Das vierte Buch der Georgika von P. Vergilius Maro. (Von Vers 1—280.)
(Aber die Bienenzucht.)
Des Honigs luftentquoll'ne Spende
Beſing' ich nun, Mäcen, o wende
Den Blick voll Huld auf meine Bienen!— Ein Bild entwerf' ich Dir von ihnen,
Das biete der Betrachtung dar,
Ein Schauſpiel wahrhaft wunderbar.
Ich ſing' von Völkern, Stämmen, Staaten, Von kleiner Weſen großen Thaten,
Von Sitt' und Art, von Schlachten, Kriegen, Von Niederlagen und von Siegen.
Zwar iſt der Stoff beſchränkt und klein, Doch braucht es nicht mein Ruhm zu ſein, Wenn mir die Muſenſchar geneigt,
Und ſich Apoll mir gnädig zeigt.—
Vor allem wähl' fürs Bienenhaus
Dir einen Ort, der paſſend, aus,
Wohin nicht leicht die Winde dringen, Die hindern, Blumenſtaub zu bringen; Wo in der Näh', auf blum'ger Au', Die friſch erglänzt im Morgentau,
Nicht Schaf' und ſtöß'ge Böcklein ſpringen; Wo nicht von Küh'n, die ſich verirrt, Das zarte Kraut zertreten wird. Eidechſen mit geſchupptem Rücken
Will ich nicht in der Näh' erblicken
Des Bienenſtands, des honigreichen;
Die Bienenſpechte wünſch' ich fern,
Auch Procne ſeh' ich dort nicht gern, Die auf der Bruſt des Mordes Zeichen. Verheerend alles nah und fern
Erhaſcht ſie hinterliſt'ger Weiſe
Die Bienchen, die nicht auf der Hut, Im Flug ſogar und trägt die leckre Speiſe Ins Neſt der nimmerſatten Brut.— Doch in der Näh' ſei eine Quelle,
Ein Teich mit moosumgrünter Welle, Ein Bächlein eil' durch grüne Matten In eines Ol⸗ und Palmbaums Schatten,
Damit, wenn bei des Frühlings Wärme Der neue König ſeine Schwärme,
Die, eben erſt enteilt den Waben,
Sich tummeln wie mutwill'ge Knaben, Ins Freie führt, ſie das Geſtade
Zur Raſt und zur Erfriſchung lade,
Und wirtlich ſie der Baum als Gäſte Empfang' im Schatten ſeiner Äſte.— Mag Waſſer ſtehn, mag's fließend ſein, Wirf Weidenſtäbchen quer hinein
Und Kieſelſteinchen, die den Bienen, Wenn ſie zerſtreut, wenn ſie von Winden In Fluten eingetaucht ſich finden,
Als Sammelplätz' und Brücken dienen, Drauf ſie die Flügelchen nach allen Seiten Der Sonnenwärm' entgegenbreiten.
Rings auf dem Plan ums Bienenhaus Heg' duft'ge Kräuter mancherlei
Bald als Guirlande, bald als Strauß, Lavendel, Quendel, Satnrei,
Und Kaſſia; daneben ſei
Ein Veilchenbeet, das klarſte Welle Stets trink' aus einer nahen Quelle.
Ob du aus Weid'’, ob du aus Baſt Gefertigt deine Körbe haſt,
Sorg', daß die Eingangspforten klein. Der Honig ſchmilzt, wenn es zu heiß, Gerinnt bei Kälte leicht zu Eis,
Und beides kann nur ſchädlich ſein
Den Bienen. Darum ihr Beſtreben, Die kleinſten Ritze zu verkleben
Mit zähem Wachs, mit Blütenſchleim, Mit Mispelharz und Vogelleim.
Man fand ſie auch, wenn ſonſt es wahr, In Höhlen tief im Erdreich gar,
In Bimssgeſtein, in hohlen Bäumen. Doch wenn ſie ſelbſt auch nicht verſäumen,


