trifft ihn ewige Schande, daß er mit ſeinen Knechten wider Jungfrauen wollte fechten. Verleiht uns Gott das Heil, daß wir Frauen in dem Streit gewinnen werden, ſo iſt er ehrlos unter allen ſeinen Genoſſen. Doch kommt er in Frieden— wir wollen gern mit Ehren dienen. So verſtändiger Mahnung zum Frieden fühlt Alerander ſich geneigt zu folgen. Sage deiner Frau, mit dieſen Worten entläßt er die Botſchaft, daß ſie froh und glücklich ſei und von allen Sorgen frei. Und ſo fuhr er von dannen in ſo manches Land und ſchaute und vernahm noch manches Wunder und erlebte oft noch Unglück. Und ſeine Macht wurde weit in die Ferne getragen, und Alle ehrten ihn und verkündeten ſein Lob und ſandten ihm den Zins von ihrem Lande. Aber ſein Hochmuth trug ihn weiter. Sein Hochmuth trug ihn dazu, daß er ſich zu dem Paradies hinweiſen ließ, das wollte er bezwingen und Zins dort nehmen von den engliſchen Chören, die Schaar der Engel bekämpfen und unterthänig machen. Die alten Räthe mahnen ab, die jungen treiben ihn an. Alexander deuchte der letztern Rath gut. In ſeiner wüthenden Begier tobte er, wie die Hölle, welche ſelbſt den tiefſten Grund angähnt mit ihrem gierigen Mund und der Himmel mit der Erden, und daß ſie jemals voll mag werden, wird nimmermehr geſchehen doch; ſie iſt das unerſättliche Loch, das weder nun, noch jemals ſprach: Dies iſt, was ich nicht mag! Kann man wohl kräf⸗ tiger, anſchaunlicher darſtellen, was die Hölle in eines Menſchen Herz ſei? Dies iſt, was ich nicht mag, ſagt die Unerſättlichkeit der Begierde, ruft die Nuheloſigkeit der Leidenſchaft. Alſo that auch Alerander und kam durch ſeine Gierigkeit in manche Noth. Er zog mit allen ſeinen Mannen über Berg und Thal und mußte kämpfen mit gräßlichem Gewürm und ſchrecklichen Thieren. Allen kam Reue an, auch Alerander that jetzt die Fahrt leid, ſo ſehr er es auch verbarg. Auf dem ſtarken Strome des Euphrat ſchifft er dem Strom entgegen nach dem Paradieſe unter Donner und Blitz, Regen, Hagel und Schnee. Die Verzweifelnden tröſtet Alexander mit der Rückkehr in die Heimath und fortdauerndem Frieden. Nach vieler Noth und Qual kamen ſie endlich an eine hohe, ſteinerne Mauer. Vor dem Thore derſelben lärmten ſie lange vergeblich, bis endlich ein Alter kam, nach ihrem Begehr zu fragen. Wer iſt Alexander, daß er Zins von uns begehrt? ruft der Alte. Und die Ge⸗ fährten antworten: Kein König in allen Erdenreichen kann ſich mit ihm vergleichen. Er iſt reich und gut und hat Mannesmuth, er iſt ehrenhaft und kühn, der Wahrheit hold, von treuem Sinn und hat unendliche Gewalt: ihm iſt Feld und Wald und alles Land und auch das Meer und manches reiche Königsheer und Alles iſt unter⸗ than. Es iſt ihm beſſer, erwidert der Greis, daß er abſtehe von ſeinem Streben ohne Maas, will er ſich des Glückes erfreun, ſo mag er demüthig ſein, hat er doch des Uebels viel gethan und iſt bei Gott in großer Schuld. Was dünkt er ſich denn? Ein Mann iſt wie ein anderer doch, beide wol von Fleiſch und Bein. Und er reicht einen Stein dar für Alexander von wunderbarer Kraft mit der Weiſung, ſobald ihm werde deutlich gemacht werden, welches ſei die Macht des Steines, dann werde er ſich zur Demuth kehren. Und trotz des Widerſpruchs und Abrathens der jungen Helden kehrte der König heim und fuhr auf dem Fluſſe hernieder, nicht ohne Kampf mit manchem Thier und böſem Gewürm..
In Griechenland angekommen läßt er weit und breit verkünden, ob ein Mann zu finden ſei, der des Stei⸗ nes Kraft kenne und ihm ſeinen Namen nenne. Doch keiner kannte die Kräfte, die dem Stein dienen. Endiih fand ſich ein Jude, ſchon ſehr alt, von mannigfaltiger Weisheit. Dieſer erkannte ſogleich Natur und Art de Steins: er ließ eine Wage bringen: in die eine Schale legt er den Stein, in die andere manche goldne Fiade von großem Gewicht. Aber ſo viel man auch in die dem Stein entgegengeſetzte Schale legte,— der finhem tief hinunter, das ſchwerſte Gewicht ſchwebte hoch oben, die Schale zog es nieder mit dem hrue io 3 voll Und insgeheim läßt der Jude das Gold wegräumen und legte eine Flaumenfeder darauf und.. werden Erde,— da zuckte plötzlich die Feder mit der Hand voll Erde zum Grunde. So mußte jeder ien t dem daß dieß ein großes Wunder wäre, aber der Mann ſprach: Gott habe dieſe wunderbaren Dinge gema em Könige zur Lehre! es ſolle ihn der Stein lehren, ſich nicht zu überheben, ſich vor Gierigkeit zu bederen Wer voll Gier iſt, lebt ſtets in Sorgen, wie mag der frei von Leid ſein? Ein ſolcher Mann iſt dem Hölhenſchlund


