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Wie ein mit wohlerwogener Absicht aufgebautes Kunstwerk zieht das Fest an uns vorüber, und doch ist sicher der Wahrheit nirgends Zwang angetan. Goethe, voller Humor, wandelt zwischen den frommfröhlichen Rheinländern, ein Froher mit den Frohen, ein Mensch unter Menschen, und die Sonne des heitersten Augusttags lächelt diesem Fest der Befreiung von Kriegsnöten und der hoffnungsvollen Aussicht in eine schönere Zukunft. In der nach dem Brand vor einigen Jahren zum dritten Mal wiederer- standenen Kapelle(damals war sie von der die Franzosen verfolgenden preussischen Artillerie zerschossen worden), erinnert das von Goethe geschenkte, von ihm selbst ent- worfene und von der durch ihn geförderten Malerin Luise Seidler ausgeführte Bild des heiligen Rochus mit seinem Hündlein noch heute an den grossen Gast.
Wie erfrischend diese Reisen auf Goethe wirkten, zeigt die reiche Produktion von Liedern zum Divan, die gleich 1815 bei der Abreise von Weimar einsetzt und auf beiden Reisen, 1816 hauptsächlich durch den Verkehr mit Marianne von Willemer begünstigt, anhält. So konnte der nach Osten Schauende, nach dem Rhein sich entfernend, recht eigentlich das Buch als den„östlichen Divan von dem westlichen Ver- fasser“, wie es zuerst hiess, bezeichnen, und die Gegensätze schliessen sich harmonisch in diesem einzig in seiner Art da- stehenden Dichtwerk zusammen.
Im Jahre 1816 sollte ein dritter Zug uach dem Rhein unternommen werden, aber ein Zufall verhinderte diese letzte Reise, und der Dichter sollte seine Heimat nicht wiedersehen. Der Kutscher warf schon zwei Stunden hinter Weimar den Wagen um, die Achse brach, der den Dichter begleitende Hofrat Mayer wurde an der Stirn verletzt, und Goethe, der das als böses Omen betrachtete, kehrte, obgleich selbst unversehrt, nach Weimar zurück.


