurück, wovon wir ausgingen,) dass er von den Spätern nicht verstan- den, ⁹) deshalb bei Seite geschoben und beinahe vergessen wurde. Wie hät- ten auch Zeiten, die haltungslos zwischen der Dumpfheit eines unklaren Ge- fühls und der Dürre eines nüchternen Reflexionslebens hin und her schwank- ten, und denen das Reich des freien, selbstbewussten Geistes eine reine ferra incognita war, einen Genius, dessen innerstes Leben in diesem Doden wurzelte. verstchen und begreifen sollen! Dafür fehlte es durchaus an einem empfäng- lichen Organe. Erst der gewvaltige Umschwung, welcher in Folge einer immer
¹) O. Müller, auf derselben Seite behauptet es wenigstens von Thukydides;„als Geschicht- schreiber schliesst sich Thukydides so wenig an die Jonischen Logographen an, deren Reihe durch IIerodot ihren Gipfel erreicht, dass mit ihm vielmehr eine ganz neue Art der Ceschichtschreibung beginnt.“
2) Vischer, S. 112-
3) Wahrscheinlich mit dem Triptolemos. Miiller II, 112. Schöll, Sophokles S. 31 u. flgde. Plinius N. G. XVIII, 12, 1-
4) dass or sogar die Stelle eines Feldherrn in dem samischen Kriege erhielt. S. Böckh, über- die Antigone, in den Abhandlungen der Berliner Akademie, 1824 8. 42 flgde. Schöll, S. 133 flgde.
5) Dasselbe Schicksal theilen seine Geistesverwandten; vgl. 2. B. das Urtheil Reiske's über Thukydides in der Vorrede zu seiner Uebersetzung;„ Thucydides Kürze besteht in kur⸗ abgestuzlen und nach einer gewissen kurzen Elle verschnittenen Perioden, mit frostigen Wortspielen, eckelhaften Antithesen, greulichem Verwurf der Worte, über alle Maassen harten und unerhörten Wortfügungen, die selbst die gebornen alten Griechen und diec grössten Verehrer des Thucydides nicht verdauen können, sondern soloccismos, d. i. Sprachschmitzer schelten, die sich auf keine Weise entschuldigen lassen, und die man nur zo ganz wie sie sind, ungekaut mit Ilaut und Ilaaren verschlucken muss.“ Wie die Ro- mesr über Sophokles urtheilten, darüber vgl. Quinctil. X, 1, 97. Frotscher.


