Aufsatz 
Eine naturgeschichtliche Abhandlung
Entstehung
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wegung und, wie man hinzufügen muß, in ihrer bewußten Empfindung, obwohl wir über dieſe nur durch jene ein Urtheil haben.*) 3

Dieſes ſich ohne beſondere Forſchung als den Thieren eigen ergebende Moment iſt auch lange feſtgehalten, ſpäter nur von Einzelnen zurückgedrängt, aber ſtets wieder hervorgehoben und in neuſter Zeit faſt allgemein beſonders betont worden.*) Alle Bewegungs⸗ und Empfin⸗ dungs⸗Erſcheinungen an Pflanzen ſind unwillkührlich, reſp. unbewußt, wenn auch meiſt noch nicht genügend erklärt. Dieſe unerklärten Erſcheinungen veranlaßten auch faſt allein das Auf⸗ ſuchen andrer, für die Diagnoſe brauchbarer Unterſcheidungsmerkmale, ohne daß, mit einzelnen Ausnahmen, der oben angegebene weſentliche Unterſchied im Grunde geläugnet wurde.)

Bei der Grenzbeſtimmung zwiſchen Pflanzen⸗ und Thierreich darf man das weſentlich Un⸗ terſcheidende nicht aus bis jetzt nicht vollſtändig genügenden Beobachtungen an den niederſten, oft eben zweifelhaften Gebilden ableiten wollen. Im Gegentheil iſt 68 nothwendig, von den höchſt entwickelten, vielſeitig erkannten organiſchen Weſen auszugehen, hier das weſentlich Dif⸗ ferenzirende aufzuſuchen und, es immer weiter verfolgend, endlich auch für die unterſten Stufen der organiſchen Welt in Anſpruch zu nehmen. Ws ſich ſo herausſtellt, iſt allerdings kein ſtreng logiſcher Schluß, wie es z. B. die mathematiſchen ſind, aber ein Wahrſcheinlichkeitsſchluß durch Induction(indem ich von vielen Fällen auf die Gültigkeit einer allgemeinen Regel ſchließe) und Analogie(die der durch Induction gefundenen Regel unterordnet,, den man, als einziges Förderungsmittel aller Erfahrungswiſſenſchaft, als vollgültig mit Necht annimmt, wenn die Vorausſetzung möglich und die Ableitung conſequent iſt./*) Wenn wir z. B. in einem, beſtimmte zweckmäßige Handlungen verrichtenden Thiere ein Gehirn als Centralorgan verſchie⸗ dener Nerven vorhanden wiſſen und ſchließen, daß von ihm(dem Gehirn) nach irgendwelcher Anregung die Beſtimmung zu dieſen Handlungen ausgeht, ſich nach den entſprechenden Nerven fort⸗ pflanzt, und daß dadurch die bezweckte Wirkung hervorgebracht wird, ſo iſt dies auch nur ein Ana logieſchluß, ohne die abſolute Kraft eines zwingenden Beweiſes, und doch von Niemand beſtritten.

3) Es beruht auf ihm die Eintheilung der Lebensthätigkeiten in vegetative und animale, ſofern die Er⸗ nährung und Fortpflanzung allen Organiémen, den pflanzen ſie allein, die Bewegung und Empfindung den ieren ausſchließlich zukommen. 4 33 4) M. Hheienbagdie Infuſtonsthierchen u. ſ. w., Bronn'sAllgemeine Zoologie, Stuttgart 1830, Valentin'sGrundriß d. Phyſiol. d. Menſchen, Braunſchweig 1846, v. Siebold's AbhandlungUeber ein⸗ zellige Pflanzen u. Thiere(Ztſchr. f. w. Zool. 1819), Ecker'sZur Lehre v. Bau und Leben d. contract. Subſtanz u. ſ. w., Baſel 1848, u. A. 3 3 dmen giebt gewöhnlich folgende Erklärung dieſes Unterſchiedes: Alle Thätigkeit der Organismen hat den Zweck, die Individuen und Arten zu erhalten, d. h. den Zweck der Ernährung und Vermehrung. Dieſer wird erreicht durch Nahrungsaufnahme. Die Nahrung der Pflanzen beſteht weſentlich in Waſſer, Kohlenſäure und kohlenſaurem Ammoniak, unorganiſchen Verbindungen, die ſich überall finden; daher bedarf die Pflanze keiner Organe, um ihre Nahrnng aufzuſuchen oder zu unterſcheiden, d. h. keiner Organe der Bewegung und Empfindung. Die Thiere dagegen können nur organiſche Subſtanzen(pflanzliche oder thieriſche Stoffe) als eigentliche Nahrungsmittel gebrauchen, ſie beſitzen nicht die Fähigkeit, aus unorganiſchen Verbindungen orga⸗ niſche Stoffe zu bilden. Da nun ihre Nahrungsmittel nicht überall vorhanden und nicht für alle Thierge⸗ ſchlechter dieſelben ſind, ſo müſſen ſie Organe beſitzen, um dieſelben aufzuſuchen und zu unterſcheiden. Es wird weiter unten gezeigt werden, wie dieſe Erklärung nicht durchgreifend angewendet werden kann. 6) M. v. Schleiden's Grundzüge, I. p. 137. flgde.