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Sie haben ihn wenigstens zum Theil mit empfunden, ohne ihn seiner Grösse und Natur nach zu verstehen. Denn dem Staate noch nicht unmittelbar, sondern nur durch die Familie an- zehörend, können Sie, was jenen berührt und bewegt, nur mittelbar durch diese mit empfin- en. Es war aber und ist nicht allein oder zuerst die Zahl und Grösse der uns durch ihn gewordenen Segnungen, die ihn uns so theuer, seinen Verlust so schmerzhaft macht; diesc würde eine so allgemeine und tiefe Bewegung niemals hinlänglich erklären; nein es ist die grosse Zeit selbst, die wir mit ihm durchlebt haben, eine Zeit, wie sie mit allen ihren gross- artigen gewaltigen Erscheinungen in der Geschichte unseres Geschlechts So nie da war, und kaum jemals so wiederkehren kann. Sie unsere Schüler, wie das ganze Geschlecht der heu- tigen Jugend, kennen sie nur vom Hörensagen und haben daher auch nur eine schwache Ahnung von der Noth und Begeisterung jener Jahre, einer Begeisterung grösser und heili- ger als die bei den Völkern des classischen Alterthums in ihrer höchsten Blüthe bewundert und gepriesen wird, und so allgemein und gewaltig, dass jeder das Letzte und Liebste was er besass mit Freudigkeit auf dem Altar des Vaterlandes opferte, und dass selbst die Zöglinge der beiden obern Hlassen dieses Gymnasiums, auf andern auch der 3ten Klasse hinauseilten auf das Feld der Ehre und Gefahr, um mit Gott für Rönig und Vaterland zu kämpfen, zu bluten, zu sterben. Die Qual und die Wonne dieser Zeit war es, welche die Herzen des Fürsten und seines Volkes aufs Innigste verbunden hatte. So gehen oft Vater und Sohn, ob- gleich im Herzen mit Liebe und Achtung einander zugethan, in Zurückhaltung lange neben einander, bis bei einem Verhängnisse, das plötzlich über die Familie hereinbricht und zur Gemeinschaft des Raths und der That mit zwingender Gewalt hindrängt, die Liebe jede Schranke durchbricht, und nun beide im Uebermasse der Empfindung einander an die Brust sinken und mit schmerzlich süsser Lust sich umfangen halten, um sich nimmer zu lassen. So das preussische Volk und sein grossherziger Rönig in jenen Jahren des Unglücks und der Erhebung. Und diese damals zum Durchbruch gekommene Liebe gründete sich auf die rein- ste Verehrung. Verehren, sagt ein Weiser des Alterthums, ist eine heilige Lust der Seele. Fürwahr! es ist ja die Befriedigung eines der edelsten Bedürfnisse unserer höhern Natur— des Bedürfnisses, mit Hochachtung zu Solchen aufzuschauen, in welchen wir, was gross und edel ist, und woran unsere Seele wie das Auge am Licht und scinen Erscheinungen sich er- quickt, ja die Tugend selbst gleichsam verkörpert erblicken. Und wie glücklich ist das Loos der Völker Preussens, die vier Jahrhunderte hindurch in ihren angestammten Regenten Män- ner von hohem sittlichen Werth und Verdienst verehren konnten; wie glücklich vor Allen wir, dass wir einem Fürsten angehörten, der gross war durch das was er gethan, noch grös- ser durch das was er war, durch Tugenden und Vorzüge, die ihn zum Hort deutscher Ein- heit und Freiheit machten und zum Schirmherrn der evangelischen Rirche: durch Hoheit der Gesinnung, Stärke und Rraft des Willens, durch strenge Gerechtigkeit, durch Standhaf- tigkeit im Unglück, Maàssigung im Glück; einem Rönige, der noch einmal in dieser Zeit der Di- lomatik an seinem Beispiel aufs glänzendste bewiesen, was ein starker Charakter wiegt in Suropa's Wagschale, wie alle List und alle Kunst der Politik vor solcher sittlichen Grösse zu Schanden wird, und wie vor solcher Fürstengrösse auch die Regierungen, die ganz anderem System folgen, gezwungen sind, mit achtungsvoller Huldigung sich zu neigen, einem Röni- ge, in dem wir weniger den Besitzer irdischer Macht, als den Verweser des göttlichen Rechts zu sehen und zu verehren so glücklich waren. Und hier drängt sich der Ausspruch eines der grössten und edelsten Denker des Jahrhunderts auf: Nächst einem Rönige, dem vergönnt ist sein Volk dahin zu führen, wo es für immer grosser Rönige entbehren kann, ist kein grösserer Scegen für ein Volk möglich, als eln grosser Rönig. 2) Dieses inhaltschwere Wort, gesprochen am 24. Januar in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, enthält gevviss ein grosses Lob des grossen Friedrichs, aber vielleicht ein noch grösseres des jetzt Vollendeten; denn mit Beschränkung des LZusatzes „für immer“— wer denkt nicht an den gesegneten König, dem es vergönnt war, vergönnt durch den Umschwung und Fortschritt der Zeit, seinem Volke solche Iustitutionen zu geben, bei denen es ohne beständiges Eingreifen der Fürstenweisheit in seiner Entwickelung unge-


