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heiligen Bande gehalten— im Wogensturme Schiffbruch zu leiden, läge sie nicht mehr fest gekettet am Ankertaue der Natur. Es hlingt gar schön und erscheint recht einleuchtend, denn es scheint das Interesse des Regenten wie des Volks zu sein, wenn man behauptet, an die Stelle der Pietät, deren Zeit vorüber, müsse die Intelligenz treten, und der Unterthan das nun mehr aus Ueberzeugung thun, was er sonst aus blindem Gehorsam, oder gedankenloser Treue gethan. Aber kann die Masse dem Fluge derer gleiches Schrittes folgen, die von der Idee ergriffen und erleuchtet sind? Und angenommen, dass durch eine Volksvertretung, wie man sie fordert, die Reife des politischen Sinns und Lebens gezeitigt wird— wird durch dieselbe die Pictät ersezt, die Bedingung und Gewähr alles Gesetzes und aller Gesetzlich- keit? Führwahr! Ist ein Volk in dem Sinn für mündig erklärt, dass der Wille des Fürsten
durch den Volkswillen bedingt ist— und gerad herausgesagt das ist, was die Liberalen for- dern— so hat damit der Staat, wie den Charakter, so auch die Segnungen und den Frieden
der Familie eingebüsst. Ein solehes Volk gleicht nun nicht etwa den Söhnen, welche der väterlichen Gewalt entlassen sind, um selbst Mittelpunkt und Haupt einer Familic zu wer- den— dies läge über den Vergleich hinaus— es gliche den Söhnen, welche Glieder der Familie bleiben,— die doch in Wahrheit nun keine mehr ist,— aber ferner nicht zu fol- gen brauchen und für sich selbst zu sorgen haben.—!— Die schöne Zeit der Licbe, des Ver- trauens, des harmlosen Daseins für solch ein Volk ist nun dahin, und es wiederholt sich das Schauspiel der Nachbaren, die sich ihrer Freiheit rühmen und ihrer doch nie froh zu werden vermögen; ein Schauspiel das die Welt schon so lange ärgert und hetrübt; denn unvermeidlich beginnt früher oder später, offen oder versteckt der näpf der Gewalten, der erst mit Unterdrückung der einen zu enden pflegt. Und wenn es der Volksgewalt durch of- ſene Empörung, wenn es der königlichen durch Wachsamkeit und schlauc Biegsamkeit ge- lingt, ihre Existenz zu fristen: ist das die Aufgabe und Bestimmung eines Volks, seine be- ste Rraſt nur auf den Rampf um Erhaltung der Verfassung zu verwenden? hat es nicht mehr zu thun in der Welt, als stest nur das wankende IHaus zu stützen, vor Wind und Wetter zu bewahren? ist die Verfassung Zweck, und nicht vielmehr nur Mittel, nur ein Ob- dach, bestimmt die Gesammtthätigkeit cines äusserlich und innerlich sich entwickelnden Vol- kes schützend und fördernd aufzunchmen?
Und ist von unserm Staate die Rede, was könnte er gewinnen? Verdankt er nicht schon der weisen Fürsorge seiner Regenten die Güter, nach welchen andere Völker vergeb- lich ringen, oder die durch Revolution erworben ihnen niemals frommen? Fehlt es an Mit- teln dic Wänsche und Bedürfnisse der Communen, der Provinzen vor den Thron zu brin, gen? Fehlt es an Gleichheit vor dem Gesetz, an Freiheit der Gewerbe, des Verkehres, der Gewissen, der Gedanken? Stets haben unsre Fürsten durch rechtzeitige Iustitutionen und Reformen die Macht und Wohlfahrt des Staats gefördert, stets ihren Unterthanen diejenigen Güter und Wohlthaten aus freier Entschliessung zu Theil werden lassen, deren sie fähig und würdig waren. Wir wollen ihrer Weisheit und Güte auch ferner vertrauen, wir wollen dankbar uns der Vorzüge erfreuen, um die uns andere Völker beneiden, und unser Glück suchen und finden in treuem Gehorsam gegen die Gesetze und Verordnungen einer eben so weisen und gerechten als milden Regierung.
Und wie diese Austalten bestimmt sind zu Uebungsplatzen der geistigen Rraft, so sollen sic auch Pflanzschulen und Heiligthümer der Vaterlands- und Fürstenhebe sein und bleiben. Hier werde das junge Gemüth erfüllt mit Achtung vor Gesctz und Recht, hier früh gewöhnt, denselben zu gehorchen, der Pflicht den Trieb zu unterwerfen; hier lerne es die geistigen Wohlthaten, die es alltäglich empfängt, mehr und mehr mit Dank gegen seine Wohlthäter erkennen, hier Eltern, Lehrer, Obrigkeit ehren, und ohne dass wir täglich des Rönigs Namen im Munde führen, und jeden Morgen, wie anderswo befohlen, ihm als dem Ebenbilde der Gottheit Secgen vom Himmel zu erflehen, werde es beim passenden Momente angeleitet, mit inniger IHlocuachtung und Vertrauen zum Oberhaupt des Staats, zum Vater des Vaterlandes aufzublicken. Ja, wenn Pietät und Treue, von allen Rreisen der Gesell- schaft ausgeschlossen, keine Stätte mehr auf Erden finden könnten: so müsste die Schule


