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Auch selbst ein Unbarmherziger fühlt Erbarmen dir,
Wie sie, von solcher Schmach getroffen, jammervoll
Nun raset und die Mähnen, die sie trug, beklagt ⁵³). Nun geschieht freilich auch bei Aschylus des Rosses oft genug Erwähnung, und wie hätte auch der kriegerische Sänger der Kämpfe und der Schlachten das Ross, zumal das Streitross, vergessen kön-
nen 5⁵²); doch ist es aber eben auch nur das Streitross, von dem er eine lebendige Anschauung gewährt, und auch von diesem wird doch nur einmal ein recht eigenthimliches Bild entlehnt, in den Sieben vor Theben ⁵⁵), wo Tydeus, den der Seher Amphiaraos nicht über den Ismenos gehen lassen will, zu- erst mit dem Drachen in der Mittagshitze, wie wir so eben sahen, dann aber auch noch mit dem Streitrosse, das„sein Gebiss anschnaubt und schäumt, wenn's auf die Schlachttrompete vorwärts- strebend harrt,“ verglichen wird. So wird es sich denn aber, wie auch schon oben angedeutet Kurde, durchgängig zeigen, dass, wie unter den kräftigeren Thieren uns Aschylus am Liebsten die wilderen und reissenden oder die sanfteren doch in ihren wilderen Zuständen vor Augen führt, eben so Sophokles lieber bei den mildergearteten unter ihnen und den ruhigeren Zuständen der wil- deren mit der Phantasie verweilt.
Freilich könnte man hier Manches als einen Zufall betrachten, wie dass der Wolf in keiner der erhaltenen Sophokleischen Tragödien, in keinem Bruchstücke der verlornen uns begegnet, dagegen ein Paar Mal der edlere und zugleich sanftere, friedlichere Hirsch von Sophokles erwähnt wird ⁵⁸), während bei Aschylus gerade das Umgekehrte wahrzunehmen ist, des Wolfes von ihm ein Paar Mal gedacht wird, des Hirsches aber nirgends 5); doch kein Zufall igt es sicherlich, wenn der Raubthiere unter dem Geschlechte der Vögel, der Adler, Geier, Falken, Weihen zwar beide Dichter öfter gedenken,— schon als göttliches Wahrzeichen musste ihr Erscheinen bei Dich- tern, die den Glauben ihres Volkes auch zur Anschauung bringen wollten, öfter erwähnt werden 5s),— aber nur Aschylus sie in wildem Kampfe mit schwächeren oder ähnlich gearteten Thieren oder ge- jagt von Menschen, kurz im Kriegszustande, uns vor das Auge führt; wie wenn in den Persern Atossa ihren Traum erzählt, wie sie einen Adler zu Phöbos Heerd fliehen, einen Falken aber, der ihm nachgefolgt sei, mit seinen Klauen ihm das Haupt zerhacken gesehen habe ³⁹), oder wenn in den Choëphoren mit bedeutungsvoller Beziehung auf sich selbst und die Schwester Orest von dem Kampfe eines Adlers und einer furchtbaren Giftschlange, die zuletzt in ihren grausen Umschlingun- gen das Thier zerdrückt habe, so dass nun des Adlers verwaiste, zur Jagd auf Beute noch nicht flügge Brut vor Noth und Hunger umkomme, in wenigen kräftigen Zügen ein lebendiges Bild uns ent- wirft 6o), in den Hilfeerflehenden aber und dem Prometheus die falkengejagte, aus den Hainen, von den Bächen verscheuchte Nachtigall oder der von gleichem Feinde gejagte Taubenschwarm— ein Bild der Art nur und in noch flüchtigeren Zügen hat auch Sophokles im Ajax 6¹)— unser Mitgefühl in Anspruch nimmt ⁵²), dann auch in einem schönen Bruchstücke aus den Myrmidonen der Dichter nach einer Libyschen Fabel den Adler, den der Jäger mit geflügeltem Pfeile getroffen, iiber den durch die eigenen Fittige bereiteten Tod edel klagen lässt ⁵³); wovon in dem gefesselten und noch mehr in dem gelösten Pro- metheus auch noch die lebhaftesten, in Ciceros Uebersetzung ins Lateinische uns noch erhaltenen Schilderun- gen der gegen den Menschen selbst geriehteten Wuth des Raubthiers, des wilden Vogels des Zeus, wie er die immer neu anschwellende Leber des Titanen immer wieder von Neuem zerhackt und ausfrisst, sich an-


