Aufsatz 
Über Sophokleische Naturanschauung
Entstehung
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nen Stücke mit ihrer Kassandra, ihrer Io, der Wuth der Eumeniden, es bezeugen, als verlorene, die Lykurgee und der Pentheus, auch wohl der Athamas, es lehren mussten, einen so bedeutenden Platz einnahm, auch die kühne und kräftige Naivetät seiner Gleichnisse und Tropen(wie: der Staub

des Kothes Bruder, xoν abes doος, Agam. 495, die Schlinge, die Bettgenossin, die Mitschuldige des Mordes, dpavg, πeνεννs, ij Suyderia 6ν³, Agam. 1116, dieErde des Blutes Amme, Choeph 67, der Staub der stumme Bote des Heeres, S. a. Th. 82, der schwarze Qualm des Feuers fliichtiger Bruder Tdννςσ μέναια ⁴αoνν nuος τ⁴ἀoινςα wörtlich: die wirbelschnelle Schwester, s. Sept. adv. Theb. 494, und Aehnliches), die entschie- dene Neigung bei den einfachsten, so zu sagen patriarchalischen Lebenszuständen mit der Phantasie zu ver- weilen, wovon unten genauer gesprochen werden wird, sind Beriührungspunkte der Natur des Dichters mit dem Geiste des Orients, und auch die erhabene religiöse Spruchweisheit des Dichters, die in derbkräf- tiger, starkanthromorphistischer Weise vor Allem das unbedingte und unendliche Uebergewicht der göttli-

chen Macht iber alle menschliche in Erinnerung zu bringen liebt,(wie z. R.* ε ακαόιων½νια oe0ο

J*⁴ρι, Eumenid. 472. vrgl. auch v. 351. 369. Supplic. 595 u. d. flg.,) hat einen echtorientalischen, alttesta- mentarischen Klang. Nicht ohne Einfluss blieb dabei sicher die unmittelbare Kunde, welche dem Dichter selbst als Kämpfer in den Perserschlachten von orientalischem Heerwesen, Lagerpracht und gewiss auch von orientalischer Anschauungs- und Empfinduugsweise wurde; aber ohne eine ursprüngliche Hinneigung seines Geistes zum Morgenlande würde Aeschylus doch gewiss nicht mit solcher Liebe an diesen Erinnerun- gen gehangen, nicht fortwährend ein so reges Interesse, wie es nicht nur seine Perser, auch der Prome- theus und die Schutzflehenden unter den erhaltenen Aeschyleischen Tragödien zeigen, unter den verlore- nen sein gelöster Prometheus, sein Meinnon, seine Europa zeigen mussten, dem Orient zugewendet haben, und vom Geiste des Orients wenigstens würde dann sicher nur sehr wenig in seiner Poesie zu spüren ein. Aber es ging ja tiberhaupt dem Zeitalter, in welchem der hellenische Geist sein wahres, eigenthim- liches Wesen am Reinsten und Klarsten darstellte, die regste geistige Lebendigkeit, die frischeste Energie im Denken, Wollen und Handeln, beherrscht und gezügelt von Mässigung und Besonnenheit, ein Zeitalter der Assimilation fremder, orientalisher Bildungsstoffe voraus, und in dieses Zeitalter fällt ja eben zum grössten Theil auch noch Aschylus Leben.

5) Vgl. Gruppes Ariadne, Berlin 1834, S. 24, auch Droysen, des Aschylus Werke, übersetzt, 2. Aufl., Berlin 1842. S. 554. 1

6) Vgl. Longin. νouvç Sect. XV. und den Verf. des Blos Aloyilor- aĩs Tdg iεoε να oες ευιιοις veντα 20⁰G*du eHατιισm10mmOν G dατ. So musste auch der gelöste Prometheus mit dem Titanenchore, die Niobe, die Perseis, die Psychostasie, die grossartigsten Anschauungen gewäh-

ren. Ueber Manches der Art, wie über den Memnon auf seinem schellenbehangenen Rosse in der Psycho- stastie, über den Boreas in der Oreithyia, der aus vollen Backen Sturmwincdl iber das Meer hin bläst, ausserten übrigens bekanntlich schon die Alten sich hie und da spottend oder tadelnd. s. Dind. poët. scen. gr. Lips. 1830. Frg. Aesch. 265 u. meine Gesch. der Theorie der Kunst bei den Alten, Th. 1, S§. 158 u. 169. Schön ist der Gegensatz, in welchen der erhabene Dichter mit der Prahlerei und dem kriegerischen Gepränge der Helden vor Theben die ruhigere Kraft der Helden in Theben stellt.

7) Dem Auge bot das Meiste uuter den erhaltenen Sophokleischen Stiicken ohne Zweifel der Ajax dar; hier haben wir eine Göttererscheinung, Aenderung des Schauplatzes durch ein Ekkyklem, Ajax unter den ge- schlachteten Widdern und Schafen, dann sich selbst in sein Schwerdt stürzend, zuletzt das Grab des Hel- den. Vergleichen wir die Choephoren und die Elektra des Sophokles in dieser Beziehung miteinander, zo finden wir hier schon bei Aeschylus mit der erhabensten Einfachheit das Aeussere behandelt; nur bildete hier eutschiedener das Grab Agamemnons einen äusseren Mittelpunkt der Handlung. Die schauerliche Katastrophe, die Ermordung der Mörder, lässt uns natürlich keiner von beiden mit Augen sehen; aber näher riickt uns das Schauerlichste, die Ermordung der Mutter, doch auch hier Aeschylus, bei dem wir Orest doch schon in der Absicht sie zu tödten das Schwerdt gegen sie ziicken, Klystämnestra, um ihn zu rühreu, die Mutterbrust, an der er gesogen, entblössen und dann erst, als alle ihre Bitten und Drohungen nichts helfen, sich unseren Blicken entziehen sehen, während Sophokles uns bloss ihre Klagen, die aus dem Inneren hervortönen, hören lässt. Den Aegisth dagegen scheute sich Sophokles freilich nicht von Orest angegriffen uns vor Augen zu stellen. Auch die Leichen der Ermordeten mit dem Truggewirk, in dem sie den Vater gefangen, die Rechtfertigung seiner That, lässt uns nur Aeschylus am Schlusse schauen. Vgl. K. O. Müller Gesch. der griechischen Liter. B. 2, S. 10 u. Gruppe Ariadne S. 21. Bei Sophokles sah man nur die des Agisth durch die geöffmete Pforte