Vortrag des Directors
bei der am 3. August c. in dem Gymnasium veranstalteten Trauerfeier für des hochseligen Königs Majestät
Friedrich Wilhelms III.
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HerrI deine Ruh über die, welche schlafen, und dein ewiges Licht leuchte ihnen. Aber deine Ruh und dein Licht auch über uns, die wir noch hier wandeln, dass auch unser Wandel sei im Himmel!
Noch cinmal an diesem Tage, der uns so manches Jahr hier zusammen gerufen, um vor einer festlichen Versammlung die Emplindungen der Freude und des Dankes gegen die Vorschung laut werden zu lassen für das theure Leben, welches wir einst an diesem Ta- ge aus ihrer Hand empfangen— noch einmal haben wir uns heut im engern Rreise versam- melt, um dem dankbaren Gedächtniss des nun Vollendeten diese Morgenstunde zu weihen. Fast sind zwei Monden verllossen, scit die Fürstengruft seine irdische Hülle empfangen; die Trauerglokken sind verstummt, die Töne jener unsterblichen Todtenmesse verklungen, 1) die Farbe der Nacht, in welcher die Diener des Staats und ihre amtlichen Verhandlungen erschie- nen, den Farben des Lebens gewichen; schon beginnen auch unsere Thränen sanfter zu fliessen, und die Brust ruhiger zu athmen; denn die mildernde Hand der Zeit hat den Sta- chel des ersten heftigsten Schmerzes gestumpft, und ich gedenke nicht vorübergehend ihn von Neuem zu schärfen. Eine würdigere Feier als Thränen und Seufzer ist die fruchtbare Erwägung dessen, was der Verklärte war und was er gethan. Zu diesem Ende, und um der Mehrzahl der hier versammelten Jupend willen, wollen wir noch einmal sein Leben und Wirken in kurzen Zügen vor unserer Seele vorübergehen lassen.
(Nekrolog, gelesen vom Primus omnium.)—
Um den Vollendeten unsern Augen noch näher zu rücken, ja um ihm gleichsam selbst ins Auge und durchs Auge in die Sccle zu schauen, wiederhole ich das ewig denkwürdige Vermächtniss, welches er den gelichten Seinen zurückgelassen, und worin der gute Mensch, der edle Fürst, der fromme Christ im lautersten Lichte erscheint:
„Mein letzter Wille u. s. w.“
Die einfachste Nennung der Verdienste des vollendeten Rönigs und seiner Thaten ist seine beredteste Lobrede. Ich brauche schon darum nicht bei der Schilderung derselben zu verweilen, aber eben so wenig bei dem Lobe der Fugenden, welche ihn in so reichem Masse schmückten, oder der zahlreichen Wohlthaten, die unsere Anstalt seiner Huld ver- dankt. Jene sind in diesen Tagen so vielfach gepriesen, diese so oft der Gegen- stand dankharer Erwägung am 3. August gewesen, dass eine Wiederholung mindestens überflüssig erscheint. Statt dessen will ich aus der vorliegenden reichen Fülle des Stoffs hier einige andere Punkte berühren, die zWar an sich über den Gesichtskreis der Jugend hinaus- liegen, deren Betrachtung aber gecignet ist, ihren Geist zum Nachdenken anzuregen, theils Ge- legenheit bietet in der jugendlichen Brust edle Gedanken und Entschlüsse hervorzurufen und für die Zukunft vor einem Irrthum zu bewahren, der die Gêemüther Mancher und nicht der Schlechtesten so leicht ergreift und, wenn nicht zu verführen, doch zu beunruhigen im Stande ist.
Ich gehe aus von der allgemeinen und tiefen Trauer des Landes, zunächst um sie zu erklären. Sie, meine jungen Freunde, sind alle Zeuge gewesen von dem Schmerze, der bei der Nachricht von dem gefürchteten Verluste Aller Herzen durchzuckte und erschütterte, und
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