— 7—
das Zeitwort„malmen“, welches vielleicht auch jetzt noch als Provinzialismus hie und da vorkommt, und welches ſeiner Abſtammung nach bedeuten würde„Staub aufwirbeln, ſtäuben“. Indes geſtehe ich, daß auch bei dieſer Auffaſſung die Überſetzung an einer gewiſſen Härte leidet. Auch finde ich ein Hyſteron proteron darin; denn das„Zerſtampfen“ des Feldes muß doch dem„Malmen“ oder„Stäuben“ vorangehen.—
Es würde nicht ſchwierig ſein, noch andere Verſe zu finden, die man einer ähnlichen Kritik unterwerfen könnte. Indeſſen will ich hier abbrechen. Meine Abſicht war ja nur, zu beweiſen, daß diejenigen, die eine möglichſt wortgetreue, dem Original ſtreng nachgebildete Üüberſetzung antiker Dichtwerke im Hexameter anſtreben, ſich bei ihrer Jagd auf Spondeen und Daktylen nicht ſelten in die Notwendigkeit verſetzt ſehen, ſich an der deutſchen Sprache zu verſündigen und unverſtändlich zu werden, wie es bei Voß nicht ſelten der Fall iſt, was ich nachgewieſen zu haben glaube. Als ich nun den Entſchluß faßte, einige Partieen aus den Georgicis des Vergil zu überſetzen, ſo erwog ich bei mir, ob ich wohl, wenn ich den Hexameter wählte, imſtande ſein würde, alle die Schwierigkeiten zu überwinden, an denen andere geſcheitert ſind. Da ich mir ſagen mußte, daß dies ſchwerlich der Fall ſein würde, ſo beſchloß ich, ein modernes Metrum zu wählen. Natürlich verzichtete ich damit auf eine ſogenannte wortgetreue Überſetzung, die manche verſprechen, aber nicht liefern. Meine Abſicht ging eben dahin, den alten Klaſſiker nur dem Sinne nach zu übertragen, und zwar in einer populären, dem allgemeinen Verſtändnis möglichſt zugänglichen Form. Ich habe mich ſogar, was ein Kenner des Originals bald wahrnehmen wird, nicht geſcheut, manchmal Stellen, die mir beſonders gefielen, etwas zu erweitern, und andere, die mir etwas zu didaktiſch'erſchienen, etwas zuſammenzuziehen; aber dabei begleitete mich immer das Streben, im weſentlichen den Sinn des Originals wiederzugeben. Schließlich bitte ich etwaige Leſer, das, was ich biete, nicht als eine überſetzung, wiewohl ich es ſo genannt habe, zu betrachten, ſondern als eine
2
freie Nachbildung oder eigentlich Nachdichtung.—


