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tung daher, ein Weg in jeder Kunst der rechte, der, welcher diesen betrete, entschieden der Erste in seiner Kunst sei?
In der That zwei durchaus unvereinbare Sätze,— eine genügende Aufforderung zu genauerer Prüfung jener früher aufgestellten Behauptung. Jede Kunst hat ein bestimmtes Ziel, will eine be- stimmte Einwiraung auf den menschlichan Geist, das menschliche Gemüth üben,— gegen diesen Satz möchte schwerlich eine gegründete Einwendung sich erheben lassen. Unter allen Wegen aber, die zu diesem Ziele führen, ist immer einer der beste. Der beste? was heisst das, der beste? Der, Welcher am Schnellsten, oder der, der, der am Sichersten, oder der, welcher auf die müheloseste und anmuthigste Weise zum Ziele führt? Nein, der kürzeste und sicherste und anmuthigste zu- gleich, denn wo von schöner Kunst die Rede ist, kann offenbar auch das Letzte nicht unberück- sichtigt bleiben. Wer sieht nicht, dass es hier mehrere ganz verschiedenartige Forderungen sind, welchen der einzuschlagende Weg entsprechen soll, und dass, wenn nun verschiedene Wege in ver- schiedenem Maasse der einen, der andern und der dritten genügen, es mit unendlichen Schwierigkei- ten verknüpft, ja wohl geradezu unmöglich sein würde die Vortheile nnd Nachtheile, die bei jedem derselben in der einen oder anderen Beziehung sich herausstellen, so gegen einander abzuwägen, dass nun mit Sicherheit der eine als der beste, die andern als minder vortheilhaft sich bezeichnen liessen? Doch ich verweile zu lange bei allgemeinen Erwägungen, die doch immer der rechten Klar- heit ermangeln; weit besser noch wird das Missliche des Unternehmens immer einen Weg in jeder Kunst mit Entschiedenheit als den besten bezeichnen zu wollen durch sorgfältige Betrachtung irgend einer einzelnen Kunstgattung, etwa der Tragödie, sich zeigen lassen. Hier ist nun zuerst auf die grosse Verschiedenheit der Anusichten über den letzten Zweck der tragischen Kunst selbst aufmerk- sam zu machen, wie wenigstens drei Theorieen, die Aristotelische, die Kantisch-Schillersche, die Solgersche hier hartnäckig einander den Vorrang streitig machen; doch angenommen, eine von ihnen, welche es auch immer sei, sei die einzig wahre, wagt und vermag sie es auch, diese allein wahre Theorie, den Weg mit Genauigksit vorzuzeichnen, der allein zu dem Ziele, welches die Tragödie sich steckt, mit Sicherheit hinführe, und kann überhaupt irgend eine Theorie diese Aufgabe lösen? Ich prüfe die sorgfältigste unter diesen Theorieen, die Aristotelische; das Ziel der tragischen Kunst ist nach ihr bekanntlich Erregung des Mitleids und der Furcht und die Reinigung dieser und ähnli- cher Leidenschaften; aber den wichtigen Punkt„ in welchem Grade und Masse diese Aflekte erregt werden sollen, damit die Erregung weder zu matt noch zu heftig, damit eine Reinigung derselben nothwendig und möxglich zugleich erscheine, vermochte auch ihn Aristoteles, vermag irgend eine Theorie ihn hinreichend ins Licht zu setzen? Und die Mittel und Wege das Ziel zu erreichen überhaupt werden sie nicht auch durch das eigenthümliche Gepräge, das in einer bestimmten Pe- riode der Menschengeist, auf den doch eben eingewirkt werden soll, angenommen hat, bestimmt und bedingt? Wie aber, sollte irgend eine Theorie auch diese unendliche Mannigfaltigkeit der Gestal- tungen des Menschengeistes selbst im Laufe der Zeiten vorauszusehen, vorherzubestimmen im Stande sein? Oder Wäre vielleicht nur eine von diesen Gestaltungen als die normale und desshalb allein zu berücksichtigende zu betrachten? Eine trostlose, das Wesen geschichtlicher Entwickelung gänzlich
verkennende Ansicht. 1 Keine Theorie also vermag einen Weg zum Ziele als den einzig richtigen oder auch nur als


