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völlig verschiedenes. 1) Dass er auf den Gedanken kam, den Weg, auf wel- chem sein Vorgänger so viel Ruhm und Anerkennung gefunden, zu verlassen und einen ganz neuen zu betreten, davon liegt der Grund nicht in einer ei- genthümlichen Geistesrichtung oder einem zufälligen Belichen desselben, son- dern war eine nothwendige Folge der totalen Umwälzung, welche damals in dem gesammten athenischen Leben eingetreten war. Der Rreis der Anschatrun- gen und die alten, objectiven Formen der Sittlichkeit, in welchen sich das- selbe bis dahin bewegt hatte, waren durch die Perserkriege zerirümmert, und die Athener sahen sich genöthigt, alle Verhältnisse des Lebens durch die schöpferische Rraft des freien Gedankens aus ihrem eigenen Innern wieder- herzustellen und neu zu gestalten. Alle Fesseln des Herkommens und der Autorität, welche das freie Spiel und die Entfaltung der Individualität einge- engt und gehemmt hatten, waren gebrochen und zum ersten Male in der Ge- schichte gelangte der Geist zum Dewusstsein seiner selbst und seiner sitilichken Freiheit. Zwar lag dieses Princip schon ursprünglich in dem hellenischen Geiste, wofür das Heroenthum und die Götterwelt mit ihrer bunten Fülle van Gestalten zeugt, und bildet wesentlieh den Gegensatz gegen den Orient, wo der Geist gleichsam in einem Traumleben befangen den Grund sciner Be- stimmtheit noch ausser sich hat, aber nichts destoweniger strömte noch viel orientalisches Blut ²2) in dem Rörper hellenischer Geistesbildung in Runst und Wissenschaft, und es bedurfte einer Jangen Entwiekelung und gewalliger Rämpfe, che die Hellenen diese fremdartige Substanz ausschieden und zu dem vollständigen Bewusstsein ihres substantieclien Iahaltes, des freien, sitilichen Geistes gelangten. Diesen Wendepunkt bezcichnen die Derserkricge und von hier an datirt eine neue Aera in der Entwickelung des athenischen Volkes. Alle grossen Individuen jener glänzenden Epoche sind von diesem Gciste durck- leuchtet und haben ihn, jeder nach seiner Anlage und Individualität zur, Existeuz herausgearbeitet; Perikles im Staatsleben, Thukydides ia der Historie, Sokrates in der Philosophie, Sophokles in der Pocsie. Undwie diese Geister dadurch in die innig- ste Verwandtschaft zu einander treten, ⁸) so bilden sie wiederum den enfschieden- sten Gegensatz gegen ihre Vorgänger, mit denen sie so wenig Zusammenhang haben, dass vielmehr mit einem Jeden von ihnen eine neue Entwickelungsreihe
1) Auch Gruppe Ariadne 275 hat die Bemerkung gemacht, dass die Kunstform des Sophokles mit der äschyleischen wenig Verwandtschaft habe, obgleich das, worein er die Verschie- denheit beider Dichter setzt, unrichtig ist. Seine Ansicht ist vollständig widerlegt durckh das vortreflliche Buch von Vischer, über das Erhabene und Komische; vgl. S. 103. ff. S. 118.
2) Friedrich Schlegel, Vorlesungen über die CGeschichte der alten und nenen Läteratur, I, zweite Hälfte der ersten Vorlesung.
8) O. Müller, Vorlesungen über gricchische Literatur, II, 8. 14. 343.


