Rückgratthiere, der Gliederthiere(beſonders der Inſecten), der Weichthiere oder Mollusken wird Niemand leugnen können, er ſtelle ſie auch, ſo niedrig er wolle. Zur Unterſtützung dieſer An⸗ nahme von Seelenkräften finden wir auch bei allen dieſen Thieren Nervenknoten und ⸗geflechte und ein Gehirn oder einen, ſeine Stelle vertretenden Nervenring um den Schlund. Gehen wir noch tiefer, ja bis zu ſehr einfach organiſirten Thierchen aus der Gruppe der Infuſorien, — auch hier finden wir eine gewiſſe Seelenthätigkeit. Wenn man z. B. unter dem Mikroſkop ein Paramecium, Pantoffelthierchen(ohne Nerven), betrachtet und ſieht, wie es raſtlos mit verhältnißmäßig großer Geſchwindigkeit ſich fortbewegt,— hier einen Moment ſtillſteht, bald ſich wieder fortbewegt und dabei jedes Hinderniß, jeden Zuſammenſtoß mit andern Individuen ſeiner oder andrer Art vermeidet,— wie es Beute macht und ſie in ſein Inneres aufnimmt, dann von Neuem weiter eilt,— ſo kann man wohl ſagen:„Das Thier begehrt und ſucht Etwas, bewegt ſich, um es zu finden, findet es, erkennt es ſeinem Bedürfniſſe entſprechend u. ſ. w., d. h. auch dieſes Thier äußert eine gewiſſe Seelenthätigkeit.“
Hiernach iſt wohl der Schluß gerechtfertigt, das Weſentliche des Thieres überhaupt ſei Seelenthätigkeit oder(worin ſie ſich zeigt) willkührliche Bewegung, ſelbſt wenn manchen Thieren (es ſind dies die Protozoen[Infuſorien,, die jungen Polypen, die Acalephenammen[(Quallen⸗ Larven)] und die jüngſten Embryonen vieler andern Thiere)“ die gewöhnlichen Organe derſel⸗ ben, die Nerven und Muskeln, fehlen. Dieſer Schluß iſt um ſo ſicherer, als das Pflanzenreich in ſeiner ungeheuren Majorität nichts Analoges zeigt und die einzelnen Bewegungserſcheinungen der Pflanzen ſich ebenſo gut ohne, als mit Annahme von Seelenthätigkeiten erklären laſſen. Willkührliche Bewegung alſo, als Aeußerung einer Seelenthätigkeit, erſcheint als der weſentliche Charakter der Thiere gegenüber den Pflanzen.)
Die Schwierigkeit, dieſen Charakter auch als diagnoſtiſches Merkmal bei der Beſtimmung zweifelhafter Organismen zu benützen, liegt darin, daß es bei Bewegungserſcheinungen oft un⸗ möglich iſt, zu eutſcheiden, ob ſie willkührlich ſind oder nicht. Wo Nerven vorhanden ſind, da iſt kein Zweifel, wohl aber, wenn dieſe, wie es bei den einfachſten*) Thieren der Fall iſt,
4) Bergmann und Leuckart a. a. O. p. 532.
Man ſagt in dieſem Falle gewöhnlich, das Bewegungsſyſtem verſenke ſich hier mit den andern Syſtemen des Lebens in eine ununterſcheidbare Einheit thieriſcher Subſtanz, die Nervenſubſtanz habe ſich noch nicht zu Nerven, das Gemeingefühl nicht zu Sinnesorganen differenzirt.„Schon eine wiſſenſchaftliche Verfolgung der allgemeinen Degradation, welche Syſteme und Organe in den niedrigſten Klaſſen des Thierreichs erleiden, fuhrt zu der Vermuthung, daß es auch ganz einfache Thiere geben müſſe, welche leben, d. h. ſich ernähren und fortpflanzen, empfinden und ſich bewegen, in welchen aber, wie in dem Ei, die materiellen Subſtrate für dieſe verſchiedenen Thätigkeiten noch nicht differenzirt ſind, ſo daß ein und dieſelbe Subſtanz zugleich Er⸗ nährungsſtoffe aufnimmt, empfindet, contractil iſt und durch Theilung oder Knospenbildung zur Bildung eines neuen Thieres dient. Die Entwickelungsgeſchichte unterſtützt dieſe Annahme.“(Ecker a. a. O.)
5)„Wir laſſen nur ein ſolches organiſches Weſen als Thier gelten, welches uns mindeſtens die Erſcheinung der willkuhrlichen Bewegung darbietet und uns dadurch auf ſinnliche Wahrnehmungen ſchließen läßt, in Folge deren allein eine willkührliche Bewegung zweckmäßig geleitet werden kann;— die Functionen des Nervenſyſtems müſſen alſo in jedem Thiere vollzogen werden, obwohl ein iſolirtes Nerven⸗ ſyſtem bei vielen niederſten Thieren nicht bekannt iſt.“(Bergmann u. Leuckart a. a. O. p. 500.)
6) Nach Leon Dufour ſollen bei einem Netzflügler(Nemoptera lusitanica) keine Nerven vorhanden ſein. (Annales d. sc. nat. IV. 1856.)
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