Aufsatz 
Das Alexanderlied des zwölfen Jahrhunderts
Entstehung
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Herausforderung des Darius überbracht wurde, ſo daß er von der Leidenſchaft des Zornes übermannt, die Boten dafür bluten laſſen wollte.) Auf ihr Flehen kam er zur Beſinnung und ſprach mit den Boten gnädiglich.

In ſeiner Tapferkeit erſcheint Alerander wie ein wahrer Held. Er ſchlug, wie der Donner thut, ſeiner Feinde Schaar zu Boden. ²) Nicht einer ward von den harten Schlägen verſchont, die er ſchlug. Der Held trug ein gutes Schwert, ſein Speer war ſtark, wen ſein Schlag traf, der genoß nie mehr des Broles, ein Schrecken Aller, rollten die Augen fürchterlich, zu manchem Streich ſchwang er das Schwerts), er zerhieb manchen Schildes Nand und manchen feſten Helm; von denen keiner ward geſund, auf die in ſeinem Grimm er ſchlug. Wohl eines Leuen Muth er trug.¹) Er kämpfte immer vorn und ſchlug Alles darnieder, was entgegen kam.*) So geht denn ſein perſönlicher Muth bis zur Verachtung jeglicher Todesgefahr. Niemals noch beſchritt ein Mann je ein Roß ſo gut, wie er. Ihm ſtand darnach der Muth, daß er den Sieg erwürbe, oder als ein Degen ſtürbe.*)

Welch' ein anderes Verhältniß iſt doch das Alexanders zu ſeinen Soldaten hier in unſerm Lamprecht, als dort bei den Franzoſen: Ausſicht auf Beute und ein Bankett ſoll zum Muth und zu eifrigem Kampf anſpornen, während in dem deutſchen Alexanderlied, die Ehre, das glänzende Beiſpiel des Führers, die Mannentreue zu außerordentlichen Heldenthaten führt.

Es iſt bei der Beſprechung des franzöſiſchen Gedichts nachgewieſen worden, in welchem Widerſpruch das mit Uebertreibung dargeſtellte Heldenthum Alexanders zu den kleinlichen Mitteln der Liſt ſteht, deren ſich der König bedient, ſeinen Feinden den Vortheil abzugewinnen: Klugheit und Liſt wendet auch Lamprechts Alexander an, aber auch hier iſt das rechte Maas getroffen. Seine Klugheit zeigt ſich in den Anordnungen zur Belagerung von Tyrus.*) Sein kluger, liſtiger Sinn beſteht ferner darin, daß er eine undurchdringliche Vrünne(einen Helm) von Horn trägt. Dasjenige, was einen Helden erſt menſchlich und wahrhaft groß macht, die Offenbarung von Großmuth und Leutſeligkeit ſie tritt aufs glänzendſte in der Darſtellung des deutſchen Dichters hervor: das Gold, das die Karthaginienſer bringen, ſich den König hold zu machen, nimmt er nicht, doch empfängt er ſie in Gnaden.*)

Ein Krieger des Darius mit griechiſchen Waffen verſehen, um nicht erkannt zu werden, ſtellt ſich hinter Alexander und verwundet den Helden. Die Soldaten Alexanders fangen ihn. Er geſteht, daß er in der Hoff⸗ nung auf die Hand von Darius Tochter getrieben worden ſei, aufs Spiel zu ſetzen des Leibes Heil. Alexander läßt den Mann wieder zu ſeinem Herrn gehn.*)

Noch großmüthiger zeigt er ſich gegen Darius ſelbſt, deſſen Dank er nicht begehrt, von dem er keinen Lohn empfangen will, 1⁰) deſſen Tod er beweint⸗ ¹¹) Gefangenen ſchenkt er die Freiheit, heißt ſie königlich beden⸗ ken mit Silber und Gold und gebietet, daß jeder ſein Eigenthum ſich wieder nähme. ²) Als Mann um Mann erlag im Kampf gegen Porus, verbot er nicht nur Allen, Rache an Weibern und Kindern zu nehmen, ſondern

1) 1335. 2) 1545. 3) 1665. 4) 2208. 5) 2615. 6) 3070. 7) 925. 8) 710. 9) 2618. 10) 2766. 11) 3616. 12) 3424.