13 Bildungstriebes ein. Selbſtſtändig geworden, erfindet die Natur ſich eine eigne Form, die bei ihrer Einfachheit doch durch Combination die Möglichkeit einer großen Mannigfaltigkeit gewährt, und in voller Freude über den Fund kann ſie nicht aufhören, immer neue zu bilden. In der Luſt des Spiels ſcheint ſie alles Andere zu vergeſſen, mit kindlichem Stolze trägt ſie die bun⸗ ten wechſelnden Geſtalten zur Schau, die ſie geſchaffen,... Aber die Kindheit geht vorüber, und ſie lernt nach Zwecken handeln; jetzt wird Form und Schönheit nicht mehr höchſtes, allein bedingendes Princip, ſondern dem Nutzen untergeordnet, zugleich aber verhüllt ſie weiſe die Mittel, wodurch ſie ihre Zwecke erreicht... und das Thier ſchließk ſich üͤber ſeinen Organen zuſammen.“³)
III. In phyſiologiſcher Beziehung ſind in der Ernährungsweiſe der Organismen wichtige Unterſchiede gegeben.
Es wurde ſchon oben erwähnt, daß die Pflanzen ſich nur von anorganiſchen flüſſi⸗ gen oder luftförmigen Stoffen nähren, die Thiere dagegen nur von organiſchen, haupt⸗ ſächlich feſten, unmittelbar oder mittelbar durch die Pflanzen bereiteten.“*) Die paraſitiſchen Pflanzen jedoch, wozu auch die Pilze zu rechnen ſind, da ſie nur auf einem von organiſchen Flüſſigkeiten durchtränkten Boden gedeihen, nähren ſich hauptſächlich von organiſchen Sub⸗ ſtanzen, ebenſo die Torfpflänzchen;— andrerſeits giebt es viele Thiere, beſonders unter den Endozoen, die, weil ohne Mund, nur flüſſige Nahrungsſtoffe aufnehmen. Da man aber kein Thier kennt, das ſich von unorganiſchen Stoffen nährte, ſo könnte man einen zweifel⸗ haften Organismus, der nur unorganiſche Stoffe aufnimmt, als Pflanze er⸗ klären, nur nicht umgekehrt. 1⁰)
Keine Pflanze hat ferner einen Mund. Die Spaltöffnungen(Poren) der Blätter dienen der„Athmung“ und Ausſcheidung; falls durch ſie aber auch luftförmige Nahrungsſtoffe dringen, ſo wären ſtets viele„Mundöffnungen“ vorhanden, die freilich auch bei Khizostoma(einer Scheibenqualle) vorkommen. Die einzelligen Pflanzen ſind ſtets geſchloſſen. Deſſenungeachtet kann man nicht alle mundloſen einzelligen(beweglichen) Organismen aus dem Thierreich weiſen, da es zweifelloſe Thiere ohne Mund giebt(— es ſind dies unter den Eingeweidewürmern die Blaſenwürmer der Finnen und der Drehkrankheit bis zum Bandwurm und dem Kratzer, ferner einige Schmarotzerkrebſe und ſelbſt einige ausgebildete Inſecten, die nur kurze Zeit leben, z. B. Oestrus—), da ferner bei den Rhizopoden(z. B. bei Amoeba, dem Wechſelthierchen) ſich erſt zur jedesmaligen Nahrungsaufnahme ein temporärer Mund bildet. ¹)
8) Von älteren Schriftſtollern haben einen Hauptunterſchied in der Tertur der Gewebe gefunden: G. R. Treviranus(Biologie, Göttingen 1802), Rudolph(Anat. d. Pflanzen, Berlin 1807).
9) Die Nahrungsſtoffe der Pflanzen ſind Zerſetzungs⸗, die der Thiere Bildungsproducte der Organismen.
50) Wenn aber Leuckart(a. a. O. p. 132) die mundloſen Aſtaſigeen und Peridinaeen, die ſich frei im Waſſer umherbewegen, zu den vegetabiliſchen Bildungen rechnet, weil„das Waſſer wohl nie eine ge⸗ nügende Menge organiſcher Stoffe in Auflöſung enthalte“, ſo erſcheint dies ſo lange bedenklich, als nicht nach⸗ gewieſen iſt, daß in dem Waſſer, worin dieſe Geſchöpfe leben, keine organiſchen Stoffe vorhanden ſind
1) Leuckart, a. a. O. p. 132, flgde.


