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man drohte, ſie alle niederzuhauen, ſobald die Peloponneſier einen Einfall ins attiſche Gebiet wagten. Seitdem blieb Attika von Einfällen verſchont. 1
So Thukydides IV. 27 und 28. Seine Abneigung gegen Kleon tritt bei Erzählung dieſer Ereigniſſe klar hervor, und ſeine perſönliche Anſicht ſpricht ſich deutlich genug in den Worten aus:„Die Sache war den Verſtändigen angenehm, welche erwogen, von zwei Vortheilen werde der eine ihnen zu Theil werden, entweder würden ſie, was wahrſcheinlicher war, Kleons los, oder ſie bekämen, täuſchte ſie ihre Erwartung, die Lakedämonier in ihre Gewalt“. Es geht aus die⸗ ſer Aeußerung deutlich der Wunſch hervor, die Spartaner in Pylos möchten nicht erliegen, das Unternehmen Kleons mißlingen, und der unglückliche Ausgang der Expedition den Sturz des politiſchen Gegners herbeiführen. Iſt es aber nicht unklug und unrecht, einem unkundigen Führer,„über deſſen Großſprecherei die ganze Verſammlung auflachte“, das Oberkommando zu überlaſſen und ſo das Intereſſe des Staates aufs Spiel zu ſetzen. Denn mißlang das Unter⸗ nehmen, und wurden„die Verſtändigen“ des Kleon los, ſo war ein ſolcher Sieg auf Koſten des Staatswohles gewiß zu theuer erkauft. Ein ſolcher zweideutiger Patriotismus iſt bei dem ſonſt hochherzigen und edlen Thukydides überraſchend, zeigt aber auch, wie durch Leidenſchaftlichkeit die richtige Einſicht in die Verhältniſſe des Staates und des Einzelnen getrübt werden könne, und fordert zur Behutſamkeit bei Benützung der Urtheile des Thukydides über den Demagogen Kleon auf.
Nach Pylos, einem wichtigen Poſten, legte Kleon eine Beſatzung und verſtärkte ſie mit Meſ⸗ ſeniern und Heloten, welche ſcharenweiſe herbeiliefen und durch unaufhörliche Einfälle in das benachbarte Gebiet ſich an ihren ehemaligen Unterdrückern rächten!). Sodann nahmen die Athe⸗ ner Anaktorium am amprakiſchen Meerbuſen und beſetzten es“), eroberten die für den Handel ſo herrliche, Lokonika gegenüber gelegene Inſel Kythera*), dann Thyrea, eine Grenzſtadt des Argeier⸗ und Lakonierlandes“*), ſowie Nyſäa, den vorzüglichſten Hafen von Megaris').
So hatten die Athener nach und nach mit einem Kranze von Feſtungen den ganzen Pelo⸗ ponneſos umſchlungen. Die Spartaner erkannten die Gefahr, verloren ihr zuverſichtliches Selbſt⸗ vertrauen, wurden zaghaft und waren ſeit dem Unfalle von Pylos, der ſie ſo unerwartet und ſo gewaltig traf, ſehr auf ihrer Hute).
In dem Grade, in welchem die Zaghaftigkeit der Spartaner zunahm, wuchs der Muth der Athener*). Ein gewaltiger Nachtheil war es jedoch für Athen, daß deſſen Anhänger und Freunde ſeine Politik durchſchauten. Der Syrakuſier Hermokrates ermahnt die Dorer und Joner zur Einigkeit und ruft den verſammelten Sikelioten zu:„Die Athener machen uns Nachſtellun⸗ gen, belauern unſere Fehltritte und geben ſich unter dem geſetzlichen Namen einer Bundesgenoſ⸗
1) Thuc. IV. 41. 2) Ib. IV. 49. 3) Ib. IV. 53 und 54.
4) Ib. IV. 56. 5) Ib. IV. 66—70.
6) Die Furcht der Spartaner beweiſen die grauſamen Maßregeln gegen 2000 Heloten, welche verſchwan⸗ den, und Niemand erfuhr, auf welche Weiſe jeder umkam. Thuc. IV. 80.
7)„Der Grund aber lag in dem unerwarteten Gelingen des Meiſten, was mit ſo ſtarker Hoffnung erfüllte“, ſagt Thukydides. IV. 65.


