Aufsatz 
Das Turnen in Neisse
Entstehung
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iſt man bei dieſer Vorrichtung gezwungen, immerdar Eine Wurfrichtung beizubehalten wäh⸗ rend man ſich beim loſen Kopfe hinſtellen kann, wo man will. Drittens iſt ein zerbrochenes

Charnier nicht ſogleich wieder reparirt, während bei'm loſen Kopfe die Reparaturkoſten erſpart werden und keine Unterbrechung ſtattfinden darf.

Die Hauptſache bleibt am Ende ſtets, den Kopf vermittelſt eines Kernwurfes aus ſeiner Lage zu bringen. Und handelt es ſich einſt um einen lebendigen Kopf: ſo wird derſelbe gewiß die naͤmliche Unbehaglichkeit empfinden, ob man ihn vorn trifft, oder hinten, oder von der Seite.

Natürlich muß man darauf halten, daß ſich die Schüler nicht ſelbſt als Gerköpfe traktiren und ohne Ordnung draufloswerfen.

20) Ein Schlet, d. i. eine an den Enden auf Unterlagen, etwa einen Fuß über der Erde ruhende, 16 bis 18 Fuß lange und 5 bis 6 Zoll ſtarke Stange.

321) Ein Ruſt, d. i. ein auf die hohe Kante gelegtes Brett. Je dünner daſſelbe, deſto ſchwerer das Laufen darauf.

22) Ein Steg, d. i. eine, über eine Vertiefung gelegte, 16 bis 18 Fuß lange, 21 Zoll ſtarke und 6 Zoll breite Bohle.

20) und 21) werden beſonders gern von kleineren Schülern benutzt, ſind jedoch auch den größeren ſehr zu empfehlen, wenn ſie wollen auswärts gehen lernen.

23) Eine Wurfſcheibe. Ein Turngeräth, welches, ſoviel ich weiß, in keiner anderen Turn⸗Anſtalt zu finden iſt. Es beſteht aus einer länglich⸗runden, etwa drei Fuß hohen und an ihree breiteſten Stelle ungefähr 1 Fuß breiten Bohle von hartem Holze, in deren Mitte ein dreizoͤlliges Loch gebohrt worden. Dieſe Bohle iſt unten zapfenförmig zugeſchnitten und wird mit ihrem Ende in der Einſchnitt einer neun bis zehn Fuß hohen Säule befeſtigt. Die Schüler ſtellen ſich, je nachdem ſie ſtark oder ſchwach, zehn bis ſechszehn Fuß von der Säule entfernt auf und verſuchen mit 1 ¾ bis 2 Zoll im Durchmeſſer haltenden Holzkugeln durch die Oeffnung zu werfen.

Ich kam auf die Aufſtellung dieſes recht nützlichen Turngeräthes durch die bekannte Anekdote, wo ſich bei Philipp von Macedonien ein Künſtler meldet, der aus einer gewiſſen Entfernung Erbſen durch ein Loch zu werfen ſich geübt und dieſes Meiſterſtück dem Könige produziren wollte. Philipp ließ ihm ſtatt des gehofften goldnen Lohnes für ſeine brotloſe Kunſt einen Scheffel Erbſen verabreichen.

24) Ringe. Es ſind deren zwei, von Metall, zirkelrund und mit handbreitem Durch⸗ meſſer, damit man ſie bequem faſſen kann. Wir haben deren von Eiſen und Meſſing; erſtere ſind mit ſtarkem Leder überzogen, letztere ohne überzug. Sie hangen an Tauen etwa fünf bis ſechs Fuß über dem Boden und zwei Fuß von einander entfernt. Wir machen folgende Übungen daran:

a. Den Taufengel oder das Neſt. Man faſſt die Ringe im Aufgriff, legt die Fuſſſpitzen ſich überſchlagend in dieſelben, alſo auf die Hände, zieht das Kreuz voͤllig ein und hält den Kopf hoch. Hierdurch werden die Muskeln des Halſes, der Bruſt, des Unterleibes, der Arme und Beine ausgedehnt und durch fleiſſiges Üben ungemein geſtärkt..

b. Hang an beiden Händen mit gekrümmten Armen.

c. Hang an einer Hand mit gekrümmtem Arwe, die andre wird, die Fläche nach Innen, in die Hüfte geſtützt; alſo nicht mit geballter Hand, was wegen der Muskel⸗Anſpann⸗ ung leichter wäre.

d. Hang an beiden Händen, Arme anfänglich gekrümmt und dann wechſelsweiſe in der Riſtlage geſtreckt. Dieß oft wiederholt und dabei die Beine geſtreckt, die Füſſe geſchloſſen und die Fuſſſpitzen nach Unten gehalten!

e. Den einfachen Überſchlag, ſowol vom Stande aus, ohne Abſtoß, als auch vom Lieen Su, ſo daß man ſich im letzteren Falle erſt emporheben und dann ſchwebend überſchla⸗ gen muß.

f. Wiege. Die vorige Uebung recht oft wiederholt, doch ohne Berührung des Bodens.

g. Den rechten Winkel. Man hält ſich auf ſolche Weiſe ſchwebend an den Ringen, daß die Arme gekrümmt ſind, und Ober⸗ und Unterkörper einen rechten Winkel bilden.