Aufsatz 
Einfluß Kleon's auf die Politik Athens
Entstehung
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ihm ſein Daſein ſchuldig wurde, ihn ungerechter Weiſe mit einer ſo ſchweren Geldſtrafe belegt hatte, daß er ſie nicht bezahlen konnte; Ariſteides wurde verbannt, weil er den Namen des Ge⸗ rechten führte; Nichts half dem Kimon der Glanz ſeiner Siege, ſein angeborner Edelmuth und die Freigebigkeit, ja Verſchwendung bis zum Anſcheine der Demagogie; Themiſtokles verdankte, nachdem das gerettete Vaterland ihn vertrieben, dem Perſerkönig(1!1) die Ruhe ſeiner letzten Tage. Indem alſo Solon durch Theilnahme aller Bürgerklaſſen an der richterlichen Gewalt die Freiheit des Einzelnen gegen die Willkür der Obrigkeit zu ſchützen ſuchte, aber auch zugleich die Bürger veranlaſſen wollte, lebendigen Antheil an dem Gemeinweſen zu nehmen und mit demſel⸗ ben immer mehr zu befreunden: entging ihm das Gefährliche der Volksgerichte, bei welchen Ge⸗ rechtigkeit ſelten zu erwarten iſt, und die nur bei höchſt einfachen Sitten unbedenklich ſein mögen. Volksgerichte aber in der Art und in ſolcher Ausdehnung, wie ſie in Athen Statt fanden, bei welchen nicht bloß über die That, ſondern auch über die Strafe entſchieden wurde, mußten bei wachſenden Bedürfniſſen und verwickelten Umſtänden die Gerechtigkeit nothwendig der Argliſt und Leidenſchaft Preis geben. Solon hatte allerdings der Gefahr, die aus der Macht der Gering⸗ ſten des Volkes hervorzugehen ſchien, einen zweifachen Damm entgegen geſetzt. Er beſtimmte nämlich für die laufenden Geſchäfte der Adminiſtration den Rath der Vierhundert, edle, ehrwür⸗ dige und ernſte Männer, welche erſt alle Sachen durch ihre Beſchlüſſe vorbereiteten, ehe ſie vor die Volksverſammlung gebracht wurden, und in derſelben auch den Vorſitz führten. Ferner er⸗ theilte er dem hohen Rath auf dem Areiopagos die Gewalt, die entgegengeſetzten Beſtrebungen auszugleichen, dem Uebermuthe, der Zügelloſigkeit und dem Leichtſinne der Menge, wie der Ver⸗ kehrtheit und der Argliſt Einzelner zu begegnen, jegliche Tugend und ſtaatsbürgerliche Sitte bei dem Alter wie bei der Jugend zu fördern und dem beweglichen Leben dadurch eine lenkende Haltung zu geben, kurz der Mittelpunkt des Gemeinweſens zu ſein und der reinen, entſchiedenen Demokratie das Gleichgewicht zu halten. ¹) Aber es ließ ſich befürchten, daß trotz der weiſen Vertheilung der Staatsgewalt durch dieſen Geſetzgeber, trotz der wohldurchdachten Miſchung des oligarchiſchen und demokratiſchen Prinzipes, mit der rechtlichen Betheiligung des Demos an den Staatsgewalten, ſchlaue Männer, in Verkehrtheit, Leidenſchaft und Selbſtſucht den augenblickli⸗ chen Launen und Bedürfniſſen des Volkes ſchmeicheln, ſeine Paſſivität und Beſchränktheit be⸗ nützen, unter dem gleißenden Aushängeſchilde der Volksbeglückung die Unklaren und Verirrten verführen und täuſchen, den Willen der geſetzgebenden Menge bald offenbar, bald durch geheime Triebfedern für ihre eigennützigen Pläne gewinnen und die von Solon ſo tief durchdachte gemä⸗ ßigte Demokratie in abſolute Willkürherrſchaft hinüber führen könnten.*) Und der Areiopagos: wie vermochte er zuerſt ſeine Autorität zu begründen? Wie in der Folge Recht und Weisheit geltend zu machen, wenn in ſtürmiſchen Zeiten, durch Glück oder Unglück, die Sitten entarteten und alsdann ſeinem Anſehen getrotzt wurde, oder wenn die durch ſchlaue Verführung fortgexiſſene Menge ihm nicht länger gehorchen wollte? Alſo ſchien Athen gegen die Herrſchaft von Tyran⸗ nen und Volksverführern nicht geſichert. Und wenn man endlich durch den Oſtrakismos, durch

1) Plut. Solon. 2) Demosth. de falsa legat. und Plin. hist. nat. XXXIII. 36. 5.