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ein noch näher liegender Grund dafür wurde eben in der Traulichkeit ihres Zusammenlebens mit der sie umgebenden äusseren Natur schon früher von uns erkannt. Damit ist aber auch dies zugleich ausgesprochen, dass in das handelnde Leben des Menschen die äussere Natur weit mächtiger eingriff, einen bleibendern Hintergrund für dasselbe bildete, als dies bei uns, bei den Völkern der neueren Zeit und nordischer Klimate, der Fall ist. Nicht in Wände eingeschlossen, sondern unter freiem Himmel lebend und wirkend standen sie ja in fast ununterbrochenem Verkehr mit der Natur; auf das Innigste woben sich Natur- und Nenschenleben in einander.
So begleiten denn auch in ihren Tragödien die Bilder menschlichen Wirkens und Leidens zu- gleich immer reiche und umfassende Naturbilder; auf freien Plätzen vor Zelten, Palästen und Tem- peln oder auch in Wäldern und Hainen, am Gestade des Meeres, treten dié handelnden Personen auf, und fast immer eröffnet sich zugleich eine weite und imposante Fernsicht unsern Blicken.
Sollte nun nicht auch hier schon in der Wahl des Lokals für die darzustellende Handlung eine eigenthümliche Naturauffassung sich offenbaren können? Gewiss; nur dass in den meisten Fällen freilich der Schauplatz für die Handlung mit der Handlung selbst gegeben sein wird, so dass in der Regel wenigstens nur insofern, als sie schon in der Wahl des zu behandelnden Stoffes sich aus- spricht, die Eigenthümlichkeit eines Dichters auch hierin sich wird erkennen lassen. Auch beschränkt sich die Thätigkeit des Dichters hier doch meist auf allgemeine Angaben, unbestimmte Andeutungen, die Ausführung blieb und bleibt der Natur der Sache noch immer dem Scenenmaler überlassen. In ein- zelnen Fällen jedoch wird auch eine solche Vergleichung dessenungeachtet zu nicht uninteressanten Resultaten führen können, und auch für die Beurtheilung Sophokleischer Art und Kunst wird sie, zu- mal wenn es Aschylus ist, den wir Sophokles gegenüberstellen, nicht ohne allen Nutzen bleiben.
Aschylus, ein orientalisch-hellenischer Geist*), ganz dem Erhabenen, Feierlichen, Heroischen und Prächtigen zugewendet, nur dass die oft schroffe und phantastische Kühnheit seines Genius wie- der ein reizender Zug liebenswürdiger Naivetät, die edle Einfalt eines durchaus urkräftigen, natur- kräftigen Gemüthes mildert, liebt es seine erhabenen poetischen Gedanken in ihrer ganzen unge- schwächten Kraft und Grösse auch sinnlich hervortreten zu lassen, und da sind es denn die wunder- barsten, grossartigsten, die leuchtendsten und strahlendsten Anschauungen, die sein schöpferischer Geist uns darbietet 5). So sehen wir in seinem gelösten Prometheus zuerst die fühllosen giganti- schen Henkersknechte des Zeus, Kraft und Gewalt, den menschenfreundlichen Titanen mit durch- bohrten Gelenken an einen Scythischen Felsen anschmieden und annageln; dann erblicken wir die geflügelten Oceaniden, die durch die Lüfte nahen, um den nahverwandten Gott zu trösten; darauf den greisen Oceanus selbst auf phantastischem Wunderrosse, ferner den geflügelten Götterboten Hermes, von Zeus gesendet; als aber auch dieser den Entschluss des Unbeugsamen sein verhäng- nissvolles Geheimniss von der Zeus bevorstehenden Entthronung zu verschweigen nicht wankend zu machen vermag, da stellt sich uns am Schlusse der Tragödie das allerfurchtbarste und grossartigste Schauspiel vor Augen, wir sehen unter mächtigem Sturmwind, unter Blitz und Donner, die Erde sich eröffnen und Prometheus mit dem Felsen, an den er gefesselt ist, hinabziehen in ihre Abgründe. Und die bis aus weiter Ferne herüberleuchtenden Feuerzeichen, dann die Purpurteppige, auf die der heimkehrende König der Könige von der bösessinnenden Gattin sich seinen Fuss zu setzen verführen lässt, zuletzt sie selbst, die Mannesmörderin Klytämnestra, das blutige Mordbeil in der Hand und


