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waltung des Bundesſchatzes ausſchließlich atheniſchen Beamten, den Hellenotamien, übertragen ward*) und ſpäter von Delos nach Athen kam. ²) Ungerecht war nun die Art, wie ſich die Athener dieſes Geldes bedienten. Anſtatt den Bundesſchatz ſeiner Beſtimmung gemäß gegen den gemeinſchaftlichen Feind, gegen die Perſer, zu gebrauchen, betrachteten ſie ihn als ihr Eigenthum, verwendeten ihn in ihren Nutzen und ſahen die dazu beitragenden Staaten nicht als Bundesge⸗ noſſen, ſondern als ihre zinspflichtigen Unterthanen an), ja bedienten ſich ſeiner ſelbſt, einem nach dem andern unter nichtigen Vorwänden auch ſeine innere Selbſtſtändigkeit zu entreißen. So⸗ gar einige der mächtigeren, wie Naxos(466), Samos(441) und Mitylene(427), traf die⸗ ſes Schickſal, als ſie den Anmaßungen Athens offne Gewalt entgegen zu ſetzen wagten.*¹) Mit Widerwillen und innerm Ingrimme gaben die Bundesgenoſſen den Tribut an den attiſchen Ad⸗ miral(dG ννρον1ο), der jährlich zur Einnahme der Steuern und zur Aufſicht, gleich einem tür⸗ kiſchen Kapudan Paſcha, im griechiſchen Meere herumzog; ja ſpäter lieferten die Bundesgenoſſen ſogar,— ſo weit hatte man ſich ihrer verſichert,— den Tribut an den großen Dionyſien jedes Jahres nach Athens). Der Betrag des Tributes belief ſich nach Ariſteides Anſatz auf 460 Ta⸗
lentes), ſtieg aber nach und nach durch die Willkür des atheniſchen Volkes bis nahe an 1300 Talente“) oder 3,375,000 Tlr.
Mit dieſem Gelde nun, deſſen Werth man faſt aufs Zehnfache vermehren muß, um es mit dem Geldwerthe unſrer Zeit zu vergleichen, rüſteten die Athener ihre Flotten aus, hielten ſie die murrenden Bundesgenoſſen im Zaume, beruhigten die Stimmführer das auf dem Forum, an
Gerichtsplätzen und im Theater ſich herumtreibende Volk, das ohne dieſe Geldſpenden ſchwer im Zaume zu halten war.
An die Beiträge der Bundesgenoſſen iſt alſo Athens Geſchick und Ruhe geknüpft, und da⸗ her gebietet es die Politik, jeden Abfall derſelben zu verhindern und das böſe Beiſpiel ſtreng zu beſtrafen. Und ſo wie Kleon, ſo fordert auch Perikles die Athener dazu auf, und die Härte, mit der Kleon ruft:„Stellt den Bundesgenoſſen ein warnendes Beiſpiel⸗ auf; der Tod erwarte den, der abfällt; dann habt ihr minder die eignen Bundesgenoſſen mit Vernachläßigung der Feinde zu bekämpfen,) dieſe Härte entſpricht ganz der damaligen wilden Kriegsſitte. Die Gefangenen niederzuhauen, das wehrloſe Alter und Geſchlecht in die Sklaverei zu verkaufen, das erkennen die Griechen für Recht. Daſſelbe wilde Kriegsrecht übt die doriſche Symmachie faſt zu derſelben Zeit, wo Athen gegen Lesbos wüthet, gegen Platää. Die Männer dieſer Stadt werden von den Thebanern getödtet und die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft, weil ſich Platää von dem Bunde der böotiſchen Städte zu Athen hin, von der Oligarchie zur Demokratie, gewendet hatte“*). So verübten die Griechen, ſelbſt in den Zeiten ihrer ſchönſten und geprieſenſten Kultur,
1) Thuc. I. 96. 2) plut. Aristid. 25. Diodor. XII. 38.— Thuc. I. 19. und 56. VII. 7. 3) Ibid. I. 76. 4) Thuc. I. 98 und 138; 115— 117. III. 27— 60 Diodor XI. 47. 5) Aristoph. Acharn. 510 und 650. 6) Thuc. I. 96. 7) Aeschin. F. Leg. 51. 8) Thuc. III. 40.
9) Ibid. III. 52— 68. cf. ibid. I. 23 und 67. III. 32 und 76— 86. und VII. 29 und 86. Plut. Lysan 15. Plut. Nic. 28.


