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Auch das Fehlen des Magens kann über die pflanzliche Natur eines zweifelhaften 8 ganismus nicht entſcheiden, da ſehr viele Thiere keinen beſondern Magen beſitzen, ſeine Stell nur durch die innere Leibeswand vertreten wird.²) Die von Ehrenberg ſogenannten zahlreich 2 Mägen bei den Infuſorien ſind nach neuerer Auffaſſung„Vacuolen“, die ſich aus der Serrode ausſcheiden und wieder verſchwinden. Schleiden ſagt*), wir müßten uns mit dem Unterſchiede begnügen, daß die Thiere einen Magen haben, die Pflanzen aber keinen, indem das Thier auch dann, wenn es nur aus einer Zelle beſteht, dieſe in ſich ſelbſt hineinſtülpe, ſo daß die innere Fläche wahrſcheinlich allein zur Aufnahme der Nahrung dient. Dieſes Einſtülpen fſ jedoch nicht erwieſen und kann daher wenigſtens nicht zur Entſcheidung in zweifelhaften Fällen dienen. ¹) Wichtiger erſcheint die Thatſache, daß alle zweifelloſen Thiere Sauerſtoff ein⸗ und Kohlenſäure ausathmen, während die Pflanzen umgekehrt Kohlenſäure auf⸗ nehmen und, wenigſtens im Licht, Sauerſtoff aushauchen, obwohl keimende Samen, alle nicht grünen Theile, die Staubgefäße und nachreifenden Früchte, ferner alle Pflanzen im Dunkeln auch Sauerſtoff einziehen und Kohlenſäure abgeben. ⁵) 2 3
Von den möglichen Vermehrungsweiſen der Organismen iſt die von Ehrenberg den nie⸗ derſten Thieren ausſchließlich zugeſchriebene Selbſttheilung auch bei Pflanzen bekannt. Un⸗ regelmäßig kommt ſie bei Algen und Flechten überhaupt, regelmäßig, und ſie allein, bei Noſto⸗ chinen und vielen faſt allgemein zu den Pflanzen gerechneten Gebilden(Oscillarien, Bacillarien) vor, iſt überhaupt bei allen mikroſkopiſchen Algen die gewöhnliche, wenn auch nicht einzige Fortpflanzungsart. Die bei den Pflanzen ſehr allgemein vorfoͤmmende Bermehrung durch Knospung findet ſich auch bei einigen Ringelwürmern G. B. Syllis prolifera), bei Polypen, Quallen und einigen Infuſorien(d. Vorticellinen). Die geſchlechtliche Fortpflanzung endlich findet ſich(mit Ausnahme der Infuſorien, die vielleicht ebenſowenig ſelbſtſtändige Thierarten ſind, als andre geſchlechtsloſe Arten)“ nicht nur bei allen Thieren, ſondern auch bei faſt allen Pflanzen, nach neueren Entdeckungen ſelbſt bei einzelligen Algen(. B. Vancheria):). Es läßt ſich alſo nach der Art der Fortpflanzung über die Natur eines zweifelhaften Or⸗ ganismus noch weniger als nach andern Merkmalen entſcheiden.
So zeigt ſich denn, daß alle in den höheren Gebieten der organiſchen Reiche geltenden Unterſchiede um ſo mehr an ihrer Kraft verlieren, je tiefer man bis zu den einfachſten orga⸗ niſchen Gebilden hinabſteigt. Es iſt aber hervorzuheben, daß die Verfolgung der Entwicklungs⸗
2) So iſt es bei dem größten Theil der Quallen, Polypen und Infuſorien, ferner bei den mundloſen Thieren.
3) Grundz., I. p. 66.——
9 Alſton znraria botan., Edinburg 1753), Hunter(m. v. Link's philos. bot. p. 26) J. E. Smith (Introd. to physiol. and syst., London 1814), Link(a. a. O.), Blumenbach(Handb. d. Naturgeſch., Göt⸗ tingen 1830) haben beſonders die Art der Nahrung oder das Vorhandenſein und die Beſchaffenheit des Mun⸗ des oder Magens als diagnoſtiſches Merkmal hervorgehoben.
3) Nur Frustulia salina, Euglena u. a. zweifelhafte Infuſorien hauchen auch Sauerſtoff aus, und Leuckart (a. a. O. p. 219) findet darin einen Grund mehr zum Zweifel an ihrer thieriſchen Natur.
6) Leuckart, a. a. O. p. 688....
7) M. v.„Ueber die Befruchtung und Keimung d. Algen u. ſ. w.“ von N. Pringsheim.(Monatsber.
d. K. A. d. W., Berlin 1855.)


