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Man holt vom Wipfel hoch hernieder
Das Reis, und giebt's der Erde wieder; Des Olbaums Wurzel, wunderbar! Drängt ſich aus trocknen Scheiten gar.
Ein Schauſpiel bietet Dir, ganz eigen,
Ein Baum geziert mit fremden Zweigen. Auf dem gepfropften Birnbaum prangen Äpfel im Schmuck der rothen Wangen, Und auf dem Pflaumbaum reifend ſchwellen In ſanfter Röthe Steinkornellen.
Drum achtet, Pflanzer, auf den Bau,
Der jeder Gattung ziemt, genau.
Was bringt nicht die Kultur zu Wege!— Was noch ſo rauh, wird mild durch Pflege. Bebaut vom Erdreich jeden Fuß,
Bepflanzt mit Wein den Ismarus,
Und kleidet des Taburnus Höh'n
Mir in Olivenwälder ſchön.—
Doch eh' ich weiter vorwärts ſchreite
Auf meiner Bahn, fleh' ich Dich an, Mäcen, ſteh' fördernd mir zur Seite
Und führ' mein Schiff als Steuermann Raſch auf das offne Meer; doch nein!— Ich will nicht unbeſcheiden ſein,
Nicht maßlos; führe mich gerade
Bis an das nächſte der Geſtade.
Mein Wunſch iſt Kürze; fürchte nie,
Daß ich durch Schwulſt, durch Fabeln, wie Der Aber⸗ oder Wunderglaube
Sie oft erzeugt, die Zeit Dir raube.
Der Baum, der ſich von ſelbſt erhebt Und in den lichten ÄAther ſtrebt, Bringt wenig Frucht, doch reich an Saft Ziert er die Flur und grünt in Kraft. Willſt Du gepfropft ihn anvertraun Dem Boden, der ihm angemeſſen, Wirſt bald Du Deine Freude ſchaun; Es wird Dein Zögling raſch vergeſſen Die Wildheit; lohnend Deine Pflege, Betritt er der Veredlung Wege. Selbſt Wurzelſchoſſen unfruchtbar, Zur Zeit verpflanzt, gedeihn ſogar, Doch in der Mutter Schatten immer, Verkommen ſie und tragen nimmer.
Der ſich aus Samen hebt, der Baum Strebt langſam in der Lüfte Raum,
Und erſt der Enkel ſpät erfreut
Sich an dem Schatten, den er ſtreut;
Auch ſchlägt das Obſt oft aus der Art, Wenn's Saft und Wohlſchmack nicht bewahrt, Und Reben tragen manchmal Beeren,
Die Vögel ſelbſt nicht gern verzehren.
Was hilft dagegen?— Pfleg' allein,
Und Müh'; Du mußt die Bäum' in Reih'n, In Gruben und in Gräben bringen, Verpflanzen, pfropfen und verjüngen,
Um höchſt' Erträge zu erzwingen.
Aus Senkern wachſen kräft'ge Reben,
Der Myrte mußt Du Stammholz geben, Aus Scheiten will der Olbaum dringen; Setzlinge heiſchen Eſch' und Eiche,
Und Pappel, Palm' und Haſel will das Gleiche, Und ſo die Tanne, die beſtimmt
Zu ſchaun das Meer im Sturm ergrimmt. Wer es am Pfropfen nicht läßt fehlen, Wird Erdbeerbaum und Nuß vermählen, Auf den Platanen unfruchtbar,
Nahm man die ſchönſten Äpfel wahr,
Von Ulmen ſieht die Frucht man fallen, Die liebt das Borſtentier vor allen,
Auf Eſchen darfſt Du Birnen ſuchen,
Und die Kaſtanie blüht auf Buchen.—
Nun lerne, was zu thun Du haſt Beim Okulieren. Wo durchs Baſt Das Auge dringt, da ſchneide fein
Die Höhlung in den Knoten ein,
Dann ſchließ das fremde Keimchen in den Spalt, Und ſorg', daß es verwachſe bald.
Wie Du zu pfropfen haſt?— Zerſäge
Den knotenloſen Stamm, zerteile
Ihn dann im Kern mit einem Keile,
Füg ein das Pfropfreis dann; nicht träge Erweiſt ſich dies, bald ſprießt ein Baum Erfreulich in der Lüfte Raum,
Der ſtaunt voll fremder Früchte dann
Sich ſelbſt wie ein Mirakel an.
Nicht Einer Gattung ſind indeſſen Die ſtarken Ulmen, die Cypreſſeu,


