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Weiſe gegen Alles Oppoſition, gegen hervorragende Perſönlichkeiten und gegen bevorzugte Stände, gegen die herrſchende Art des öffentlichen Lebens und gegen die geltenden Maximen der Staats⸗ regierung. Sie verfolgt ebenſo konſequent den Euripides und Sokrates, die Vertreter der zeitge⸗ mäßen Richtung und des Fortſchritts, wie ſie ſich gegen die Redner aus der neu rhetoriſchen Schule, gegen die Sophiſten und ihre reichen Freunde erklärt; ſie ſpottet ebenſo über den olym⸗ piſchen Perikles und den antidemokratiſchen Nikias, den Führer der oligarchiſchen Friedenspartei, wie über die Volksmänner, den Lampenfabrikanten Hyperbolos, den Bäcker Kleogenes und den Schafhändler Lyſikles. Und wenn ſie an mehreren Orten die Ritter preiſet, ſo wird die ganze Ritterſchaft an einem andern wegen ihrer modiſchen Weiſe, wegen ihrer Paſſion für Pferde, Dir⸗ nen und Sophiſten verſpottet. Sie erklärt ſich gegen die Poeſie, wie ſie grade Beifall findet, greift das Syſtem des Krieges überall als unſinnig und unglücklich an und führt eine fortgehende kühne Sprache gegen die Regierung. Vorzüglich aber entwirft Ariſtophanes in ſeiner ariſtokrati⸗ ſchen Abneigung, wie der ſo häufige Gebrauch des Sopscdsne zeigt, ein ſcheußliches Bild von Kleon, dem Gerber, der ſich aus dem Staube an die Spitze des Staates hinauf zu arbeiten ge⸗ wagt, der den Kalliſtratos, den vermeintlichen Verfaſſer der„Babylonier“, vor den hohen Rath gezogen und ihm arge Verlegenheiten gebracht hatte. Ariſtophanes ſpricht ſeinen Haß gegen Kleon auch offen in den„Acharnern“(V. 300 ff.) aus:„Ich haſſe dich(den Dikanopolis nämlich) mit mehr Bitterkeit, als den Kleon, den ich noch einſt*) für die Ritter zu Sohlleder entzwei ſchneiden will“. Zu dieſem bitteren Haſſe geſellt ſich noch Eiferſucht auf die Populari⸗ tät und die Macht Kleons. Je mehr dieſer an der Fortſetzung des Krieges feſthält und ſein durch die abſolute Demokratie gebotenes Prinzip vertheidigt, je entſchiedener er gegen die gehei⸗ men Geſellſchaften, welche die Ritterſchaft zur gegenſeitigen Unterſtützung bei Wahlen und Prozeſ⸗ ſen geſchloſſen hatte, gegen die Hetärien, auftritt, deſto mehr wird er verfolgt und mit Salz und Lauge überſchüttet. Und dennoch gilt die Komödie vielen Schriftſtellern bei Beurtheilung des Kleon als wichtige Autorität und ſie meinen, es erleide kaum einen Zweifel, daß, wenn Pe⸗ rikles oder ein anderer Demagog, mäßig und beſonnen, wie er, gelebt und das Staatsruder ge⸗ führt hätte, der verderbliche Krieg ſein Ende erreicht hätte. Solche Schriftſteller überſehen, daß dieſer Krieg keine Sache der Willkür, ſondern eine Nothwendigkeit war. Beide Bundesgenoſſen⸗ ſchaften, die atheniſche und peloponneſiſche, hatten ſich in dem Kriege nicht nur äußerlich feind⸗ lich bezeigt, ſondern auch innerlich feindlich entwickelt. Der Kampf ließ ſich alſo wol unterbre⸗ chen, aber nicht aufheben; ein dauernder Frieden war nicht zu hoffen. Denn aus dem Kriege, welchen das hegemoniſche Streben Athens einerſeits, andrerſeits der Freiheitstrieb der unterjoch⸗ ten Staaten und der Grimm und die Eiferſucht Spartas auf Athens Machtſtellung hervorge⸗ rufen hatten*), war ein Krieg geworden, der gegen die Verfaſſungen ſelbſt gerichtet war und der bei der Stammverſchiedenheit und dem abweichenden Entwickelungsgauge der beiden ſtreitenden Parteien, der Joner und Dorer, ſeine Endſchaft einzig durch den Sieg des Neuen über das Alte,
1) Deutet auf die ein Jahr nach den„Acharnern“ erſchienenen„Ritter“. 2) Thukydides ſagt(1. 23): Die Furcht vor Athen war der Anfang des peloponneſiſchen Krieges.


