Aufsatz 
Das zweite Buch und die erste Hälfte des vierten Buches der Georgika von P. Vergilius Maro
Entstehung
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Die Lotosbäume wie die Weiden;

Auch von Oliven unterſcheiden

Wir längliche ſowie auch runde,

Und andre, dicke, herb im Munde. Von Birnen nenn' ich drei der Sorten, Die unterſchieden nach den Orten,

Wo ſie erzeugt ſind: Kruſtuminer Sind höchſt beliebt, auch Tarentiner, Die Syrien uns hergeſandt;

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Pfundbirnen giebt's, die Platz kaum in der Hand.

Die Trauben, die an unſern Reben Hoch um die ſchlanke Ulme ſchweben, Wie anders ſind ſie doch als jene,

Die pflückt auf Lesbos der Hellene! Auch Thaſos liefert Traubenſpende,

Vom Nil her kommt ein weißer Wein, Der eine will ein fett Gelände,

Der andre wird auf leichtem wohl gedeihn. Lageiſche und pſyth'ſche Reben

Erzeugen Trauben, welche geben Feurigen Sekt; mißtrau dem Weine! Er ſchlägt in Feſſeln Zung' und Beine. Preciſchen Moſt und Purpurtrauben Erwähn' ich; Veroneſer ferner,

Doch darf er ja ſich nicht erlauben, Sich zu vergleichen mit Falerner.

Ein kräft'ger Wein, der Aminäer! Ihm weicht der Tmolier, der Phanäer. Es liefert Argos einen Wein,. Gepreßt aus Beeren, die, zwar klein, Doch bieten eine Fülle Saft,

Der ungewöhnlich dauerhaft.

Ein Wein, beſonders hoch geſchätzt, Kommt uns von Rhodus, wir verwenden Beim Nachtiſch ihn zu Opferſpenden. Und nun erwähn' ich Dich zuletzt, Bumaſtus, mit der Rieſenbeere! Doch wer kann all die Arten kennen? Doch wer kann all die Namen nennen? Und ſagt, wozu's erſprießlich wäre! Wem ſolcherlei am Herzen liegt,

Der zähle jedes Körnchen Sand,

Das hin durch Lybiens Wüſte fliegt, Wenn ſtürmt der Weſt; der ſteh' am Strand

Des Meeres, wenn der Sturm erhoben Die Stimme mit gewalt'gem Toben,

Und zähl' die Wogen, zähl' die Wellen, Die am Geſtade branden und zerſchellen.

Doch darf ich's wohl erwähnen kaum,

Nicht jede Flur trägt jeden Baum,

Die Weide ſproßt, wo Flüſſe wallen,

Die Erle hat am Sumpf Gefallen,

Die Eſch' entkeimt der Felſenwand,

Die Myrte liebt der Ufer Rand,

Auf offner Hügel ſonn'gen Wänden

Gewährt dir Bacchus reichſte Spenden,

Bei Froſt gedeiht der Taxus wohl,

Wenn kalt der Wind bläſt von dem Pol.

Wie auf der Erd' entlegnen Räumen Gar mannigfache Völker wohnen,

Hier Araber, dort farbige Gelonen,

So iſt's der Fall auch mit den Bäumen, Die ſind verteilt nach Ländern und nach Zonen. Nur Indien liefert Ebenholz,

Die Weihrauchſtaud' iſt Sabas Stolz, Der Balſam kommt vom Jordanſtrand, Vom Nil der immergrün' Akanth.

Was ſoll ich von Geſträuchen ſagen,

Die Wolle wie die Schafe tragen?

Von Serern, was? die mit der Hand Die Seide kämmen von den Bäumen? Und was, an Indiens fernſtem Strand, Woran des Weltmeers Wogen ſchäumen, Von Bäumen, die ſo rieſenhaft,

Daß Pfeile, die ein ſtarker Mann

Vom Bogen ſchnellt mit aller Kraft, Nicht langen bei dem Wipfel an?

's Giebt Äpfel in der Meder Land

Von widerwärtig⸗herbem Saft,

Doch wunderbarer Heilungskraft;

Sie werden mit Erfolg verwandt,

So oft mit Zauberei gebraut Stiefmütter Tränk' aus gift'gem Kraut. Das dunkle Gift muß weichen bald; Hoch ragt der Baum, gleich an Geſtalt Dem Lorbeer; ſie zu unterſcheiden Ermöglicht nur der Duft von beiden.