Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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Hellas zu behaupten, zu vergrößern. So lange er lebte, ließ freilich ſeine Einſicht und Charak⸗ terſtärke, ſeine Thätigkeit und Herrſchergabe, ſo wie die hohe Reinheit ſeiner Geſinnung!¹) die Nachtheile nicht hervortreten, die mit dieſem Syſtem ſowohl in materieller als moraliſcher Hin⸗ ſicht verbunden waren. Durch die perſönliche Autorität, die er über die Gemüther der Menge übte, ohne ſich zum Schmeichler zu erniedrigen, hielt er die Launen und Lüſte derſelben in wei⸗ ſen Schranken, ſelbſt als am Anfange des peloponneſiſchen Krieges die Peſt und die gräuelvolle Verwüſtung Attikas durch die Spartaner die Meiſten verwirrte, und allgemeine Muthloſigkeit und Verzweiflung an Geſetz und Göttern einriß. ²) Seine dreifache Meiſterſchaft als Feldherr, Staatsmann und Redner bewahrte den Staat eben ſo vor Rathloſigkeit als vor Schwindelei, ²) und das demokratiſche Athen genoß die Kraft und Einheit, kurz alle Vortheile einer Monarchie, und ſtand in ſeiner ſchönſten, edelſten und vollendetſten Geſtalt da, war die geiſtige Werkſtätte von Hellas und das Schreckbild der Feinde. Aber je ungeheurer dennoch die Anſtrengungen waren, deren er bedurfte, um den drohenden Sturz im Innern und nach Außen zu verzögern, ¹) deſto jäher erfolgte dieſer, als die Peſt im dritten Jahre des peloponneſiſchen Krieges das kunſtvolle Staatsgebäude, nur auf äußere Macht und Gewaltthätigkeit gebaut,s) ſeines Atlanten beraubte und Nichts, als ein verwöhntes Volk zurückließ. 8) Hätte Perikles einen Erben ſeiner Grundſätze, ſeiner Geiſtesgröße und Thatkraft gefunden, wahrlich, Athen hätte es nimmer zu bereuen gehabt, daß es einen Perikles an ſeinem Buſen nährte. So aber ſtürzte mit ſeinem Tode ſein Staatsgebäude zuſammen, wurde mit ihm alle Herrlichkeit Attikas zu Grabe getragen. Keiner trat nach ihm auf, der ſeine Ueberlegenheit beſeſſen hätte und Erbe ſeines An⸗ ſehens hätte werden können. Daher riß bald eine zügelloſe Pöbelherrſchaft ein, welche ihr Haupt um ſo kühner erhob und um ſo gefährlicher ward, da Perikles durch neue Einrichtungen das Staatsweſen aus den alten Angeln gehoben und manche Wehr, z. B. den Areiopagos,*) ge⸗ gen böſe Leidenſchaften weggeriſſen hatte. Nach dem Ausſcheiden ſeiner ausgezeichneten Perſön⸗ lichkeit aber konnte das Geſetz nicht wieder in ſeine ehemalige Geltung eintreten. Das Volk, durch Perikles zu mannigfacherer Thätigkeit geführt, doch von ſeiner Leitung abhängig, übte die gewohnte Vielgeſchäftigkeit auch fort, als nun Zaum und beſonnene Leitung mangelten. Daher denn das Marktſüchtige ³) ein vorſtehender Zug im atheniſchen Volksthum ward, und dazu ge⸗ ſellte ſich hohes Vertrauen der Menge auf ihre Einſicht, dann Raſchheit, die Eingebungen des

1) Plut. Per. 15. 2) Thuc. II. 47 55. 3) Plut. Per. 19. Aristot. polit. V. 4. 4. Thuc. II. 65. 4) Thuc. I. 117 und II. 13. Plut. Per. 27. 5) Thuc. III. 37.

6) Mit dieſer Peſt tritt in Athen ein neuer Lebensabſchnitt ein. Ueberhaupt iſt die Geſchichte großer Krank⸗ heiten ein wichtiger Zweig der Weltgeſchichte, der noch nicht bearbeitet, und doch ſo wichtig iſt. Ganze Ab⸗ ſchnitte in der Geſchichte werden allein erklärt durch das Auftreten und Verſchwinden mörderiſcher Epidemien. So verändert die Peſt unter M. Antonius und M. Aurelius den Charakter der Römer und gibt der Literatur und Kunſt den Todesſtoß. Mit der großen Peſt unter Juſtinian ſchwinden die letzten geringen Ueberreſte der Kunſt des Alterthums. Eben ſo ſchneidet die Peſt im 14. Jahrh. im Orient und in Italien ſcharf ab.

7) Plut. Cimon. 15 und Peric. 7. Aristot. pol. II. 8. 3. Gegen Ephialtes war wol des Komikers Phryni⸗ chosEphialtes(Fabric. bibl. ed Harlem II. 405) nicht gerichtet; Phrynichos trat nicht vor oder 435 429 auf(ſ. Clinton 3. J. 429. 3) Aopatos Aristoph. Fröſche 1015. Ritter 218.