Aufsatz 
Über die Ableitung der Nepper'schen Analogien und der Gauß'schen Gleichungen
Entstehung
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über die materielle Zeitrichtung und den Mangel an wiſſenſchaftlichem Sinne? Wie? wenn auf den neuen Schulen, welche zur Befriedigung eines unabwendbaren Zeitbedürfniſſes gegründet worden ſind, derſelbe Geiſt herrſchte und wir befürchten müßten, daß die denſelben anvertraute Jugend nicht bloß in ihrem Glauben und in ihrer loyalen patriotiſchen Geſinnung gefährdet ſei, ſondern auch nicht den ernſten Weg der Wiſſenſchaft wan⸗ dere und ſich nur eine bequem zu erlangende oberflächliche zeitgemäße Bildung aneigne.

Wir können zugeben, daß hier und da eine ſolche Beſorgniß nicht ganz unbegründet geweſen ſein mag, aber wir finden zunächſt, daß auch die übrigen Bildungsanſtalten, die Gymnaſien mit eingeſchloſſen, ſich von dem Einfluſſe der Zeit nicht überall haben abſchließen können und, wenn wir zugeben müſſen, daß die Real⸗ und höheren Bürgerſchulen demſelben mehr nachgegeben haben, ſo zeigt uns ein Blick auf ihre äußeren Verhältniſſe die Quelle der beſorglichen Erſcheinung. Wir ſehen nämlich, daß dieſe Anſtalten faſt überall von ſtädtiſchen Kommunen gegründet worden ſind, und finden es natürlich, daß die Begründer denſelben eine ihren Anſichten und Beſtrebungen entſprechende Form und Richtung zu geben bemüht waren und demgemäß bei Beſetzung der Lehrerſtellen verfuhren. Hieraus folgt, daß derſelbe Geiſt, der ſich auf religiöſem und politiſchem Gebiete in nicht wenigen der größern Städte kund gab, auch an den von denſelben abhängigen höheren Bildungsanſtalten nicht wirkungslos vorübergehen konnte. Nach dieſer Andeutung glaube ich nicht noch auseinanderſetzen zu müſſen, daß die Lokal⸗Schulbehörden und die die Oberaufſicht führenden Staatsbehörden vollſtändig die Mittel in ihrer Hand haben, um die Gefahr drohenden äußeren Einflüſſe von den Schulen fern zu halten. Ich werde auch in dieſer Beziehung meiner Pflicht ſtets eingedenk ſein.

Wenn ferner die Jugend an den Realſchulen nicht überall die wünſchenswerthe geiſtige Regſamkeit zeigte und eine tüchtige Durchbildung mit ins Leben nahm, ſo lag dieß entweder nur an den karg zugemeſſenen Mitteln, welche die Gewinnung und Wahrung tüchtiger und ausreichender Lehrkräfte nicht geſtatteten, oder an dem übertriebenen und deßhalb verfehlten Streben, die Schüler möglichſt raſch und weit in die für das prak⸗ tiſche Leben nützlichen Fachwiſſenſchaften einzuführen, wobei die harmoniſche Entwicklung aller geiſtigen Kräfte verabſäumt wurde und nur eine magere einſeitige Abrichtung für das Examen oder für beſondere Lebenszwecke erreicht werden konnte.

Wenn nun irgendwo an einer Real⸗ oder höheren Bürgerſchule ſolche Uebelſtände ſtattgefunden haben ſollten, ſo meine ich, daß dieſelben abgeſtellt werden können und müſſen, und daß den Eltern, welche der Anſtalt ihr Söhne anvertranen wollen, dieſelben Garantien für das zeitliche und ewige Wohl der Ihrigen geboten wer⸗ den können und müſſen, welche irgend eine Bildungsanſtalt bieten kann.

Vergleichen wir in dieſer Beziehung die Realſchule mit dem Gymnaſium. Der Lehrſtoff der Realſchule iſt allerdings ihres beſondern Schulzweckes wegen ein anderer, aber wie ſollte durch die Beſeitigung der grie⸗ chiſchen Sprache und die Beſchränkung der lateiniſchen und durch die ausgedehntere und energiſchere Behand⸗ lung der neueren Sprachen, der Mathematik und der Naturwiſſenſchaften eine Gefahr für die religiöſe und loyale Geſinnung der Jugend entſtehen? Wenn die Leſung der heidniſchen Klaſſiker und die Betrachtung des freien bewegten Volkslebens in Rom und in den griechiſchen Republiken unter der Leitung wackrer Lehrer an den Gymnaſiaſten gefahrlos vorübergeht, ſo werden die Realſchüler, wenn ſie von ihren Lehrern durch das Stu⸗ dium der neuern Sprachen in die Gegenwart eingeführt werden und die Kräfte und Produkte der Natur in größerer Nähe und vielſeitiger betrachten, in ihrem Glauben und in ihrem Patriotismus nicht nur nicht gefähr⸗ det werden, ſondern der tiefere Einblick in die Natur wird ſie die Allmacht, Weisheit und Güte des Schöpfers noch deutlicher erkennen laſſen, und die Betrachtung der in der Natur ſtattfindenden Ordnung und Harmonie ſowie der in der Wirkſamkeit der Naturkräfte unverbrüchlich waltenden Geſetzmäßigkeit wird ſie, im Gegenſatze zu der in der Gegenwart hervortretenden Unordnung und Zerfallenheit mit Achtung vor dem Geſetze er⸗ füllen und ihnen den Vorſatz erwecken, als Männer einſt das Ihrige dazu beitragen zu wollen, daß in Familie und Staat Geſetz und Ordnung überall Geltung habe, und auch in der moraliſchen Welt die ſchöne Harmonie ſich zeige, welche ſich im Naturleben abſpiegelt. Wenn daher die Schüler auf den Real⸗ oder höheren Bürger⸗ ſchulen von tüchtigen und pflichttreuen Religionslehrern in den Heilswahrheiten unterrichtet und zur Erfüllung ihrer religiöſen Pflichten angehalten werden, wenn auch die übrigen Unterrichtsgegenſtände in die Hand von ge⸗