Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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ſenſchaft den Schein erſprießlichen Beiſtandes. Sobald ſie uns entkräftet ſehen, werden ſie mit einer zahlreichen Flotte erſcheinen und Alles ihrer Botmäßigkeit zu unterwerfen ſuchen¹). Die Sikelioten ſchloſſen in aller Eile Frieden. So ſcheiterten die Abſichten der Athener auf Sikelia. Ein noch gewaltigerer Nachtheil war es, daß endlich Sparta zu begreifen anfing, wo Athens ſchwache Seite ſei, wo es bekämpft werden müſſe.¹) In den makedoniſchen und thrakiſchen Städten regte ſich mächtig der Wunſch nach Unabhängigkeit. Sparta ſendete dahin 424 den Braſidas, einen für ein ſolches Unternehmen ganz geſchickten Mann. Mit dem WorteFreiheit trat Braſidas mit⸗ ten in Thrake auf und ſeine Tapferkeit, Klugheit und Menſchenfreundlichkeit gewann viele unzu⸗ friedene Pflanzſtädte dem peloponneſiſchen Bunde. Jedoch in Sparta iſt nicht die mindeſte Be⸗ geiſterung für die Befreiung der Griechen, wol aber Schmerz über die gefangenen Männer von Sphakteria, die grade aus den edelſten Geſchlechtern waren. Abermals erſchien es mit Friedens⸗ anträgen in Athen, deſſen ſanguiniſche Hoffnungen damals ſehr herabgeſtimmt waren. Eine Un⸗ ternehmung auf die böotiſchen Städte, welche in die atheniſche Bundesgenoſſenſchaft gebracht wer⸗ den ſollten,) war verunglückt. In Thrake drohte der Aufſtand immer weiter um ſich zu grei⸗ fen. Durch ſolche Vorfälle und durch die Fortſchritte des Braſidas beunruhigt und gebeugt durch den Verluſt von Amphipolis, einer durch Natur und Kunſt gleich befeſtigten Stadt und Mittelpunkt der atheniſchen Beſitzungen, von wo aus alle übrigen Städte in Unterwürfigkeit gehalten wurden ¹), nahm Athen 423 den angebotenen Waffenſtillſtand auf ein Jahr an. Aber die bei Ausführung der Friedensbedingungen ewig wiederkehrende Treuloſigkeit der Spartaner, die es für erlaubt hielten, zu ihrem Vortheil zu lügen und Nichtſpartiaten das Wort zu brechen, ſobald es Sparta förderlich ſei, brachte die atheniſche Volksverſammlung in Aufruhrs). Kleon trat aufs Nachdrücklichſte gegen die Peloponneſier und gegen den geſchloſſenen Waffenſtillſtand auf, und ſeine Anſicht mußte um ſo eher durchdringen, da der bedenkliche Zuſtand in Thrake, welcher der Hauptgrund zum Waf⸗ fenſtillſtand geweſen war, für die atheniſche Republik nicht aufhörte. Er, der ſeit dem Vorfalle von Pylos für einen guten Feldherrn galt, wurde, obwohl ihn die ariſtophaneiſche Muſe) von der Bühne herab kurz zuvor mit archilochiſcher Bitterkeit lächerlich gemacht hatte, an die Stelle des verbannten Thukydides 422 zum Anführer gegen Braſidas ernannt.) Nach Ablauf des Waf⸗ fenſtillſtandes ſegelte Kleon mit anſehnlicher Heeresmacht dahin, eroberte Torone und Galepos, zwei kleine Feſtungen⸗), und ging dann auf die wichtigſte der von Athen abgefallenen Pflanz⸗ ſtädte, auf Amphipolis, los, um es mit Sturm zu nehmen. Braſidas erfuhr die Bewegungen der Feinde und traf die zweckmäßigſten Anordnungen. Kleon, ohne die nachrückenden Verſtärkun⸗ gen abzuwarten, wagte, von ſeinen unzufriedenen Soldaten gedrängt, die Schlacht und fiel nach der Angabe des Thukydides 422 auf ſchimpflicher Flucht.

1) Thuc. IV. 60 65.

2) Schon 4 Jahre zuvor bemerkten die lesbiſchen Geſandten in der Volksverſammlung zu Sparta: Nicht in Attika, wie Mancher meint, wird dieſer Krieg entſchieden, ſondern da, von wo Attika ſeine Hilfe zieht. Thuc, III. 13.

3) Thuc. IV. 76 und 89 101. 4) IV. 36.

5) Ibid. IV. 117 123. 6) In den Rittern. 7) Thuc. V. 2. 8) lb. V. 2 und 6. 3