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trug und trägt, darf nicht unerwähnt bleiben: ich meine die musterhafte Führung seiner Söhne während ihres Schülerlebens, des ältesten der gGegenwärtig noch dem Privat-Studium der Alterthumswissenschaft in Breslau obliegt,*) und des jüngern, den unsere Schüler alle als einen fleis- sigen und wohlgesitteten Commilitonen kennen und schätzen. Sie verdanken diess der stren- gen und vor Allem consequenten Zucht, die der Vater übte, der frühzeitigen, für Schule und Leben so ersprieslichen Gewöhnung an Ordnung und Fleiss und Gehorsam; dazu kam noch mehr als die Furcht, die Licbe, die Sorge den guten Vater nicht zu betrüben, ihn den eine Rüge, welche sich die Söhne zuzogen, ja auch nur die leiseste Unzufriedenheit ihrer Lehrer aufs tiefste verwundete und schmerzte. Ihr aber, meine jungen Freunde, habt in dem Vollen- deten einen treuen Lchrer verlohren, und nicht bloss die jüngern unter Euch, die er noch jüngst in der vierten Rlasse unterrichtete; auch die älteren verdanken ihm der Mehrzahl nach zum Theil ihre frühere Bildung; und wenn Ihr auch noch nicht begreifen könnt, wie gross und dankenswerth die geistige Wohlthat der Erziehung und des Unterrichts ist, so vermögt ihr es doch schon zu ahnen, und ihr ahnet es, indem ihr Euch hingezogen fühlt zu denen, die ihre Zeit und Rraſt, ja ihr Leben Eurem Unterrichte widmen, die sich zu Euch herah- lassen, mit Hingebung und Eifer Eure jungen Seelen zu bilden, die unverdrossen bemüht sind, Euren Geist mit heilsamen Wahrheiten, mit nützlichen Renntnissen und Fertigkeiten zu schmücken, die Reime der Tugend in Eurem Herzen zu pflegen, Eure schwache Rraft zu Wecken, zu stützen, zu stärken, und Eure jungen Scelen aus Nebel und Dämmerung dem Lichte der Erkenntniss allmälig entgegen zu führen. Und wie treu und Deharrlich ist der Geschiedene in diesem Geschält gewesen! wie hat ihn selbst schweres hörperliches Leiden in den leizten Jahren nicht abhalten können, Euch solchen Dieunst zu erweisen; wie oft hat er sich gewaltsam vom Schmerzenslager aufgerafft, um treu aufdemihim angewiesenen Posten zu er- scheinen, und das mühsame aber ihm liebgewordene Geschäft seines Lebens fortzusetzen. Behaltet, vermehrt, übt, was er Euch gelehrt, ahmt ihm nach in seinen Tugenden: in seiner Gewissen- hafligkeit und Redlichkeit, in seiner Orduungsliebe und in seinem Fleisse, in seiner Dienst- fertigkeit und Bescheidenheit— so chrt Ihr ihm am W ürdigsten im Tode, so könnt Ihr ihm die Schuld der Daukbarkeit am besten bezaullen. Die Euch bleibenden Lehrer aber umfasset mit um so Wärmerer Liche, mit um so kindlicherem Vertrauen; bedenkt, wie bald Gott auch über uns gebieten kann, und wie Ihr es dann zu bereuen hättet, wenn lur den Unterricht des Abgeschiedenen nicht recht benutzt,— wie es Euch schmerzen müsste, ihn durch Leicht- sinn und Unlleiss oder durch Sittenvohheit und Ungehorsam betrübt zu haben.
Und wie wir im Gefähl der Trauer über den Verlust, unseres Freundes uns begeg- nen, so wollen wir auch gemeinschaftlich scin Gedäcktuiss im MHerzen mit Liebe bewahren; wir wollen uns freuen, dass er die Ruhe gefunden, die er durch sein mühsames Tagewerk
so redlich verdient hat. Denn obgleich noch in den kräftigen Jahren des Mannes, fühlte er doch selbst seine Lebenskraft gebrochen, und sah cinem leidenvollen Alter entgegen. Wohl ihm, dass er den Gebrechen desselben und der noch schwereren Prüfung, wenn der Trieb zu wirken die Kraft dazu überlebt, durch seinen Tod enlgangen; wohl ihm, dass er im Be- sitz und Bewusstsein der Anerkennung seiner hohen Vorgesetzten, die ihm zur Belohnung seiner Verdienste in Rurzem den Rang eines Oberlehrers beizulegen gedachten, der Licebe und Achtung sciner Amtsgeuossen, seciner Schüler, so wie der Werthschätzung aller Gu- ten von uns geschieden; dass er in dem Bewusstsein treu erfüllter Pflicht, frei von peinlicher Sorge um die geliebten Seinen, für die er so redlich gesorgt, und für die Gott und gute Menschen ferner sorgen werden, sein Auge zum ewigen Schlafe schliessen konnte. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, in treuer Erfüllung des Berufs, den Goit ihnen angewiesen, ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Uns alle aber, die wir uns noch durch Goites Gnade dieses Lebens erfreuen, lehre sein schneller Hintritt, wie bald auch wir auf einen höhern Uebungsplatz unserer Kräfte abgerufen werden können, damit wir es weise gebrau- cheu und nicht säumen zu wirken so lange es Tag ist; denn es komuut die Nacht, da niemand wirken kann.—.
*) Gustav Weigand, geb. den 17. December 1818, seit Kurzem Dr. phil.


