10
Um den Bruſtkaſten zu erweitern und alſo den Lungen mehr Spielraum zu verſchaffen: treibe man fleiſſig die beiden Hantelübungen„Mühle ſeitwärts, rechts, links und mit ufſn Armen, ſowie Schulterprobe!“
Für Perſonen, die viel ſitzen müſſen, ſind beſonders heilſam„Stampfe und Sägemann.“ Um die Dehnbarkeit des Zwerchfells zu erhöhen: übe man fleiſſig„Körper⸗Kreisdrehen!“
Um die Beinmuskeln anzuſpannen und dadurch zu ſtärken: gewöhne man ſich zeitig dar bei allen Turnübungen, wobei die Beine den Boden nicht Arahea⸗ die dnſſohd n nhc Tün ten zu ſtrecken!„
Beim Sprunge falle man nie auf die Ferſen, ſondern ſtets auf die Fuſſſpitzen! Im er⸗ ſteren Falle pflanzt ſich die Erſchuͤtterung unmittelbar im Körper fort, ergreift das Rückenmark und kann, wenn der Sprunß ſehr hoch geſchehen, ſelbſt ein Gehirnleiden verurſachen. Im zweiten Falle aber wird die Erſchuͤtterung durch die Gelenke des Mittelfuſſes und der Fuſſ⸗ wurzel bedeutend gemildert und dadurch gefahrlos.
Bei'm Überſchlagen am Barren und an den Ringen ſei man vorſichtig in Bezug auf die rechte Zeit des Loslaſſens der Hände, damit keine Verrenkung entſtehe. Ich nenne hier zum beſſeren Verſtändniß meiner Schüler das ſtraffe Gelenk(synarthrosis), das Charniergelenk (gynglymus) und das freie Gelenk(arthrodia)— alle drei an den Armen,
Ich ſchlieſſe nun mit einem frommen Wunſche:„Möchten die betreffenden Regirungen, welche ſich in jüngſter Zeit genöthigt geſehn, einzelne Turnvereine wegen gefährlicher Tenden⸗ zen aufzulöſen, recht bald in den Stand geſetzt werden, dieſelben wiederherzuſtellen! Möchten aber auch zu dieſem Zwecke die Mitglieder jener Vereine alles Fremdartige daraus entfernen und ſich künftig nur mit dem Turnen beſchäftigen!“
Friſch, frei, froh, fromm ſind herrliche Worte, die ſich ein wackerer Turner als Lebens⸗Motto wol erwählen darf; doch unter Freiheit, dieſem Lieblingstraume der Phantaſten, muß er nicht etwa Ungebundenheit verſtehen und ein rückſichtloſes Heraustreten aus aller Zucht und Ordnung, ſondern ein Sichfreimachen von Begierden und Leidenſchaften— alſo eine innere Freiheit, deren Reſultate dann gewiß belebend und erfriſchend nach Auſſen wirken und ſeinem Körper ein erhöhteres Wohlſein bereiten werden.


