Aufsatz 
Eine naturgeschichtliche Abhandlung
Entstehung
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Man könnte gegen die Behauptung, daß in der Aufſuchung der weſentlichen Verſchieden⸗ heit der beiden organiſchen Reiche von den vollkommenſten Gebilden auszugehen ſei, einwenden, das differenzirende Moment müſſe, falls es eine abſolute Grenze beider organiſchen Reiche gebe, ſchon in den einfachſten Pflanzen und Thieren vorhanden ſein, in ihnen alſo auch her⸗ vortreten und ſich auffinden laſſen. So bemerkt z. B. Nägeli), daß, wenn Pflanzen und Thiere überhaupt getrennt werden ſollen, der Unterſchied ſich ſchon in ihren einfachſten Zu⸗ ſtänden, in den einzelnen Zellen ausſprechen, und daß, wie er hinzufäͤgt, namentlich die Zellen⸗ membranen ſich bei den einen als ſtarr und als ternäre Verbindungen, bei den andern als contractil und als quaternäre Verbindungen ausweiſen müſſen.

Es iſt richtig, das Unterſcheidende zwiſchen Pflanze und Thier muß ſchon in den einfach⸗ ſten Organismen vorhanden ſein; aber ob und wann es in dieſen zu erkennen ſein wird, iſt eine andere Frage. Ein Beiſpiel wird dies klar machen. Einen Hund kann man leicht von einer Katze unterſcheiden, nicht ſo ihre Anfänge, die Keimbläschen. In dieſen liegt wohl ſicher real ſchon Das, was, allerdings unter Hinzutritt gewiſſer Bedingungen, die Entwicklung des Hundes oder der Katze nothwendig machts) es kann dies die Beſchaffenheit der Dotter⸗, reſp. Keimbläschenmembran(nach Form, Größe, Farbe), des flüſſigen und feſten Inhalts (nach Zuſammenſetzung und Conſiſtenz u. ſ. w.) ſein; aber in uns und beſonders in der Mangelhaftigkeit unſerer natürlichen oder künſtlichen Werkzeuge liegt die Schwierigkeit, das Differenzirende, Beſondere überall und leicht zu erkennen.*) So ſagt auch Schleiden:Eben, weil Alles, was der Zelle als ſolcher zukommt, den Organismen ohne Unterſchied eigen ſein muß,... darf man auch die Unterſchiede zwiſchen Pflanzen und Thieren am allerwenigſten in einer Eigenſchaft finden wollen, die dem iſolirten Zellenleben angehört; und:Eine geſunde Naturforſchung darf zweifelhafte Gebilde und das ſind die niederſten Organismen großen⸗ theils nie wählen, um von ihnen Geſetze abzuleiten, die nicht ſchon anderweitig für das eine oder das andere Reich feſt begründet ſind. ¹⁰)

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Von allen Organismen iſt der Menſch der höchſte, und er iſt es durch ſeinen Geiſt, ſeine beſondern Seelenfähigkeiten. Er vermag das Ueberſinnliche in den Kreis ſeiner Thätigkeit zu ziehen, über ſich ſelbſt und über das Verhältniß zu Gott, dem Urquell alles Erſchaffenen u. ſ. w. nachzudenken; in ihm waltet eine Kraft, die ihn ſittlich frei macht und ihn zum Wah⸗ ren, Guten und Schönen befähigt. ¹)

7) Zeitſchrift für wiſſenſch. Botanik, II. 18.

8)In einem jeden Ootter iſt nach der Befruchtung die Nothwendigkeit, zu einem Individuum einer be⸗ ſtimmten Thierſpezies zu werden, in der Qualität ſeiner Materie begründet.(Bergmann und Leuckart d. a. O. p. 18.).

9)Nur fuͤr die großen Thiergruppen wiſſen wir allenfalls einige Charaktere der Eier anzugeben..... Das Ganze iſt aber auch noch kein Gegenſtand ernſten, wiſſenſchaftlichen Strebens geweſen.(Bergmann und Leuckart a. a. O. p. 18.)

10) A. a. O. p. 65 fg.

0Wende den Blick in Dein eigenes Innere. Hier begegnet Dir ein unendlicher Reichthum von Wün⸗ ſchen und Hoffnungen, von Träumen und Gedanken. Bald öffnet ſich Dir die Pforte zum Tempel der Er⸗