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reise, und wie einst die Klettenberg zu seiner Mutter sagte, „wenn dein Wolfgang nach Mainz reist, bringt er mehr Kenntnisse mit als Andere, die von Paris oder London zu- rückkommen,“ so überschaut jetzt sein geschulter und genial schneller Blick in wenigen Tagen das für seinen Zweck Wesentliche jedes Ortes. Zwei Männer, die beide mit der politischen Wiedergeburt unseres Landes enge verknüpft sind, Stein und der damals in Köln den„Wächter“ redi- gierende Ernst Moritz Arndt, sind Goethe's Begleiter bei jenen Kunstgängen. Rheinaufwärts werden im Fluge Bonn (Sammlung von Pick), Neuwied(römische Altertümer), Koblenz(Frühstück bei Görres) besucht. Dann geht's wieder dem Oberrhein zu: in Frankfurt wird ein längerer Aufent- halt genommen und schliesslich Darmstadt, nochmals Heidel- berg, Mannheim und Karlsruhe(Verkehr mit Hebel) aufge- sucht. Ueber Würzburg geht es nach Hause zurück.
Diese bedeutenden Eindrücke finden dann ihren Nieder- schlag in den 1816 und 1817 erscheinenden drei Heften„Ueber Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden“, deren Perle in Bezug auf künstlerische Darstellung das St.„Rochusfest zu Bingen“ ist. In dem Abschnitt„Kunstschätze am Rhein und Main“ rät Goethe, keine Kunstakademien zu gründen, sondern in Anknüpfung an die Ueberlieferung nur einzelne Meister zur Heranziehung und Ausbildung von Schülern zu unterstützen. Denn eine lange Geschichte hat vor allem die Kölner Kunst, rühmt doch schon Wolfram von Eschenbach die Kölner Maler. Goethe sucht die Fäden blosszulegen, welche die niederrheinische Kunst mit der byzantinischen verknüpfen, und schildert eingehend das künstlerische Wirken und Wesen Jan van Eyck's. Eine Reihe von Winken wird auch sonst noch für die Organisation der Kunstbestrebungen im Rheinland gegeben. Die Beschreibung dieses Festes ist die unübertreffliche Schilderung eines rheinischen Volksfestes.


