Aufsatz 
Das zweite Buch und die erste Hälfte des vierten Buches der Georgika von P. Vergilius Maro
Entstehung
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das Original auf das getreueſte nachgeahmt; wir finden in ſeinem Verſe ganz dieſelbe Anzahl von Spondeen und den Daktylus an derſelben Stelle. Aber hat Voß darum auch nur annäherungsweiſe das Original erreicht? Meine Antwort iſtnein. In dem lateiniſchen Verſe iſt alles einfach, ungezwungen, ſchön; nicht der geringſte Verſtoß gegen den Genius der lateiniſchen Sprache! In der überſetzung iſt eine Vergewaltigung der deutſchen Sprache ohne Mühe zu entdecken. Sie ſündigt gegen die natürliche Sprechweiſe der Deutſchen; denn welcher Deutſche würde ſich der Wortefroh Wettſchwungs bedienen, wenn er dasjenige ausdrücken ſollte, was in dem Original zu finden iſt? Daſſelbe aber lautet, wortgetreu überſetzt:Jene erheben um die Wette(untereinander) mit großer Kraft die Arme. Warum hat nun Voß nicht den Ausdruckum die Wette gebraucht, der mit deminter sese dem Sinne nach übereinſtimmt? Aus keinem anderen Grunde, als weil derſelbe ſich nicht zur Bildung von Spondeen eignet. Darum wurde das Wortfroh, welches im Original gar nicht zu finden iſt, mit den Haaren herangezogen, damit es mit dem ganz ungebräuchlichen und, wie ich glaube, in unſerer Sprache gar nicht vorhandenen Worte Wettſchwung und dem darauf folgendenkraftvoll rings das Material zu den Spondeen liefere, deren Voß benötigt war.

Der folgende Vers, dem ich noch eine kurze Beſprechung widmeu will, iſt Vers 596 im achten Buche der Aeneis. Er lautet bei Vergil:

Quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum.

Dieſer Vers iſt immer als einer der vorzüglichſten aus dem klaſſiſchen Altertum betrachtet worden; und ich glaube, daß es kaum möglich iſt, durch Naturmalerei in Worten den Galopp eines über ein ſtaubiges Feld dahinſprengenden Renners beſſer zu veranſchaulichen, als es hier geſchehen iſt.

Voß hat den Vers mit Geſchick nachgeahmt. Wir finden in ſeiner überſetzung fünf Daktylen wie im Original. Die Überſetzung aber lautet:

Malmend zerſtampfet das Feld mit gevierteltem Trabe der Hufſchlag.

Die Überſetzung ſcheint mir beſſer zu ſein, als die von dem zuletzt citierten Verſe; indes befindet ſich doch ein Wort darin, welches eine nähere Beſprechung erheiſcht. Es giebt nämlich gegenwärtig in der hochdeutſchen Sprache wohl kaum ein Zeitwortmalmen. Die Mehrzahl der Leſer glaubt demnach, daßmalmend nichts weiter iſt als eine Verſtümmelung vonzermalmend. Wenn ſich die Sache aber ſo verhielte, ſo läge in dieſem Falle nicht bloß eine einfache Verſtümmelung vor, ſondern im buchſtäblichen Sinne des Wortes eine Enthauptung, zu welcher ſich Voß gezwungen ſah, wenn er dem Worte diejenige Stelle im Hexameter einräumen wollte, die es einnimmt. Indes hat, wie ich glaube, ſich Voß einer ſolchen Grauſamkeit nicht ſchuldig gemacht. Das Wortmalmend ſteht nicht für zermalmend, deſſen Gebrauch an dieſer Stelle überdies logiſch unſtatthaft wäre. Voß hat wirklich ein Zeitwortmalmen im Sinne gehabt, welches er hier verwandte, um die Bedeutung desputrem im Original wiederzugeben. Es hat nämlich ehemals im Deutſchen ein Wortmalm gegeben, welches die ſtaubige, pulverige Erde bezeichnet. Davon kommt