Aufsatz 
Das Turnen in Neisse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Gymnaſium und Realſchule beſteht, das aber ſonſt dumpfig iſt und viel zu klein, ſo daß höchſtens nur 24 Schüler nützlich darin beſchäftigt werden koͤnnen. Ein anderes läſſt ſich hier überhaupt wegen Mangels an ſolchen Räumen nicht beſchaffen. Wenn jedoch die Summe des, von Seiten des Gymnaſiums ſeit dem Jahre 1844 geſammelten, Turngeldes die nöthige Höhe erreicht haben wird: dann ſoll eine Turnhalle gebaut werden, neben welcher ſich dann wol auch ein Sommer⸗Turnplatz dürfte ermitteln laſſen. Denn der jetzige, neben der Rochus⸗ Allee gelegene, iſt zwar ſehr ſchön und groß, doch etwas zu weit von der Stadt entfernt. Und das andere Sommer⸗Turnlokal, der Saluz⸗Saal vor dem Berliner Thore, kann nur für eine einzige Klaſſe, nicht aber fuͤr mehre oder eine ganze Anſtalt, benutzt werden. Soviel über das Geſchichtliche unſerer Turn⸗Anſtalt!

Ich gehe II. zu den bei uns gebräuchlichen

Turngeräthen

über und werde mich hier und da über einzelne Ubungen ausſprechen, die ich ſelten oder nie in den mir zu Geſicht gekommenen Lehrbüchern erwähnt gefunden. Zugleich bemerke ich, daß bei uns alle Seiltänzerei und Künſtelei ſtreng vermieden wird. Wir richten vielmehr unſer Hauptſtreben auf eine ſyſtematiſche Körper⸗Ausbildung, deren Reſultate allerdings nicht ſogleich in die Augen fallen können, die aber nachhaltig wirken und den wohlthätigſten Einfluß, ſelbſt noch auf die ſpäteſten Lebensjahre, ausüben..

Der Lehrbücher über die Turnkunſt gibt es eine Unzahl, und es iſt die Sache eines Turn⸗ lehrers, der ſein ſchweres, verantwortliches Amt nicht blos handwerksmäßig verwalten will, aus jedem Werke, gleich der emſigen Biene, das Beſte und für die ihm gebotene Lokalität Paſſendſte herauszunehmen, namentlich aber niemals zu vergeſſen, daß der Organismus keines ſeiner Schüler dem des anderen gleich, ſondern daß die verſchiedenen Eigenthümlichkeiten derſelben auch verſchiedene Behandlungsarten erfordern, und man dem Einen nicht zumuthen darf, was der Andre mit Leichtigkeit auszuführen vermag. Allerdings ſind bei einer großen Schülerzahl dergleichen ſubtile Sichtungen nicht immer ſorgfältig durchzuführen; doch man thue, was man kann, und ſchaffe damit wenigſtens einiges Gute!

1) Die Hantel.

Wir beginnen hier unſer jedesmaliges Turnen mit den Hantel⸗²) Uebungen, indem mir dieſe nach einer faſt dreizehnjährigen Erfahrung als die gediegenſte Grundlage aller Körper⸗ Kräftigung erſcheinen. Beſonders ſegensreich wirken dieſelben für Arme, Bruſt, Unterleib und Kreuz, und kein Gelehrter, ſowie überhaupt Keiner, der zu anhaltendem Sitzen verdammt iſt, ſollte dieſe beilſamen Ubungen auſſer Acht laſſen. Die Bruſtmuskeln werden dadurch feſter und ausgebildeter, der Bruſtkaſten wird erweitert, mehr nach Auſſen gewölbt, und bietet deſſhalb den Lungen einen größeren Spielraum; und was den musculus higeps des Oberarms betrifft: ſo kann es ein tüchtiger Turner, der täglich wenigſtens fünfzehn Minuten hantelt, mit Leichtigkeit dahin bringen, daß ſeine Arme ſchon nach wenigen Monaten ſo kräftig werden, wie dieß nur noch durch fleiſſiges Schlagen mit Rapieren zu erzielen möglich. Indeß bleibt das Hanteln einfacher, gefahrloſer und wohlfeiler, als das Fechten, indem zum Schlagen Zwei gehören, während das Hanteln einſam betrieben werden kannz indem das Fechten zuweilen gefährliche, oder doch wenigſtens entſtellende Verwundungen bewirkt, während das Hanteln böchſtens, bei coloſſaler Ungeſchicklichkeit, eine Quetſchung veranlaſſt, und indem endlich zwei Rapiere theurer ſind, als ein Paar Hanteln.

Auch paſſt ſich für manchen Stand das Hanteln beſſer, als das burſchikoſe Rapieren.

Solange wir hier übrigens wegen des Raumes beſchränkt ſind, können wir nur mit feſt⸗ ſtebenden Füſſen hanteln. Zu den beiden anderen Arten dieſer Ubungen gehört mehr Platz.

2) Bei den EnglaͤndernDumb bell, ſtumme Glocke. Statt der Kugeln ſind dort Scheiben oder

Teller angebracht.