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ſchickten und gewiſſenhaften Lehrern gelegt ſind, welche nicht bloß durch ihr Wort ſondern auch durch ihr Bei⸗ ſpiel auf die Jugend erziehend einwirken, wenn ferner durch das einmüthige Zuſammenwirken aller Lehrer die Disciplin mit Ernſt und Strenge gehandhabt und die Jugend an Ordnung und Gehorſam gewöhnt wird,— ſo ſehe ich nicht ein, wie die von einer ſolchen Anſtalt gebildeten Schüler zur Erfüllung ihrer Chriſten⸗ und Bürger⸗ pflichten weniger geeignet ſein ſollen als die Schüler irgend einer andern Anſtalt.
Laſſen Sie uns nun noch einen raſchen Blick auf die Stellung werfen, welche die Realſchulen zu den Wiſſenſchaften einnehmen. Wenn die Gymnaſien ihre Schüler für den Beſuch der Univerſität vorbereiten und ihre Bildungsmittel vorzüglich in dem Studium der klaſſiſchen Sprachen finden, ſo ſind die Realſchulen dazu beſtimmt, den auf die gelehrte Laufbahn verzichtenden jungen Leuten die zu ihrem Beruf erforderliche allgemeine Bildung zu geben, wobei möglichſt der Forderung zu genügen iſt, daß die Fähigkeiten der Schüler an ſolchen Lehrgegenſtänden entwickelt und gekräftigt werden, welche vorzugsweiſe geeignet ſind, ein reiches Material von für ihren ſpäteren Beruf nützlichen Kenntniſſen zu liefern. Daher hat man die beiden alten Sprachen entweder ganz oder größtentheils aus dem Lehrplan der Realſchulen entfernt und dafür Mathematik und die Naturwiſſen⸗ ſchaften als die in größerer Ausdehnung und mit Energie zu betreibenden Lehrgegenſtände bezeichnet. Man meinte anfänglich in dieſen Wiſſenſchaften ein Centrum für die Lectionen auf den Realſchulen zu finden, wie es die Gymnaſien in dem Studium der beiden alten Sprachen beſitzen. Allein einſichtsvolle Pädagogen haben längſt erkannt, daß eine auf Mathematik und Naturwiſſenſchaften überwiegend baſirende Bildung nur eine ein⸗ ſeitige ſein würde, und daß auch die Realſchulen das in dem Sprachſtudium liegende Bildungselement nicht ent⸗ behren können. Daher darf die Lernkraft der Schüler nicht für Mathematik und die Naturwiſſenſchaften aus⸗ ſchließlich in Anſpruch genommen werden, ſondern es muß auch das Studium der Sprachen, insbeſondere der neuern Sprachen ſeine Geltung haben. Noch eine andere Rückſicht darf bei Entwerfung des Lehrplans der Real⸗ ſchulen nicht aus dem Auge verloren werden. Die Mathematik und die Naturwiſſenſchaften können nur bis zu einem gewiſſen Punkte als allgemeine Bildungsmittel betrachtet werden, weil ſie von da ab nicht mehr für alle Schüler ſondern nur für einzelne, die für dieſe Wiſſenſchaften ſpecielles Talent und Intereſſe haben, zugänglich ſind. Daher können wir es nur als ein verfehltes Streben bezeichnen, wenn im Intereſſe einzelner Schüler einige Wiſſenſchaften über den Standpunkt der für das Leben nothwendigen allgemeinen Bildung hinaus getrieben werden, ohne daß auf die Faſſungskraft und das Bedürfniß der Mehrzahl Rückſicht genommen wird. Dazu kommt noch ein anderer Umſtand, welcher dringend mahnt, in dem richtigen Verhältniſſe die Kraft der Schüler für die einzelnen Unterrichtsgegenſtände in Anſpruch zu nehmen. Die Schüler gehen nach dem Be⸗ ſuche der Realſchule nämlich in der Regel nicht auf eine höhere Bildungsanſtalt über, um ihre Studien zu vollenden, ſondern widmen ſich auf dem praktiſchen Wege der Verfolgung ihres gewählten Berufes. Daher darf die von ihnen erlangte Schulbildung nicht lückenhaft und unvollendet bleiben, ſondern muß möglichſt in ſich ab⸗ gerundet und abgeſchloſſen ſein,— es darf dieſelbe nicht bloß die Befähigung und Luſt zu einer ſpätern wiſſen⸗ ſchaftlichen Beſchäftigung geben, ſondern es muß das Reſultat ſchon möglichſt gezogen, es darf den Lernenden nicht bloß eine ſchöne Ausſicht in das Gebiet der Wiſſenſchaften gezeigt, ſondern es muß ihnen, wenn auch im beſchränkteren Kreiſe, ſchon eine gewiſſe Befriedigung gewährt werden.
Wenn nun den in den vorangehenden Andeutungen enthaltenen Grundſätzen zuwider der Schule eine falſche Richtung gegeben wird, ſo wird auch ihre Wirkſamkeit eine verfehlte ſein, wenn dagegen die Bedeutung der verſchie⸗ denen Lehrobjecte als Bildungsmittel richtig erkannt und in dem Lehrplane abgeſpiegelt iſt, wenn überdieß der Unterricht ſich in der Hand von tüchtigen wiſſenſchaftlich gebildeten und für ihr heiliges Amt begeiſterten Leh⸗ rern befindet, ſo wird die den Schülern von einer ſolchen Anſtalt ins Leben mitgegebene Bildung eine den Forderungen der Zeit entſprechende ſein, aber auch auf Gründlichkeit und Wiſſenſchaftlichkeit Anſpruch machen können, und die an den in's Leben über gegangenen Zöglingen ſichtbar werdenden Früchte werden einer ſolchen Real⸗ ſchule in kurzer Zeit das allgemeine Vertrauen des Publikums erwerben und mehr Schüler zuführen, als die⸗ ſelbe aufnehmen kann. Der ernſte, wiſſenſchaftliche Geiſt, welcher wie auf dem Gymnaſium ſo auch auf der Realſchule in allen Lectionen obwalten muß, wird auf die Schüler übergehen, er wird ſie ins Leben begleiten und ihnen bei ihren künftigen Unternehmungen hilfreich zur Seite ſtehn. Wenn daher die Realſchulen auch nicht die


