Aufsatz 
Das zweite Buch und die erste Hälfte des vierten Buches der Georgika von P. Vergilius Maro
Entstehung
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Nicht anders iſt's, wenn ich vergleiche, Was groß, was klein, im Bienenreiche; Denn in ganz unerhörter Weiſe

Wohnt dieſen winz'gen Weſen inne

Die Strebeluſt, die Liebe zum Gewinne. Für die Befeſt'gung ſorgen Greiſe,

Sie bauen Hänuſer, kunſtgerecht, Verſchanzen Zellen; das Geſchlecht, Das jüng're, Kinder ſowie Enkel,

Doch kehret müde, kehret matt,

Voll Thymian die Bein' und Schenkel, Spät abends heim zur Bienenſtadt. Sie naſchen hier, ſie naſchen dort,

Sie ſammeln fern, ſie ſammeln nah, Und tragen reiche Spenden fort

Vom Erdbeerbaum, von Kaſſia,

Von rotem Safran, von Lavendel,

Von duft'gen Linden, Thymian und Quendel. Von allen wird dieſelbe Zeit

Der Arbeit wie der Ruh' geweiht. Früh aus den Pforten quillt's in Haſt, Und nirgends Ruh', und nirgends Raſt, Doch mahnt der Abend ſie, zu ſcheiden Von den Gefilden, von den Weiden, Dann eilen ſie auf hundert Wegen

Zur Bienenburg, der Ruh' zu pflegen. Geſumm', Gebrumm' in allen Zellen, Und an den Pforten, an den Schwellen; Doch wenn ſie ruhen hingeſtreckt,

Dann Schweigen, bis der Tag ſie weckt Und tiefer Schlaf gekräftigt wieder Zum neuen Tagewerk die Glieder. Doch ſieht's am Himmel drohend aus, Verlaſſen ſelten ſie das Haus

Und immer nur auf kurze Zeit;

Im Schutz der Burg in Sicherheit Sieht man ſie ſelten wie verſtohlen Nur in der Nähe Waſſer holen.

Auch wird erzählt, daß, wenn erfaßt Vom Sturm, ſie öfters als Ballaſt Vom Boden kleine Steinchen hoben, Um damit, durch des Wetters Toben, Vom Wind geſchaukelt wie ein Nachen Die Reiſe durch die Luft zu machen. Noch muß ich an den Bienen loben Das Eine, daß ſie nie der trägen,

Entnervenden Begattung pflegen.

Sie ſammeln emſig mit dem Munde Auf ihren Flügen in der Runde

Aus zartem Kraut und Purpurblüten Die lieben Kleinen, die Quiriten.

Und liegt ihr Wohlſtand tief danieder Zu Zeiten auch, es blüht bald wieder Ihr wächſern Reich; ſie bau'n Paläſte, Und ſie erwählen nach Gefallen

Des Thrones Erben, der, aufs beſte Erzogen, dann bewohnt die Königshallen. Auch ſoll es keine Fabel ſein,

Daß manch' auf ihren Streiferei'n Am Felsgeſtein ſich ſo zerſtießen,

Daß ſie daſelbſt ihr Leben ließen. Wie groß muß da die Liebe ſein,

Die dieſem winz'gen Völkchen eigen, Des Honigs Nectar zu erzeugen! Drum, wenn auch eine enge Grenze Gezogen ihrer Wirkſamkeit,

Denn ſelten über ſieben Lenze

Erſtreckt ſich ihre Lebenszeit,

Lebt doch unſterblich fort ihr Stamm, Blüht doch ihr Wohlſtand wunderſam, Und ruht auf feſtem Fundament:

Auf Arbeit, welche kein Ermatten kennt. Und ſaget: Giebt's ein Land auf Erden, Wo Köyn'ge ſo vergöttert werden,

Als es geſchieht im Reich der Bienen? Vergleichen können ſich mit ihnen Nicht Meder, Parther oder Inder; Das ganze Volk ſind ſeine Kinder! Wenn Er am Leben, lebt in Allen Derſelbe Geiſt, derſelbe Sinn,

Wenn Sie verwaiſt, wenn Er dahin, Da ſtürmen ſie, wie wahnbefallen, Die Honigburg, gleich wilden Knaben, Zerreißend das Geflecht der Waben. Er iſt der Werke Hort und Hüter, Für ihn nur glühen die Gemüter, Und mit Gebrumm' und mit Geſumm' Stehn ſie geſchart um ihn herum,

Sie tragen ihn auf ihren Schwingen, Sobald Gefahren ihn umringen,

Wie manche hat, bedeckt mit Wunden, Für ihn den Schlachtentod gefunden!