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unterrichtet, abhängig wäre, daher er denn auch für die Folge den Unterricht in den mittlern Rlassen, für den er eine Vorliebe gewonnen hatte, dem in den obern vorzog, obgleich er in seinem Prüfungszeugniss dazu für befähigt und in sciner Vocation für berechtigt erklärt wor- den war. So viel von dem äussern Leben unsers vollendeten Freundes.
Es ist eine bekannte Erfahrung, dass wir ein Gut, wie sehr wir uns seines Besitzes erfreuen mögen, seinem wahren Wertue nach doch erst dann erkennen, wenn wir es verlo- ren haben oder verlieren sollen. Daher die innige Rührung, der lebhafte Schmerz, der uns ergreift, wenn ein Freund auf lange Zeit von uns scheidet, mit dem wir in inniger Verbin- dung gelebt haben. Dann füulen wir erst was er uns gewesen, dann wird es uns erst Rlar, wie unentbehrlich die süsse freundliche Gewohnheit des täglichen Umganges, des gemein- schaftlichen Wirkeus ihn uns gemacht hat, dann erwacht das Herz wie aus einem Schlummer und wird sich seiner Licbe erst bewust, dann schwindet gleich einem Nebel, was im alltäg- lichen Leben das Bild des Freundes trübemmochte, und er steht inseiner wahrsten Gestalt, in sei- nem eigensten Wesen vor unserer Scele. Und diess gilt um so mehr, wenn es eine Tren- nung auf ewig ist, wenn der Scheidende in das Land übergeht, aus welchem noch kein Wan- derer zurückgekehrt ist. Und die Treunung ist um so schmerzlicher, je länger wir verbun- den waren, und der Schmerz um so gerechter, je edler das Band ist, welches uns an einan- der knüpfte. In diesem Verhältniss zu dem Vollendeten stehen wir beide, Lehrer und Schü- ler. Darum ist es ein gemeinsames Gefünl der Trauer, welches unser Aller Herzen erfüllt; wir haben ihn ja Alle verloren, und wir haben uns der Thränen nicht geschämt, die ihm flossen, als wir die erste Runde von seinem Tode vernahmen, und als wir gestern seine ir- dischen Ueberreste zur letzten Ruhestätte betleiteten. Uns Lehrern war er ein treuer, freundlich gesinnter Amtsgenosse; es ist niemand unter uns, der seiner Sitten Freundlichkeit nicht erfahren, nicht Beweise seiner Gefälligkeit und Dienstfertigkeit erhalten hätte. Und in gleichem Grade, wie wir ihn liebten, mussten wir ihn ehren; denn er gehörte zu den Leh- rern, welche nicht weniger durch ihre Gesinnung, als durch trene Erfüllung ihrer Pflicht segensreich wirken. Und er hat so lange Jahre mit treuem Eifer an unserer Anstalt gear- beitet; ja er lebte recht eigentlich in dem Gymnasium und für dasselbe; er bewegte das Wohl desselben im Einzelnen und Ganzen unaufnörlich in seinem Gemüthe, und noch auf dem Sterbelager war diese Sorge die cinzige und letzte, die seine Seele beschäftigte. Aber am schmerzlchsten habe ich selbst seinen Verlust zu beklagen. Abgeschen davon, dass er als Rendant eine grosse Stütze für den Dirigenten war, verliere ich in ihm den letzten der Collegen, die ich bei meiner Austellung an dieser Anstalt im Jahre 1815 vorfand, mit dem ich von gleichem Alter war, und als Universitätszeitgenosse so manchen heitern Berührungs-
unkt hatte, mit dem ich so lange hier gearbeitet, so manches gemeinschaftlich erwogen, in rreud und Leid so manches erfaliren hatte. Wenn ich mir die Mitarbeiter vergegenwärtige die seit meinem Gedenken, theils durch den Tod, theils auf andere Veranlassung aus unserer Mitte geschieden, wenn ich an die grosse Verschiedenheit derselben denke, nach Bildung und Character, nach Neigung und Sitte, nach Grundsätzen und Talenten, nach ihrer ganzen Ei- genthümlichkeit und Persönlichkeit, wenn ich denke an die Bewegung und Unruhe, welche solche Verschiedenheit herbeiführte und stest herbeizuführen dronte: so ist mir immer die sich gleich bleibende ruhige Haltung des Vollendeten, die aus richtigem YVerstande und ed- ler Gesinnung zugleich entsprang, in hohem Grade achtungswerth erschienen; und ohne sich zur Vermittelung der Extreme aufzuwerfen, ohne seinen Einfluss geltend machen zu wollen, hat er doch durch eben diese auspruckslose aber Achtung einflössende Haltung, so wie durch die aus wahrer Bildung hervorgehende Feinheit der Sitte zur Erhaltung des Gleichge- wichts und des Friedens nicht wenig beigetragen. Und wie auf seine Collegen, so übte und zwar in noch grösserem Masse und ununterbrochener Dauer seine sittliche Gesinnung auch auf die Jugend einen wohlthätigen Einfluss. Diess haben seine Schüler, wenn nicht auf der Anstalt, doch später immer erkannt, und sind ihm in Liebe und Achtung stets zugethan ge- plieben.—.
Was er seiner Familie war, kann hier nicht erörtert werden; aber eine Frucht, die sein Familienleben, wie jedes wohlgeordnete auf sittlicher Grundlage ruhende, der Schule


