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auf Löwen, am Kampfe mit Drachen und ähnlichen Ungethiimen der kühne Muth der Männer sich erprobte und stählte, in welche der ältere Dichter uns zu entrücken oder an die er uns wenigstens so oft als möglich zu erinnern liebt. Von einem Drachen, den sie geboren, der an ihrer Brust gesogen, mit der ilch dickgeronnenes Blut ihr entsogen, träumt Klytämnestra, und in Erfüllung geht ihr Traum, zum Drachen wird Orest, er selbst ist sich dessen bewusst und entsaugt das Blut der Mutterbrust ³²*); doch eine giftige Viper, deren blosse Berührung das Fleisch in Fäulniss auf- löse, sieht ja auch er in ihr, der frechen Mannesmörderin ²³³); einem blutgierigen Drachen ferner mit glutsprühendem Blick vergleicht in den Persern der Chor der Persischen Fürsten seinen jungen kampf- lustigen König ³*); wie vor der Viper Biss schaudern die flichtigen Töchter des Danaos vor dem Herolde der Agyptossöhne, der sie mit Gewalt zurückführen will zu den verhassten Freiern, zurück ³³); mit der Furcht der Taube vor der Schlange, die ihrem Neste naht und die hilflose Brut bedroht, vergleicht der Chor der Jungfrauen in den Sieben vor Theben seine Furcht vor dem die Mauern um- lagernden Feinde ³⁶), und das tobende Schlachtgeschrei des wildesten unter ihnen, des grimmen Tydeus, ähnelt nach dem Boten in demselben Stück des Drachen Wuthgezisch, den die Mittags- hitze zur heissesten Glut entflammt ³⁷); ja zur Schlange wird dem kühnen Dichter auch selbst der Pfeil, der von der Sehne geschnellt unaufhaltsam hinschiesst auf sein Ziel ³s). Flit dem Löwen aber, dem Könige der Thiere, wird znerst Agamemnon verglichen, und Klytämnestra, die bei aller Verderbtheit doch immer königlich stolze, ist das Löwenweib oder die zweifüssige Löwin, um genau den eigenen naiven Ausdruck des Dichters wiederzugeben, wogegen Agisthos, ihr Buhle, der so unedlen Raub an dem hohen zu ruhmvollem Kampſe ausgezogenen Fürsten begeht, ein Wolf ge- nannt Wird ³⁸), obwohl an einer andern Stelle auch er, denn auch er ist ja ein Sprössling von dem hohen Pelopidenstamme, ein Löwe, nur ein entarteter, kraftloser Löwe, heisst*ο); blutdurstige, raublustige Löwen ferner nennt auch der Bote, der Nachricht von den Feinden nach Theben bringt, die sieben Fürsten, die die Stadt bedrohen*⁴), und von den Eumeniden heisst es, um eine recht lebhafte Vorstelluug von ihrer Grässlichkeit zu erwecken, dass man nur in des blutschlürfenden Leuen Höhle solche Scheusale suchen würde*²); doch auch für Paris und für Helena, die zuletzt Tod und Verderben bringt über die, denen sie Anfangs so schmeichelnd, bezaubernd mit süssbe- wältigendem Reiz genaht, weiss der mit der Art des grimmigen Thieres wohlvertraute Dichter ein treffendes der Natur des Löwen entlehntes Bild zu finden; denn dem Löwenjungen, das ein Mann sich aufgezogen, zahm mit den Kindern zu spielen und ihm selbst wie ein mit zärtlicher Liebe gehegtes Knäblein im Arme zu ruhn, das aber gereift sein Wahres Wesen enthüllt, unter die Schaſe der Heerde stürzt und unsäglichen Jammer im ganzen Hause verbreitet, werden sie von ihm gleich- gestellt*³). Bilder, schön und kräftig beinah nicht minder als die verwandten Homerischen, aber Sophokles schon ziemlich fremd; wenigstens finden sich der Natur der Schlange entlehnte Bilder in dem, was wir von seinen Tragödien besitzen, fast gar nicht, und auch des Löwen gedenkt er nur zweimal, und beide Male begnügt er sich mit flüchtigen, unbestimmten Andeutungen*⁴). Wobei wahrscheinlich das richtige Gefühl ihn leitete, dass poetische Bilder den ſernen, in Zeit und Raum weit von uns entrückten Gegenstand uns näher zu bringen, vertrauter und heimischer zu machen be- stimmt sind*¹); weshalb denn auch der Dichter, der hellenische Urzustände, das Heroenalter Griechenlands, uns schildern will, doch die Naturbilder, die er uns vor Augen stellt, nicht gerade
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