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Gottheit selbst ihm bereitet hatte, und die Göttinnen, durch die er Ruhe findet, in deren Hain ihm Erlösung zu Theil wird von seinen Leiden, die sonst so furchtbaren, ihm aber süssen, uralten Töch- ter der Nacht sind es ²⁵), die ihm süssen, denn eine heilige Nacht, ein süsses Schweigen ist es, wenn nach langwierigen harten Leiden und Prüfungen endlich der Tag der Erlö- sung angebrochen ist, wenn die wilden Stürme der Leidenschaften das geläuterte Gemüth nicht mehr beunruhigen, auch die Gewissensunruhe endlich gestillt ist und die streitenden Gedanken ihre Versöh- nung gefunden haben. Ein nur von den zartesten, schmelzendsten Tönen unterbrochenes Schweigen daher ist es, welches in dem keiligen Haine der ehrwürdigen Göttinnen, der Töchter der Nacht, herrscht, keine laute Menschenstimme darf sich in ihrer Nähe erheben, wie denn selbst der Blick des Auges hier nicht sprechen darf, sondern in stiller Scheu sich zu Boden senken muss, kein Sturm rauscht in dem heiligen Dickicht dieser Waldungen, nur das leise Gemurmel der Bäche und die süssschluchzenden Töne der Nachtigall deuten hin auf das in der Verborgenheit sich regende Leben ²⁵).
So hat denn auch die Siüssigkeit des Schlafes keiner unter den Dichtern des Alterthums tiefer empfunden und in schöneren Bildern und Worten zur Anschauung gebracht als Sophokles. Ich er- innere nur an den Chorgesang im Philoktet, der mit dem 827. Verse beginnt„Schlummer, der OQualen du stillest und Schmerzen,“ dessen Töne, ganz leise gesungen, um den Schlaf des Leiden- den nicht zu stören, wie der Dichter es ordnete, einen wunderbaren Eindruck hervorbringen mussten ²2⁷); aber welchen ergreifenden Anblick musste hier auch schon an sich der nach den herbesten Leiden nun in tiefster Erschöpfung in Schlummer versunkene Philoktet darbieten. Ganz ähnliche Gefühle aber musste auch in den Trachinierinnen der Anblick des in Folge nicht geringerer Qualen vom Schlummer überwältigten Herakles erwecken ²2s). Mit den herrlichsten, der tiefsten Empfindung entströmenden Worten jedoch hat der Dichter wohl in folgendem Bruchstück einer untergegangenen Tragödie die Süssigkeit des Schlaſes geschildert:
wie kann dir mehr Behagen wohl zu wünschen sein,
Als wann auf festem Boden und vom Dach beschirmt
Der Tropfen Rauschen durch den Schlaf du ruhig hörst. Darauf nun, auf diesem tiefen Verständniss, der innigen Empfindung der höheren Bedeutung der See- lenstille, so wie der Zustände, die ihr vorausgehen und sie vorzubereiten pflegen, wie des mit ge- heimer Lust in Klagen sich ergiessenden, sich auflösenden Schmerzes— der entschiedensten Gegen- sätze jenes furchtbaren Schweigens, jener Erstarrung der Seele in stummem Schmerz, Psychischer Zustände, wie sie Aschylus mächtiger Dichtergeist gern, gewiss immer mit dem grössten Erfolge, darstellte ³⁰),— darauf beruht denn auch vornehmlich die Milde, die Süssigkeit und Heiterkeit der Sophokleischen Muse, die schon die Alten fast einstimmig rühmen, nicht auf einem Mangel an tra- gischer Kraft, an grossen, gewaltigen, tief ergreifenden Scenen und Situationen; denn in welcher seiner Tragödien liesse wohl Sophokles die erhabenste Tragik vermissen ³¹)? Doch auch die ge- sammte Bilderwelt, in der wir bei Sophokles uns bewegen, hat einen weit milderen, heicreren, freundlicheren Charakter, als die freilich auch zugleich grossartigere und glänzendere, die bei Aschylus uns umgibt. Ich fasse zuerst die aus der Thierwelt entnommenen Bilder bei beiden Dichtern näher ins Auge. Da ist es nun eine mythische Urzeit Griechenlands, wo noch an der Jagd


