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Da ist es allem voran maßgebend, daß Storm zeitlebens diesen Ge- dichten mehr als allen seinen übrigen Werken anhieng und in ihnen das größte Erbe sah, das seinem Volke von ihm blieb. Er ist nicht müde geworden, diese Meinung zu äußern, in ruhiger Bestimmtheit vor Herm. v. Preuschen(Erinnerungen an Th. Storm a. a. O. S. 206) und in ziem- lich unvermittelter und verbitterter Zornesrede, die an den scheltenden Schopenhauer erinnert, den(iratulanten gegenüber an seinem siebzigsten Geburtstag(Jensen, a. a. O. S. 510/511).
Aber auch sonst ließe sich ein solches Beginnen aus dem gebotenen Anteil an den menschlichen Dingen befürworten. Unternähme ein mit
dem Besten, was seine Nation auf einem Gebiete geschaffen, Wohlvertrau-
ter, den Werken, die er verehrt, deren Schönheit und Gesetz er nach- fühlend und nachforschend erkannt zu haben glaubt,(iebilde eigenen Könnens an die Seite zu setzen, so bliebe es, selbst wenn das entschei- dende Talent fehlte, bei dem Ernst und der Ergebenheit in die Gebote strengen Künstlertums und einer durch das ganze Leben bewahrten Zu- versicht, die ihm eignen, ein reizvolles, überdies für das Wesen der Dicht- kunst aufschlußreiches Unternehmen, den Fehlern, welche die Oberhand gewannen, nachzugehen, halb Gelungenes durch mühsames Verbessern ganz um seinen Gehalt gebracht. Verfehltes als ein endgiltig Vollendetes behandelt zu seben immer in Ernst, Redlichkeit und Zuversicht. Um wie viel mehr scheint da Storms treu bewahrte und von Erfolg begleitete Anhänglichkeit einer eingehenden Betrachtung wert.
Die Literaturgeschichte überdies zieht aus einer genauen Chronologie der Gedichte mannigfachen Nutzen, weil allein mit ihrer Hilfe das wechselnde Verhältnis Storms zu Vorgängern und Mitstrebenden seinem ganzen Umfang nach wird beurteilt werden können wie auch der Einfluß seiner Lyrik auf die Dichter seiner Zeit.
Es kommt hinzu, daß Storms Lyrik in enger Bezichung zu seinen Novellen steht, diese aus jener hervorgingen, so daß eine genaue Kenntnis der Gedichte die Novellen selbst dem Verständnis näher bringt. Endlich der Vorteil aus zeitlich zu einer Gruppe verbundenen Gedichte, die einen gleichen Inhalt haben, den Biographen auf die Ermittlung noch unbekann- ter Lebensnachrichten zu führen, ein Gewinn, der schon diesen ersten Bemühungen nicht tehlte.
Wierden so über den schmalen Steg der dargelegten Hypotese sein Leben und seine Kunst einander zugeführt, so hat daran die Erkenntnis beider gleichermaßen gewinnreichen Anteil. Den Gedichten aber gebührt vornehmlich der Dank für diese Kunde und nur ungern scheidet man aus ihrem Dienst.
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