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Andre meinten, alle Organismen bilden überhaupt nur eine Reihe; die Natur mache keine Sprünge, ſie ſteige ſtufenweiſe vermittelſt ſtetiger Uebergänge von dem Menſchen zu den Po⸗ lypen, von da zu den Mimoſen und endlich zu den Pilzeu herab. So Buffon⁵), Snellius*), Bonnet¹). Letzterer findet ſonach z. B. keinen Unterſchied zwiſchen einem Roſenſtrauche und einer darunter ſitzenden Katze.
Endlich nahmen Einige drei organiſche Reiche an. G. R. Treviranus unterſcheidet?): 1) Thiere, 2) Zoophyten, wozu er die Polypen, Infuſorien und alle cryptogamiſchen Pflanzen rechnet, 3) Pflanzen. Oder man nannte die zweifelhaften oder abſonderlichen Gebilde„Pſeud⸗ organismen“. Dieſen Namen legt z. B. Rudolph) den Pilzen und Flechten bei. Von einem Reiche der Pſeudorganismen ſpricht in neuerer Zeit auch Körber ¹0).
Die meiſten, beſonders neueren Naturforſcher aber ſind der Anſicht, daß es zwei, und nur zwei weſentlich verſchiedne Reihen von Organismen gebe, und daß eine feſte Grenze zwiſchen beiden vorhanden, wenn auch durch die Wiſſenſchaft erſt noch zu beſtimmen ſei.¹) Erſt nach genauſter Erkenntniß der Organismen kann dieſe Grenze unverrückbar beſtimmt, dann erſt möglicherweiſe aufgehoben werden.
3.
Die Grenzbeſtimmung zwiſchen Thier⸗ und Pflanzenreich iſt alſo Aufgabe der Wiſſen⸗ ſchaft. Doch iſt es nothwendig, die Richtung hervorzuheben, die auf dieſem Gebiete feſtzuhalten iſt, damit man nicht das Weſentliche aus dem Auge laſſe und ſich in Nebendinge verliere. ²) Der weſentliche Unterſchied der Thiere von den Pflanzen liegt in ihrer willkührlichen Be⸗
18411, Unger's„Ueber die Pflanze im Moment der Thierwerdung,“ Wien 1813.— Gros(bulletin de la soc. d. Nat. de Moscon) verſichert, daß ein und derſelbe Organismus ſich in beſtimmte Arten von Pflanzen oder Thieren entwickeln könne, aus Thieren würden Pflanzen, aus Pflanzen Thiere u. ſ. w.(S. Froriep's No⸗ tizen, 1851. N. 381).—
5) Allgemeine Naturgeſchichte. I. p. 1— 17.—
6) Philoſ. d. Naturgeſch. I. pP. 3— 57.—
7) Parallele zwiſchen Pflanzen u. Thieren, p. 1.. 2 ½.—
8) Biologie, Göttingen 1802. I. p. 165.
9) Anatomie d. Pflanzen, Berlin 1807.
10) Ideen z. Geſchichte d. organ. Schöpfung, Breslau 1851, p. 18.— Bory de St. Vincent ſtellte zuerſt ein„Reich der Doppelſeelen“(règne Psychodiaire) auf. Er behauptete, jedes mikroſkopiſche Geſchöpf ſei eben ſo gut Thier als Pflanze, Thier⸗ und Pflanzenreich ſeien darin noch verbunden.
¹)„Der Menſch und die Mimoſe, oder was ſonſt wir für die höchſte Pflanze halten wollen, ſind nur die beiden Enden zweier Reihen, die von einem Punkte aus nach entgegengeſetzter Richtung laufen.“(Cohn, d. mikroſkop. Welt, p. 720.)— 3
2) Wenn man z. B. lieſt, was Hedwig(Zerſtreute Abhandl., Leipzig 1793, 1. p. 149) ſagt, daß Thiere organiſche Körper ſeien, die ihre(ſexuellen) Vermehrungsorgane lebenswierig beibehalten und mit ihnen die Fortpflanzung wiederholen können,— Gewächſe aber organiſche Körper, die dieſe Organe endlich abwerfen und zu jeder neuen Fortpflanzung neue treiben müſſen, ſo ſieht man leicht, daß dieſe Definition weder er⸗ ſchöpfend noch durchgreifend iſt, da das Weſentliche bei der Fortpflanzung der Pflanzen und Thiere wahrſchein⸗ lich durchgängig daſſelbe iſt, da andrerſeits die Vermehrungsorgane(im engeren Sinne) auch bei Thieren nur einer Vermehrung dienen, bei einmal blühenden Pflanzen mit der Samenreife das Leben überhaupt aufhört, viele Thiere(Männchen) nur zum Zweck einmaliger Befruchtung, und gewöhnlich nur kurze Zeit leben, die Infuſorien endlich, wie manche Algen, ſich nur durch Selbſttheilung oder Knospung vermehren.


