Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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und die böſen Elemente der großen Stadt durch Fortführung des Krieges auf den fernen Kampf⸗ platz zu verſetzen, war alſo für Athen eine Nothwendigkeit und rechtfertigt Kleons Politik.

Die ausdauernde Beharrlichkeit der Spartaner auf Sphakteria und mancherlei andere un⸗ günſtige Umſtände der Belagernden ermüdeten endlich die Athener und ſie empfanden Reue, die gütlichen Vorſchläge der ſpartaniſchen Geſandten zurückgewieſen zu haben, um ſo mehr, da der nahe Winter eine fernere Einſchließung der Inſel unmöglich machte. Am Stärkſten fiel der Un⸗ wille auf Kleon, den vermeintlichen Friedensſtörer, und er war nahe daran, ſeinen Einfluß zu verlieren; da zeigte er dem wankelmüthigen Volke, daß die Ungeſchicklichkeit und Feigheit der beiden ariſtokratiſchen Feldherrn, des Demoſthenes und des Seeoberſten Nikias, an der langwie⸗ rigen Belagerung Schuld ſeien, und rieth den Athenern, eine Flotte mit tüchtigen Männern aus⸗ zurüſten und bei dem Herannahen der böſen Jahreszeit damit keine Minute zu zögern. Er be⸗ hauptete, es wäre ein Leichtes, die kleine Schar Feinde auf Sphakteria zu bezwingen, wenn die atheniſchen Feldherrn mannhaften Sinnes wären. ¹) Nikias rief ſeinem verhaßten Widerſacher zu, daß dieſer, wenn er es beſſer zu verſtehen glaube, das Commando übernehmen und den Verſuch machen ſolle. Dies ſetzte, wie Thukydides²) erzählt, den Schreier, der die Zunge beſſer als das Schwert zu gebrauchen wußte, in Verlegenheit, und er wich aus; allein je mehr er Entſchuldi⸗ gungsgründe vorbrachte, deſto heftiger drang man in ihn, die Feldherrnſtelle anzunehmen. End⸗ lich erklärte er, daß er den Befehl übernähme und an der Spitze von 400 leichtbewaffneten Bündnern binnen 20 Tagen alle Lakedämonier entweder niederhauen oder gefangen nach Athen bringen werde. Die Athener konnten ſich bei dieſer Großſprecherei des Lachens nicht enthalten; denn es war ihnen höchſt unwahrſcheinlich, daß Kleon im Stande ſein werde, ſein Verſprechen zu erfüllen; Allen aber war die Sache angenehm. Die ariſtokratiſche Partei, Thukydides meint: der vernünftige Theil, mochte hoffen, auf dieſe Art Kleons los zu werden, der Demos wollte ſeinem Lieblinge Gelegenheit geben, ſich den Feldherrnkranz zu verdienen. Kleon ließ ſich hierauf den Demoſthenes als Mitfeldherrn geben, weil dieſer den Plan zu einer Landung auf der Inſel Pylos entworfen hatte. Und ſiehe! der glänzendſte Erfolg krönte dieſe Expedition. Kleon kehrte mit 292 Gefangenen, welche von den 420 noch übrig waren, darunter 128 Spartiaten, in ſeine glückliche Vaterſtadt zurück und durfte ſich rühmen, nicht nur ſein kühnes Verſprechen, die Strei⸗ ter binnen 20 Tagen gefangen nach Athen zu bringen, über alle Erwartung erfüllt, ſondern den Griechen auch gezeigt zu haben, daß ſelbſt Spartaner den Tod fürchten und ihre Waffen auslie⸗ fern könnten.*) Ihr Erſcheinen brachte in Athen eine enthuſiaſtiſche Freude hervor,¹) und Kleon, jetzt auch ein Held, wurde der Abgott der wankelmüthigen Menge, während das Anſehen des Nikias zum Schatten herabſank(Arist. Ritter 825). Die Gefangenen wurden in engem Gewahrſam gehalten, und

1) Thuc. IV. 27. 2) IV. 28..

3) Thuc. IV. 39 und 40. Während des Freiheitskampfes der Griechen von der Herrſchaft der Türken war Pylos, das heutige Navarino, abermals Schauplatz einer großen Waffenthat. Am 20. Oktober 1827 wurde hier die türkiſch⸗ägyptiſche Flotte von der vereinigten Seemacht der Franzoſen, Engländer und Ruſſen faſt gänzlich vernichtet.

4) Der damalige Uebermuth der Athener ſchildert Ariſtophanes trefflich in denWespen und denVögeln.