Aufsatz 
Das Alexanderlied des zwölfen Jahrhunderts
Entstehung
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terlichen Ausſtattung von Reiter und Roß, die in Panzer und Eiſen erſcheinen, trotz der vergoldeten oder geſtick⸗ ten Wappenroͤcke der einzelnen Helden, trotz des unhiſtoriſchen Hintergrundes des Weltmeeres iſt das Ganze doch in Idee und Ausführung die vortrefflichſte Veranſchaulichung einer großartigen Weltbegebenheit. Der Ausdruck in Blick und Haltung beider Könige, die in goldner Rüſtung aus der Mitte des Gemäldes gleichſam hervortre⸗ ten, zeigt ächt Heldenhaftes und Königliches; Darius iſt im Zurückblicken nach ſeinem Gegner bei allem Stolz in der Stellung nicht ohne einen Zug von Melancholie.

Hat der Maler es verſtanden trotz des unhiſtoriſchen Beiwerks mit ſeinem Gemälde uns eine Vorſtellung von der Bedeutung und dem gegenſeitigen Verhältniſſe der Helden zu geben, ſo kann der Dichter mit ſeinen viel rei⸗ cheren Mitteln ungeachtet der Anachronismen und der auffälligſten Verſtöße einen Helden darſtellen, deſſen Cha⸗ rakter im Weſentlichen von der geſchichtlichen Wahrheit nicht allzuſehr abweichen wird, einen Charakter, der con⸗ ſequent durchgeführt, oft genug innerlich wahrer erſcheinen wird, als der einer hiſtoriſchen Perſon.

Die innere Wahrheit aber, die Treue, welche in der conſequenten Durchführung beſteht, iſt die ſchwache, leicht angreifbare, ja beinahe überall unhaltbare Seite Lambert's und Bernay's. Wie ſie in ihrer Charakteriſtik ein wahres Fratzenbild aus ihrem Alexander machen, das weiſt Villedeuil witzig und beluſtigend faſt überall in ſeiner Schrift nach. Statten ſie doch ihren Helden ſchon in der Kindheit mit der Weisheit Salomo's aus, wo⸗ mit dann freilich ſchlecht übereinſtimmt, daß er ſeinen Lehrer eines Nachts wegen eines ſonderbaren Verdachts kopfüber in einen Abgrund ſtürzt.*) Als Kämpfender erſcheint er weniger heldenhaft, ſondern oft grotesk und zuweilen nicht beſſer als ein Kopfabſchneider. Für ſeinen Zorn iſt kein irgendwie begründetes Motiv zu erſehn, er handelt etwa wie Karl der Große dargeſtellt wird in dem Rolandslied. Wie dieſer gibt er autokratiſch von plötzlich aufbrauſendem Unwillen keine Rechenſchaft, läßt ſich von Launen beſtimmen, will ſeinen Willen errathen haben, hat ſchon alle Anlage zu den barocken, ritterlichen Launen der ſpaniſchen Romane(Gervinus). Ja es fehlt nicht viel, daß er nicht wirklich wie Don Quirote handelt. Sein Vater Philippus verſtößt die tugendhafte Olympias. Alexander, ein Beſchützer der Damen, hiervon benachrichtigt, ſchwingt ſich auf ſein edles Roß, nach⸗ dem er eine Botſchaft an den mitſchuldigen Seneſchall vorausgeſchickt. Als dieſer den Abgeſandten eben hinrichten laſſen will, erſcheint Alexander mit großem Toben, ſtürzt ſich auf Jonas, ſchreit ihn an und ſchneidet ihm, ohne daß er Zeit gewinnt ſich zur Wehr zu ſetzen, den Kopf ab. Das Gefolge Cleopatras zieht den Degen und es beginnt ein blutiger Kampf, in welchem die Gefährten Alexander's Sieger bleiben. Dieſe werden dann zu an⸗ derweitigen Kämpfen durch die von Alerander in Ausſicht geſtellte Beute und die Mahnung, für die Ehre der Damen zu ſtreiten, angefeuert. Eben ſo lockend iſt das nach jedem Siege von dem Feldherrn arrangirte Bankett. Er ſelbſt iſt ein Kämpfer ohne Gleichen, kaum 30 Krieger können ihn zum Weichen bringen, ein Kampf mit un⸗ geheueren Thieren iſt für ihn die. leichteſte Sache von der Welt. Trotzdem nimmt er, um des überall glücklichen Erfolges gewiß zu ſein, auch zur Liſt ſeine Zuflucht und ſchleicht ſich verkleidet in das Lager der Feinde. Ein andermal führt er unter dem Namen Antigonus einen Kriegszug gegen den Herzog Palatine, den er gefangen nimmt und hängen läßt. Außer dieſer ein wenig ſchlimmen Eigenſchaft der Liſt und Verſtellung, die der ritterli⸗ chen Ehre Abbruch zu thun ſcheint, laſſen ihn die Dichter noch einen hohen Grad von Selbſtſucht zur Schau tra⸗ gen. An der Quelle der Unſterblichkeit angelangt, trägt er das lebhafte Verlangen, ſich in derſelben zu barete Da kommt ihm Enoe zuvor und taucht in das magiſche Baſſin unter. Da Alexander ihn jetzt nicht tödten kann, läßt er ihn zur Strafe an eine Säule feſtnageln. So wenig ehrenvoll dieß für Alerander iſt, eben ſo unrühm⸗

('est ta faute, répondit le

1) Nectanebo eut la bonté de f noi il avait agi ainsi.. demander au jeune homme pourqi g s mourir de la main de

rrinee Senmene Pourquoi ne regardes-tu pas à tes pieds? Fatalitéè! Comment? Je deva mou fils.