Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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mung, allerdings nur mit geringer Majorität, des Diodotos mildere Anſicht, man ſolle nämlich das Syſtem des Schreckens nicht übertreiben und bloß die Urheber des Abfalles als Rebellen ſtra⸗ fen. Und ſo fielen faſt 1000 Männer als Opfer ihres Freiheitsſtrebens unter dem Schwerte.

Der freie Grundbeſitz ward den Lesbiern entriſſen und an 3000 atheniſche Kleruchen überwieſen, welche zwar das Land den Lesbiern ließen, aber einen ſchweren, jährlichen Zins forderten. Die Zahl der Hingerichteten war allerdings ſehr groß, traurig groß; aber dieſe waren wirkliche Em⸗ pörer, und ihr Blut kam nicht über die Häupter der Athener. 3

Dieſe Rede Kleons gegen die Mitylenäer, in welcher Paſſow*) Blutdurſt, ſchleichende Arg⸗ liſt, verbunden mit der gewaltſamſten Entſchloſſenheit zum Böſen, erblickt, lehrt jedenfalls, daß Kleon keineswegs Volksſchmeichler war, wie uns Ariſtophanes und die meiſten ſpäteren Schriftſteller möchten glauben machen; ſeine Aeußerungen gegen das Volk ſind hart und heftig, und die bit⸗ teren Vorwürfe, die er demſelben macht, nur zu gerecht. Auch ſein ernſtlicher Tadel darüber, daß eine abgeſchloſſene Sache von Neuem in Frage geſtellt werde, iſt politiſch durchaus richtig, und in Zeiten, wie die des heftigen Krieges, wäre ſelbſt ein Fehler minder gefährlich geweſen, als Unentſchloſſenheit und halbe Maßregeln. Wie blutig und terroriſtiſch auch Kleons Vorſchlag war, jedenfalls iſt er ein Beweis, daß dieſer Mann nicht ein Freund der Halbheit iſt und daß er deutlich die gefährliche Situation der atheniſchen Republik erkennt. Denn wäre es den Mi⸗ tylenäern gelungen, ſich von Athen loszuſagen und an Sparta anzuſchließen, ſo würde daraus für jenes ein, großer Nachtheil entſtanden ſein, einmal durch den empfindlichen Verluſt der Ein⸗ künfte, welche Athen von der Inſel zog, dann würde die bedeutende Seemacht der Mitylenäer den Peloponneſiern eine ſehr willkommene Verſtärkung geweſen ſein, und endlich mußte Kleon wiſſen, daß die oligarchiſchen Parteiführer der ägäiſchen Inſeln, beſonders der Inſel Chios, ein ähnliches Unternehmen beabſichtigten; ſie alle mußten durch ein gewaltiges Beiſpiel geſchreckt wer⸗ den, wollte man nicht das Aeußerſte befürchten. Denn die Bundesgenoſſen waren der nervus rerum gerendarum Athens. Mit dem Beſitze oder Verluſte der Herrſchaft über ſie ſtieg oder ſank Attikas Herrſchaft. Auf die Bundesgenoſſen war des attiſchen Volkes Gewalt gegründet, ſo wie die Englands auf ſeine auswärtigen Kolonien.

Die innern Hilfsquellen Athens beſchränkten ſich ums Jahr 450 auf den Ertrag der Staats⸗ güter, wozu die Abgabe von Berg⸗ und Salzwerken, Forſten, Triften gehörte, auf die Ein⸗ und Ausfuhrzölle, die Perſonen⸗ und Gewerbeſteuer der Beiſaſſen, auf Straf⸗ und Gerichtsgelder ſo wie auf den Erlös aus Konfiskationen. ¹) Dieſe Einnahmen kamen wenig in Betracht und reichten kaum hin zu den laufenden Ausgaben, und Athen vermochte ſich keinen Staatsſchatz zu bilden, bis ihm ſeine Stellung als Bundeshaupt der Küſten und Inſelſtaaten neue Quellen er⸗ öffnete. Dem Tiefblicke des Themiſtokles), der ſchlichten Uneigennützigkeit des Ariſteidess) und dem Antrage der Samier verdankte Athen den Vortheil, daß es Seemacht wurde, daß die Ver⸗

1) Thuc. III. 41 50. 2) Philomathie, herausgegeben v. Dr. L. Wachler B. III. S. 29 ¼.

3) Boeekh. Abhandlungen der berliner Akademie 1814 und 1815. S. 111120 und Heerens Ideen III. 313. 4) Thuc. I. 93. Plut. Themist. 21 und 23. Diodor XI. 39 43.

5) Plut. Aristid. 1. 4. Herodot. VIII. 5. Aelian. hist. X. 17.