Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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ſogleich zum Angriff, ſchlug die Peloponneſier in die Flucht, ſetzte ſich in Verbindung mit der atheniſchen Beſatzung von Pylos und ſchloß Sphakteria eng ein. Vier hundert zwanzig Spar⸗ taner, größtentheils aus den erſten Familien ihrer Vaterſtadt, waren jetzt abgeſchnitten und es ſtand nicht in der Macht Sparta's, dies Detachement zu retten. Das grauſame Schickſal der Platäer drohte den Umzingelten, und man fürchtete mit vollem Grunde, daß die Athener ſich blu⸗ tig rächen würden. Um die eingeſchloſſene Schar nicht in Feindes Hände fallen zu ſehen, ſchloſ⸗ ſen die Spartaner einen Waffenſtillſtand mit Demoſthenes, dem dortigen Feldherrn, und ſchlu⸗ gen den Athenern einen Frieden vor, als deſſen Bedingung ſie die Freiheit der 420 Männer auf Sphakteria aufſtellten.

Kleon ſah ein, daß jene Streiter auf der Inſel in der Gewalt der Athener wären und daß ſich ein für ſeine Vaterſtadt günſtiger Vertrag erlangen laſſe. Daher trachtete er nach Mehre⸗ rem) und beredete ſeine Mitbürger:Zuvörderſt müßten die auf der Inſel ihre Waffen und ſich ſelbſt übergeben und nach Athen geſchafft werden; wären dieſe angelangt, dann ſollten die Lake⸗ dämonier gegen Zurückgabe von Trözen, Niſäa, Pegä und Achaia*) die Streiter zurückerhalten, und man wolle auf ſo lange, als beiden Parteien gut dünke, einen Vertrag ſchließen*) So laut⸗ teten Kleons Anträge, und ſie waren durchaus nicht zu hart. Da es der Rettung von 420 Mit⸗ bürgern galt, ſo nahmen die ſpartaniſchen Geſandten eine ſolche Sprache hin und begehrten, daß ein Ausſchuß gewählt werde, mit dem ſie das Nähere beſprechen könnten.Sie verlangten das, wie Thukydides ſagt,¹)um nicht, ſprächen ſie umſonſt, ihren Bundesgenoſſen verdächtig zu wer⸗ den. Wie aber ließ ſich von den Spartanern, welche einen Verrath an ihren Bundesgenoſſen begehen wollten, Aufrichtigkeit und Treue gegen die Athener erwarten! Auf Kleons Vorſchlag weiſet man dieſen Antrag der Geſandten als gefährlich und hinterliſtig zurück und begehrt, die Geſandten möchten ihre Vorſchläge in geſetzlicher Form der Volks⸗Verſammlung vortragen. Da die Spartaner erkannten, daß ſie ſich keine billigeren Bedingungen verſprechen dürften: ſo ver⸗ ließen ſie Athen unverrichteter Sache, und der Krieg nahm ſeinen Fortgang.

Harte Vorwürfe werden dem Demagogen Kleon wegen ſeines konſequenten Feſthaltens am Kriege von Ariſtophanes gemacht. Derſelbe meint, dem tollen Gerber Kleon, der von der Fort⸗ führung des Kampfes die ſchönſten Früchte für ſeine egoiſtiſchen Zwecke zu erndten hoffte, muß⸗ ten alle Friedensvorſchläge ſehr ungelegen kommen, und er werde mit Recht die große Mörſer⸗ keule genannt, mit welcher der griechiſche Kriegsgott die helleniſchen Stämme in ſeinem Mörſer zerſtampfe.) Jedoch ſo kühn und genial auch die ariſtophanäiſchen Komödien ſind, ſo witzig und ergötzlich ſie auch das Leben in ſeinen Mängeln und Gebrechen darſtellen, wie treu ſie auch die Zeit und die Sitten des atheniſchen Volkes abſpiegeln: ſo ſind ſie doch in Bezug auf Kleon ohne hiſtoriſche Wichtigkeit, und wir würden ſehr von der Wahrheit abirren, wollten wir bei Beur⸗ theilung dieſes Mannes uns von Ariſtophanes leiten laſſen. Denn die Komödie macht auf gleiche

1) Thuc. IV. 21.

2) Dieſe Oerter hatten die Athener während des dreißigjährigen Waffenſtillſtandes aufgegeben, vergl. Thuc. I. 103 und 105.

3) Thuc. IV. 21. 4) IV. 22. 5) Aristoph. Ritter. 875 und imFrieden.