Aufsatz 
Conjectanea in Aeschyli supplices
Entstehung
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ihnen Zuflucht und Tempel sein so lange es Schulen geben soll; denn ohne Pietät sind keine denkbar. 1

Wenn Sie, geliebte Jünglinge, das Gedächtniss des verklärten Königes nicht ſeiern können, ohne der vielen und grossen Wohlthaten, die unsere Anstalt ihm verdankt mit dankbarer Gesinnung eingedenk zu sein, wenn Sie dabei auch des Glückes sich lebhafter be- wusst werden, welches Sie vor so vielen ihrer Altersgenossen voraushaben, dass Ihnen ver- gönnt ist, die Jahre der Jugend, statt den kleinlichen Mühen und Rümmernissen des Lebens, der Wissenschaft zu widmen, und ohne ängstliche Rücksicht auf den besondern Bedarf des Lebens ihre RKräfte frei in jeder Richtung zu entwickeln: so dürfen Sie auch nicht vergessen, welche Pflicht diess ihnen überhaupt und namentlich gegen König und Vaterland auferlegt, in Beziehung auf die sich zu denken, Sie heute vor Allem Anlass haben. Und dazu muss ich Ihren Blick noch einmal über die Grenzen der Schule hinaus auf die Stellung und Bestim- mung unsers Staates richten.

Man hat Deutschland nicht mit Unrecht das Herz von Europa genannt: Preussen als Sitz des höhern Bewusstseins das Haupt desselben; beide: Preussen und Oesterreich die Atlanten der germanischen Welt. Aber während mit einem andern Gleichniss der letz- te Staaten-Rörper schon wegen seiner Masse, noch mehr vermöge seines Systems der Be- harrung dem germanischen Schiffe Gleichgewicht und Ialtung giebt, scheint der ansere, vermöge seines ursprünglichen Princips der Bewegung und des Fortschritts, vielmehr befä- higt und bestimmt, am Steuer zu sitzen, oder als Schiffscapitain, die ewigen Sterne im Auge, das Fahrzeug durch Sturm und Wogen dem Ziele rasch und sicher entgegenzuführen. Aber dies chrenvolle Loos ist ihm nicht vom Himmel gefallen. Viel harte Rämpfe hat unser Volk bestehen müssen, viel Noth und Mühsal erdulden, viel Opfer an Gut und Leben brin- gen müssen, ehe es zu der heutigen Macht und Bedeutung emporzusteigen vermochte; und wie viel kostet es noch, um auf solcher Stufe sich zu halten! Während andere Nationen vom Erbe ihrer Ahnen zehrend, auf üppigem Polster gelagert und im Genusse der ihnen zuströ- menden Gaben und Schätze der ELN schwelgend, gleich den müheloslebenden Göôttern Ho- mers das Leben hinabschwimmen muss Preussen noch stets im Schweisse seines Ange- sichts sein Brot essen, muss es noch stets ringen mit der Ungunst, theils des Bodens und des Rlimas, theils und noch mehr der äussern Lage und Verhältnisse zu andern Staaten; muss es fortwährend alle Rräfte aufbieten, um die Steuern zu erschwingen, ohne die der kostbare Haushalt nicht zu bestreiten wäre; muss es stets, die Hand am Schwerdt, zu Schutz und Trutz gerüstet sein, und statt im üppigen Genuss der Erdengüter, wie ihn das Herz begehrt, in dem edlen Stolze sein Genüge finden, dass es seinen Wohlstand sich selbst und seiner Rraft verdankt, und in der Achtung die es andern Staaten gebietet. Ja alle Kräfte, sage ich, muss Preussen fort und fort aufbieten; doch vor Allen und zuerst die geistigen; denn Geistescultur, Intelligenz und sittliche Energie sind es, worauf die Grösse unsers Staats beruht, welche die materiellen Kräfte zu durchdringen, zu erwecken, zu beleben und die Masse schnellern und geregeltern Schrittes dem erhabenen Ziele aller menschheitlichen und nationalen Anstrengung entgegen zu führen allein vermögend sind.

Wohlan, Jünglinge, diess mühsame aber ehrenvolle Loos des Staats, zu dessen Bür-

eern Ihr erzogen werdet, stets im Auge, vergesset nicht, dass Ihr zu gleicher Noth und Ar-

keit im Dienst des Vaterlands berufen seid! sorgt dazu tüchtig und bereit zu sein, wenn auch für Euch die Stunde schlägt, für Preussens Wohl und Ehre mitzuwirken und dadurch die grosse Schuld an Staat und Rönig abzutragen. Darum hinweg Allcs, was Leib und See- le schwächt! Hinweg jene verweichlichenden Genüsse, nicht Weniger als Völlerei und Sinnen- taumel jeder Art! Hinweg jene schlüpfrige Unterhaltung, gleichviel mit schlechten Büchern oder Menschen, die die Phantasie verdirbt, die Schnen des Geistes erschlafft, das Herz be- fleckt und wüst und öde macht, und den gesunden Athem der Scele: dass sittliche Gefühl erstickt! Hinweg mit aller Schlaffheit und Gemächlichkeit, der sich das Herz so gern ergiebt! Vielmehr die Kraft zusammen gerafft, den Willen gestählt, den Leib getüchtigt! Nur dann dürft Iur des Vaterlands Euch rühmen, nur dann der Name Preussen Euch mit Stolz erfül-