Aufsatz 
Über die Ableitung der Nepper'schen Analogien und der Gauß'schen Gleichungen
Entstehung
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Antrittsrede des Directors bei ſeiner Einführung ins Amt

am 26. März 1852.*)

Hochverehrte Anweſende, liebe Hchüler!

Wenn es mir heute zum erſten Male vergönnt iſt, an dieſe hochanſehnliche Verſammlung, in welcher ſich die Behörden und Notabilitäten dieſer ſchönen Stadt mit den Lehrern und Schülern der Anſtalt zur Feier des Tages vereinigt haben, mein Wort zu richten, ſo muß ich mich gedrungen fühlen, meine Anſichten über die Lei⸗ tung und Fortbildung der mir anvertrauten Anſtalt unverholen auszuſprechen. Ich könnte mich hierbei verſucht fühlen, vor Ihren Augen ein ideales Bild von einem Realgymnaſium, wie es ſein ſollte, zu entwerfen, und in demſelben nach zu weiſen, wie eine Schule dieſer Art die geſammte intellectuelle und moraliſche Kraft der ihr an⸗ vertrauten Jugend in Anſpruch nehmen muß, um dieſelbe mit harmoniſcher Geiſtesbildung auszurüſten und für die Erreichung ihrer weitern Lebenszwecke zu befähigen; allein, da ich den Vorwurf einer theoretiſchen Schwärmerei dafür erndten könnte und den Vergleich mit der Wirklichkeit fürchten müßte, wende ich mich lieber einer mehr realen und praktiſchen Betrachtung zu, welche mir ebenfalls Gelegenheit geben wird, mich über meine künftige Amtsführung auszuſprechen..

Die Anſtalten, welche unter den NamenRealſchulen, Realgymnaſien, höhere Bürgerſchulen, während der letzten Decennien in den größern und wohlhabenderen Städten unſeres Vaterlandes entſtanden ſind, haben viele warme, thätige und zu Opfern bereite Freunde, aber auch ihre Gegner. Die Einen haben dieſelben mit großen Opfern geſchaffen und betrachten ſie als ein köſtliches wohlzupflegendes Kleinod ihrer Communen, die An⸗ dern haben ihrer Begründung und ihrem trotz aller Hinderniſſe erfolgten Aufblühen mißtrauend zugeſehn und ſchwächen wohl auch jetzt noch durch mancherlei gegen die Anſtalt ausgeſprochene Bedenken das Vertrauen des Publikums. Wenn es überflüſſig erſcheint, den Freunden ihren Schützling noch mehr zu empfehlen, ſo iſt es offenbar von der höchſten Wichtigkeit, die gegen die Realſchulen vorgebrachten Einwürfe und Ausſtellungen ent⸗ weder als ungerecht zurück zu weiſen oder darzuthun, daß die gerügten Mängel mit dem Weſen dieſer Lehran⸗ ſtalten nicht zuſammenhängen, ſondern durch zufällige lokale oder perſönliche Verhältniſſe herbeigeführt worden ſind und deshalb abgeſtellt werden können und müſſen.

Ich will daher in Kürze, ohne irgend welche perſönliche oder lokale Verhältniſſe in's Auge zu faſſen, einige Bedenken zu beſeitigen verſuchen, welche wohl hier und da gegen die Realſchulen ausgeſprochen worden ſein mögen, und welche vielleicht auch manche ſorgliche Eltern abgehalten haben, ihre Söhne einer ſolchen Anſtalt anzuvertrauen. Welches iſt denn, könnte man fragen, der Geiſt der Zeit, welcher ſich in den letzten Decen⸗ nien auf religiöſem, politiſchem und wiſſenſchaftlichem Gebiete kund gegeben hat? haben nicht in den letzten Jahren die Umſturzverſuche in Kirche und Staat ſeine Früchte gezeigt? und hört man nicht fortwährend Klagen

*) Dieſe 18 Jahre alte, urſprünglich nicht zur Veröffentlichung durch den Druck beſtimmte Rede iſt nebſt der folgenden kleinen analytiſchen Erörterung dem Programm beigegeben worden, weil die für dasſelbe angefertigte wiſſenſchaftliche Abhandlung wegen ibres ſtreng pbilologiſchen Inhalts für das Programm einer Realſchule weniger geeignet erſchien und deshalb von dem Verfaſſer zurückge⸗ zogen wurde.

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