Aufsatz 
Das Alexanderlied des zwölfen Jahrhunderts
Entstehung
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De rethorica sai per bels afachmens

Colorar mas paraulas e mettra azautimens.... De musica sai yeu tot aondozamens

Quatre tous principals e quatre sots jazens.... D'arismetica sai totz los acordamens

Cresser, multiplicar et mermar, dividens.

Die ſieben(freien) Künſte bildeten die Grundlage der Erziehung. Die Grammatik lehrte Anfangs Latein ſprechen, decliniren, conſtruiren und ſich der Fehler in der Ausſprache zu entwöhnen; die Dialektik Argumente vernünftig aufzuſtellen, zu widerlegen, zu verdrehen, Trugſchlüſſe zu machen, zu ſchließen und den Gegner zur Niederlage zu führen; durch die Rhetorik lernte man mit Hilfe ſchöner Wendungen ſeine Worte ſchmücken und mit Figuren ausſtatten. Die Muſik lehrte die vier Haupttöne und die vier untergeordneten; die Arithmetik gab den Schlüſſel zu ihren vier Fundamentaloperationen. Auf dieſen ſpeciellen Unterricht, den man in den Klöſtern ge⸗ noß, folgte eine poetiſche Erziehung für diejenigen, welche ſich den Waffen, oder den Wiſſenſchaften widmeten. Die jungen Zöglinge der Ritterſchaft gingen aus den Händen des Mönchs in die der Caſtellane über und hießen donzels oder damoisels. Diejenigen hingegen, welche eine glühende Einbildungskraft zur Poeſie trieb, fingen an die neue Mythologie zu ſtudiren, welche acht Jahrhunderte hindurch das ganze Mittelalter in müßigen Stun⸗ den ergötzte. ¹)

Alexander, dem Kinde wuchs Verſtand, Kühnheit und Gewalt. Dieſe Tugenden zeigte er vor Allem bei der Befeſtigung und Bändigung des Roſſes Bucephalus, von dem prophezeit war, daß man an ihm erfahren würde, wer nach Philipps Tode das Königreich erben ſollte. Vater und Sohn treffen zuſammen. Ihre Rede war viel minneſam. Heil dir, ſprach der Vater, mich dünket, du ſollſt König ſein. Auf die Bitte des Sohnes wird er wohl gewaffnet und will nur dann erſt König genannt ſein, wenn er würde eine tapfere That gethan haben. Er führt ſie gegen Cäſarea aus. Bei der Rückkehr findet er ſeine Mutter Olympias verſtoßen und ver⸗ ſöhnt erſt nach vieler Mühe ſeine Eltern. Darauf zieht er im Dienſt des Königs in den Kampf gegen verſchie⸗ dene Völker. Als Philippus ſtarb, wurde Alexander, 20 Jahr alt, zum König gemacht: Stark wuchs ihm ſeine Gewalt, daß er mit Liſt und Macht ſein Reich wohl bereiten, d. h. im Stande halten mochte, kräftig iſt ſeine Anrede an ſeine allergetreueſten Mannen: Wir müſſen das Heer leiten, Griechenland zu Ehren. Wer da will ſchnelles Roß, Waffen und Gewand, das thue ich ihm Alles guten Rath, ohne alle ſeine Arbeit. Wer noch mit mir kämpft, mit dem theile ich Leib und Gut und trage ihm immer willigen Muth. Darauf ließ er zur Heerfahrt laden, ſandte zu Griechen und Macedonen, nach Kalabrien und in die Stadt Nicodemias. Mit 70,000 Mann ſchiffte er über ein Ende des Meeres und nimmt Zins zum Schimpf für Darius, dann fuhr er im Sicilienland und verwältigt Alle, die er da fand. Als die Römer dies vernahmen, brachten ſie Silbers 100,000 Pfund, andere Geſchenke und eine goldene Krone. Alexander zieht gegen Africanus, macht Carthago zinspflichtig, unterwirft Aegypten und ſtiftet(Alexandria) eine Burg, die zu Ehren ſeines Namens nach ihm ge⸗ nannt ward, er zerſtört Galiläa, Samaria, Jeruſalem, Bethlehem u. ſ. w., als endlich er nach Tyrus trieb, eine Stadt, von der Lamprecht, nachdem er ſie mit dichteriſchen Farben gemalt, ſagt, es ſei Schade, daß Alexan⸗ der ſie zerbrach in ſeiner Uebermüthigkeit. Er wußte keine weitere Schuld an ihnen, als daß ſie waren einem Könige hold, Darius, dem ſie ihre Treue zugewandt. Sie werden unter Drohungen zur Uebergabe aufgefordert und als ſie trotzig ablehnten, begann Alexander vor Zorn zu erröthen, vor Unmuth vermaß er ſich, daß ſie alle ſterben ſollten, da ſie ihm zu widerſtreben wagten. Noch wüthender ward er bei der Kunde, daß ſie eine zweite

1) Histoire du midi de la France. Par Mary-Lafon II, 348.