Bei der Gedächtnissfeier des am 30. Februar 1840 gestorbenen
Gyumnasiallenrers F. G. eigand gesprochen vom Direktor.
Herr Ferdinand Gottlieb Weigand, dessen Gedächtnissfeier uns hier versammelt, war ein Sohn des 1801 verstorbenen Lchrers dieser Anstalt, Ernst Valentin Weigand, der früher eine lange Reihe von Jahren Pastor in Eisenberg bei Strehlen war, 1783 aber das Amt des Religionslebrers mit dem des Jugendlehrers vertauschte. Obgleich in beschränkter Lage hatte er durch Sparsomkeit und eigene Entbehrungen es doch möglich zu machen ge- wust, von seinen drei Söhnen zwei studiren zu lassen, was der Vollendete mit dankbarer Rührung oft erwähnte. Schon im 5ten Jahre durfte der muntere, lernbegierige Rnabe den lieben Nater in die Lehrstunden begleiten, wo es ihm denn eine ergötzliche Unterhaltung gewährte, dem feierlich ernsten Geschäft des Lehrens und Lernens, von dem er freilich noch gar wenig verstand, mit offenem Auge und Ohre zu folgen. Im 7ten Jahre wurde er von dem damaligen Rector Scheller als wirklicher Gymnasiast in die Matrikel eingetragen, besuchte aber zunächst nur die Lectionen seines Vaters, die für ein so jugendliches Alter ge- eignet waren. Da nicht gewöhnliche Anlagen und eine ungemeine Regsamkeit des Geistes seinen emsigen Fleiss unterstützten, wurde er schon im Alter von 14 Jahren nach Prima fortgesetzt und verliess Ostern 1804 mit dem Zeugniss der Reife, wenige Tage nach der Ankunft des als Rector berufenen seligen Directors Schmieder unsere Anstalt, um nach der Bestimmung des Vaters, gleich dem äftern Bruder in Halle Theologie zu studiren, und ich erinnere mich ihn dort zwei Jahre hindurch täglich in den Vorlesungen des berühmten Dr. R napp geschen zu haben. Als nach der französischen Invasion 1806 die Universität Halle durch den Machtspruch Napolceons aufgehoben wurde, und wir alle plötzlich rath- und hilflos die Stadt verlassen musten, kehrte Weigand in sein Schlesisches Vaterland zurück, und lebte sieben Jahr als Hauslehrer in der Nähe von Brieg, zuletzt im Hause des Herrn von Rork- witz, wo er als Familienglied behandelt und auch nach seinem Abgange als Freund des Hauses betrachtet wurde. Im Jahre 1813, nach bestandener Schul-Amts-Can- didàten-Prüfung, erhielt er von dem damaligen berühmten Rector Manso einen Ruf an das Magdalenen-Gymnasium zu Breslau, zog aber eine Anstellung an dem Gymnasium sei- ner Vaterstadt aus dankbarer Anhänglichkeit an diese und deren Lehrer vor. Hier übernahm er einen Theil der Lehrstunden seines ehemaligen Lehrers Fiebig in den mittlern und untern Rlassen und die historische in der zweiten; zum Beweise seiner damals fleissigen geschichtlichen Studien kann eine Reihe von historischen Mittheilungen aus der Brandenburgischen Geschich- te dienen, welche er in den ersten Jahren seiner Amtsführung für das hiesige Wochenblatt lieferte. Nach der Pensionirung seines Collegen und Schwiegervaters, Gymnasial-Lehrers Fiebig 1822, mit dessen Tochter, der ihn jetzt betrauernden Wittwe, er sich 1817 vermählt hatte, übernahm er die Rendantur der Gymnasial-Casse, welche einst auch sein Vater verwal- tet hatte, ein Amt, zu welchem er die erforderlichen Eigenschaften: ausser der strengsten Gewissenhaftigkeit, Ordnungsliebe, Pünktlichkcit, Renntniss der Verhältnisse, Wahrnehmung des Gymnasial-Interesses, Rlarheit der Darstellung bei Berichten und Auträgen, praktische Gewandtheit und Sauberkeit der Handschrift, in so vorzüglichem Grade besass, dass der seli- ge Director Schmieder zu sagen pflegte, wenn Weigand sich diesem Geschäftszweige von Anfang gewidmet, hätte das Gymnasium einen braven Lehrer verloren, der Staat aber einen ausgezeichneten Rassenbeamten gewonnen, und unterstützt durch gründliche Schul- und Universitätsbildung würde er es unstreitig zu einer eben so hohen als einträglichen Stellun ge- bracht haben. Und es gehört zu des seligen Schmieders Verdiensten, diese Qualification in ihm erkannt und ihn der hohen Behörde zu diesem Posten vorgeschlagen zu haben. Bei Einführung des Rlassensystems erhielt er das Ordinariat der vierten Rlasse, und be- hielt es auch dann, als eine Veränderung im Collegium eintrat, ohne seine Ansprüche auf das der dritten Rlasse geltend zu machen, weil er von dem richtigen Grundsatze ausging, das der Grad der Nützlichkeit und Achtungswürdigkeit des Lehrers nicht von der flasse, worin er


