Was Schutz gewährt, ſorg' du nicht minder Für ſie, als wenn es deine Kinder. Verkleb' die Stöck' und decke du, Damit der Froſt ſie dir nicht raube, Die Lieblinge mit lockrem Laube
Als Bienenvater ſorglich zu.
Auch halte fern von deinen Bienen, Was läſtig oder ſchädlich ihnen,
Trag' Sorge, daß man in der Nähe Nicht Taxus, nicht Moräſte ſehe, Auch Krebſe ſollſt du dort nicht ſieden, Vor allem werd' Geräuſch vermieden Und laut Geſchrei, das weithin ſchallt Und hohl vom Felſen wiederhallt.—
Doch wenn der Lenz im Lichtgewande Verſcheucht den Winter aus dem Lande, Wenn alles atmet Licht und Wärme,
Nicht länger bleiben dann die Schwärme Im engen Haus; ſie wandern bald
Durch Thal und Schlucht, durch Wieſ' und Wald, Und nippen klarſtes Naß der Bäche, Hinſchwebend auf der Oberfläche,
Und pflücken emſig Purpurblüten.
Dann ſiehſt du ſie des Neſtes hüten
Und ihre Jungen zärtlich pflegen,
Froh in verborg'ner Luſt ſie hegen;
Dann baun ſie kunſtgerecht die Zellen, Die bald von zähem Honig ſchwellen. Wenn du ſie aber, wenig ſpäter,
Siehſt ſchwimmen durch den lichten Äther, Geballt zu einer dunklen Wolke,
Die fügſam ſcheint des Windes Launen, Folg' mit dem Aug' dem Bienenvolke, Eins nimmſt du wahr zu deinem Staunen, Sie ſuchen immerdar das Eine:
Gewäſſer, friſch, belaubte Haine.
Hier ſprenge, wie's die Regel feſt Beſtimmt hat, Säfte, ausgepreßt
Dem Bienenkraut; laß Erz erſchallen,
Den Klang der Becken wiederhallen,
Wie an der Göttermutter Feſt;
Nicht lange währt es, und es läßt
Das Volk ſich nieder auf dem Plan, Durchduftet recht von Thymian,
Und birgt nach Bienenbrauch und Sitte Von ſelbſt ſich in des Korbes Mitte.—
Doch ſinnen ſie auf Kampf und Streit,— Denn öfters bricht im Bienenhaus
Ein Streit der Kronbewerber aus,— Erkennſt vorher du lange Zeit,
Wie ſie geſtimmt, wie Kampfesluſt
Erfüllt der kleinen Weſen Bruſt.
Die Säum gen ſchilt aus allen Ecken Getöſ' wie von metallnen Becken,
Geſumſ' dumpf, ſtoßweiſ' dann und wann, Hört wie Trompetenklang ſich an,
Wie Schlachtruf; hei, wie ſie alsdann Bewegend ihre lichten Schwingen,
So mutig aufeinander dringen,
Zum Kampf zurecht die Schultern ſetzen, Die Stacheln mit dem Rüſſel wetzen!— Es wogt und wimmelt um das Zelt
Der Führer, wo ſich aufgeſtellt
Schon die Parteien, die heraus
Sich fordern jetzt zum blut'gen Strauß,
Zur Schlacht; nur dieſe kann entſcheiden,
Wer König werden ſoll von beiden.
Ein heit'rer Tag, ein frei Gefild,
Hei, wie's aus allen Thoren quillt
Der Bienenſtadt!— Die Schlacht begann, Im Ather dumpfes Toſen dann,
Ein Knäu'l das Ganze, welch Gedränge! Die Toten ſtürzen bald in Menge,
Wie Schloßen, die vom Himmel raſſeln, Wie Eicheln, die mit mächt'’gem Praſſeln Vom ſturmbewegten Eichbaum fallen. Doch mitten im Gewühl der Schlacht Befinden ſich, kenntlich vor allen
An ihrer Schwingen Größ' und Pracht, Die Kön'ge, welche, großen Mut
In kleinen Herzen, in der Glut
Des Kampfes immer ſich beſtreben,
Der Krieger Mut neu zu beleben, Entſchloſſen, niemals nachzugeben,
Nur der Notwendigkeit zu weichen.— Doch dieſe Kampfluſt ohne gleichen,
Die Wut, den Grimm, für alles taub, Beruhigt eine Handvoll Staub.—


